„Angry Birds 2 – Der Film“ // Deutschland-Start: 19. September 2019 (Kino)

Es liegt nun schon eine Weile zurück, dass die Vögel und Schweine sich in einer epischen Schlacht gegenüber standen. Aber von Frieden keine Spur. Es ist dem unermüdlichen Red zu verdanken, dass die hinterhältigen Angriffe ihrer Inselnachbarn bislang ohne Erfolg waren. Eine Rolle, die der Wüterich sehr genießt, bringt sie ihm doch die Anerkennung, die ihm bislang versagt geblieben ist. Damit soll nun aber Schluss sein, wenn es nach den Schweinen geht. Denn da ist noch ein weiterer Feind aufgetaucht, auf einer dritten Insel. Zwar hält sich die Begeisterung von Red in Grenzen, ausgerechnet mit den Borstenviechern gemeinsame Sache zu machen. Letztendlich willigt er jedoch ein, als Teil einer gemischten Einsatztruppe heimlich zur fremden Insel zu fahren, um dort eine Katastrophe zu verhindern …

Ernsthaft? Jetzt noch? Als 2016 Angry Birds – Der Film an den Start ging, wurde dies mit viel Skepsis, wenn nicht gar Spott begleitet. Schließlich war das zugrundeliegende Handyspiel, das von sich selbst in Anspruch genommen hatte, Mario als bekannteste Spielfigur ablösen zu wollen, da längst auf dem absteigenden Ast. Der Film kam einfach zu spät, um noch von der Hochphase der Popularität profitieren zu können. Erfolgreich war der Animationsfilm dennoch, bei einem Budget von 70 Millionen Dollar spielte er immerhin das Fünffache wieder ein. Ein Nachfolger ist bei einer solchen Marge durchaus vertretbar. Drei Jahre zu warten, war hingegen fahrlässig, entsprechend ernüchternd sind die bisherigen Einspielergebnisse des zweiten Teils.

Besser als der Ruf
Das wird diejenigen freuen, die sich schon immer über dieses Franchise aufregten, vor dem es eine Zeit lang kein Entkommen gab. Und doch: Der Film an sich hat diese Häme gar nicht verdient, ist wie der Vorgänger auch ein eigentlich durch und durch nettes Werk für eine jüngere Zielgruppe. Und selbst erwachsene Zuschauer und Zuschauerinnen könnte es deutlich schlimmer treffen in dem Segment. Ob Angry Birds 2 dabei wirklich eine Verbesserung im Vergleich zum Vorgänger darstellt, wie an mancher Stelle zu lesen, darüber kann man geteilter Meinung sein. Kleine Schwerpunktverschiebungen sind aber unverkennbar, auch wenn das grundsätzliche Prinzip und der Humor natürlich schon sehr ähnlich geblieben sind.

So ist, welch Überraschung, Slapstick nach wie vor die Allzweckwaffe, die man zu jeder Zeit irgendwie einsetzen kann. Meistens bedeutet das, dass irgendwas gerade ziemlich schief geht, jemand hinunterstürzt oder gegen ein Hindernis rennt. Aber auch andere Formen des infantilen Humors kommen regelmäßig zum Einsatz, etwa bei unangebrachten Geräuschen des Körpers. Damit einher gehen nun stärker parodistische Elemente, wenn sich der Kriegsschauplatz verlagert und die geheime Vogel-Schwein-Mission sich in einen Heist Movie verwandelt – Anspielungen auf James Bond und Mission: Impossible inklusive. Letztere sind teilweise auch tatsächlich amüsant, denn derart bescheuerte Pläne und Hilfsmittel wie hier sieht man dann doch eher selten.

Abschied von alten Krachern
Die Kehrseite der Medaille: Die Bedeutung von Red wurde deutlich reduziert. Handelte Angry Birds seinerzeit von den Wutausbrüchen des Vogels und seinem Außenseitertum, so spielt der Aspekt eine nur untergeordnete Rolle. Lediglich am Anfang wird noch darauf eingegangen, danach wandelt sich das Abenteuer in ein reines Teamwork – mit allen Konsequenzen. So sind es jetzt so viele Figuren, dass die einzelnen nahezu unbedeutend werden. Manche bekommen nicht einmal einen Namen. Und auch das Grundprinzip des Spiels, welches den ersten Teil noch zu einer spaßigen Angelegenheit machte – die große Zerstörung! – ist so nicht mehr gegeben. Das kann man nun als notwendige Weiterentwicklung betrachten oder als Verlust des Wesentlichen, ein bisschen schade ist es sicherlich.

Aber auch so kann man hier seinen Spaß haben. So haben die Figuren mit ihren komischen Designs noch immer Wiedererkennungswert. Das gilt auch für die Neuzugänge, sowohl auf der Helden- wie Schurkenseite. Und es gilt für den Soundtrack, der zum Großteil aus bekannten 80er und 90er Hits besteht und das Gefühl verstärkt, hier eigentlich in die Vergangenheit gereist zu sein. An der Technik selbst ist nichts auszusetzen, die ist modern genug, das Inselsetting ist gefällig, wenn auch nicht sonderlich abwechslungsreich. Aufgrund des hohen Tempos bleibt aber ohnehin nicht die Zeit, um genauer hinzuschauen. Gebraucht hätte es Angry Birds 2 sicherlich nicht, der Film bietet jedoch ebenso wenig Grund zum Ärger. Vielmehr ist das leicht absurde tierische Abenteuer ein durchaus passabler Zeitvertreib, bevor die Animationsschwergewichte im Herbst anstehen.



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Angry Birds 2 – Der Film
„Angry Birds 2 – Der Film“ setzt da an, wo der Vorgänger aufhörte. Das bedeutet erneut viel Slapstick, dünner Inhalt und jede Menge kuriose Figuren. Der Schwerpunkt liegt dieses Mal jedoch auf der Teamarbeit, statt großer Zerstörungsorgien ist nun Heist Movie mit parodistischen Einlagen angesagt. Das ist ein netter Spaß für zwischendurch.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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