Unsere grosse kleine Farm

„Unsere große kleine Farm“ // Deutschland-Start: 11. Juli 2019 (Kino)

In einer globalisierten Welt, in der alles von einem Ort zum nächsten geschifft wird, der Transport günstiger ist als die lokale Produktion, da ist es oft nicht mehr ersichtlich, wo unser Essen eigentlich so herkommt. Noch schwieriger als das „woher“ ist die Frage nach dem „wie“ zu beantworten. Zwar ist das Bewusstsein inzwischen entstanden, dass man vielleicht doch nicht alles in den Mund stecken sollte, was so in den Supermärkten billig angeboten wird, ökologischer Anbau für die eigene Gesundheit förderlicher ist. Aber was das genau bedeutet, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind, das dürften die wenigsten Konsumenten und Konsumentinnen wissen.

John und Molly Chester wissen das, mittlerweile. Geplant war die eigene Farm anfangs nicht, eher ein Traum, der schon länger in den Köpfen herumspukte. Der Traum wurde dann jedoch recht bald Realität, als das Paar einen Ort brauchte, an dem ihr Hund Todd ganz ungestört bellen und Hund sein konnte. Jetzt hieß es Bäume pflanzen, Tiere anschaffen, das Ganze irgendwie bewirten. Natürlich sollte das alles sein, ohne Gift, eine Abkehr auch von der Monokultur, die zwar mehr Gewinne bringt – weil effizient –, für Flora und Fauna aber unschöne Folgen hat.

Hört uns zu!
Zumindest streckenweise ist Unsere große kleine Farm dann auch eine idyllische Gutmenschdemonstration, bei der dem Publikum zwar mit sanften Tönen, aber doch bestimmt mitgeteilt werden soll: So wie wir es machen, ist es richtig. Dass sie letztendlich erst einmal keine Ahnung haben von dem, was sie da tun, macht die Sache für sie schwierig. Von dem Ziel und den Mittel rücken sie aber nicht ab, weil es für sie alternativ los ist. Das kann ein bisschen anstrengend sein. Zwar treten die Chesters durchaus sympathisch auf, wenn sie für eine bessere Welt eintreten. Den Hang zum Moralisieren muss man jedoch verkraften können.

Spannend wird es ab dem Moment, wenn Probleme auftreten. Und von denen gibt es jede Menge. Da treiben sich Coyoten herum, die Hühner und Enten erlegen. Vögel machen sich über die stolzen Obstbäume her, bis nur noch Abfall übrigbleibt. Eine Schneckenplage treibt die Familie zu Weißglut. Schädling über Schädling machen sich breit, die unterschiedlichsten Arten, mit ihren eigenen Zielen, eine jede eine Herausforderung, mit der die Chesters erst einmal nichts anzufangen wissen. Dass das Paar dennoch durchhält, obwohl die Natur selbst ihnen unentwegt Steine in den Weg legt, ist beeindruckend, die meisten hätten hier irgendwann das Handtuch geworfen.

Ein Paradies fürs Herz
Unsere große kleine Farm, das auf zahlreichen Festivals lief, von Telluride bis zur Berlinale, ist aber nicht nur eine sehr persönliche Geschichte über zwei Menschen, deren Traum immer wieder an der Realität zu scheitern droht. Der Film ist auch eine Liebeserklärung an die Natur, wo ein Element ins andere greift. Auch da darf man das eine oder andere Fragezeichen dahinter setzen – einen Schädling auf einen anderen zu hetzen, ist schon ein wenig opportunistisch. Das Paradies ist nur dann ein Paradies, wenn es nach den eigenen Regeln der Farmer funktioniert.

Und doch ist Unsere große kleine Farm ein schöner Film, der wunderbare Aufnahmen von den Tieren wie auch den Pflanzen bereithält. Der Reiz des Dokumentarfilms liegt auch darin, dass er über viele Jahre entstanden ist, dass das Publikum von Anfang an dabei ist, wenn aus dem Nichts nach und nach eine blühende Landschaft entsteht. Immer mehr Tiere sind dort zu finden, von den Nutztieren über Insektenarten bis zu Schlangen, Eulen und Erdhörnchen. Einige davon wachsen einem auch so ans Herz, dass man tatsächlich etwas wehmütig wird, wenn sie doch das Zeitliche segnen. Und auch wenn das manchmal alles etwas naiv ist, so ganz kann man sich diesem Appell nicht entziehen, zusammen wieder ein bisschen mehr an der Natur zu sein.

Unsere große kleine Farm
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Unsere große kleine Farm
In „Unsere große kleine Farm“ beschließt ein Paar, aufs Land zu ziehen und eine Farm zu gründen, die völlig natürlich sein soll – ohne Monokultur, ohne Gifte. Das ist manchmal etwas moralisierend, insgesamt aber doch beeindruckend hartnäckig, trotz zahlreicher Rückschläge, und zudem eine schöne Liebeserklärung an die Natur.
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