Der schwarze Hengst The Black Stallion

„Der schwarze Hengst“ // Deutschland-Start: 4. Juli 1980 (Kino) // 12. April 2019 (DVD/Blu-ray)

Der Schrecken ist groß bei Besatzung wie Passagieren: Ein furchtbares Feuer ist auf dem Schiff ausgebrochen, die Menschen kämpfen um jede Rettungsjacke. In dem Tumult wird der junge Alec (Kelly Reno) von seinem Vater getrennt und geht über Bord. Doch zu seinem Glück überlebt er die Katastrophe und kann sich auf eine einsame Insel retten, zusammen mit einem schwarzen Araberhengst. Nach einer Weile werden die beiden Freunde und bleiben dies selbst dann, als sie später von einem Fischerboot gerettet werden. Denn der frühere Jockey Henry Dailey (Mickey Rooney) erkennt schnell, dass die beiden zusammen ein unschlagbares Team sind und damit prädestiniert für Pferderennen.

Filme über Pferde und Jugendliche erfreuen sich hierzulande nach wie vor großer Beliebtheit. Die Ostwind-Reihe ging unlängst mit Aris Ankunft in eine neue Runde, die Neuverfilmung Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers buhlte um die Gunst des Publikums, mit Orangentage gab es auch noch Nachschub aus dem deutsch-tschechisch-polnischen Länderdreieck. Da trifft es sich eigentlich ganz gut, dass mit Der schwarze Hengst noch ein passender Pferde-Klassiker seine Wiederveröffentlichung fand. Einer, der sogar höchstes Lob fand und immerhin für zwei Oscars nominiert wurde: bester Schnitt und beste Nebenrolle (Rooney).

Ein Star auf vier Hufen
Wobei Letzteres ein bisschen überraschend gewesen sein dürfte. Der schwarze Hengst ist nun so gar kein Film, bei dem man auf die Leistungen der menschlichen Darsteller achten dürfte, zumindest nicht diejenigen, die irgendwo am Rand stehen. Viel stärker im Zentrum des Interesses dürfte der titelgebende schwarze Hengst sein, der hier von mehreren Pferden verkörpert wurde – darunter von dem Rennpferd Cass Ole, das über 50 Meisterschaften gewinnen konnte. Die passende Besetzung für einen Film, in dem es eben auch um Pferderennen geht.

So nett Letztere auch anzusehen sind, die stärkere Hälfte ist jedoch die erste, wenn sich Junge und Tier erst einmal annähern müssen. Schon vorher darf sich das Publikum auf einen aufregenden Höhepunkt freuen: Wenn Regisseur Carroll Ballard in seinem Debütfilm das Schiff untergehen lässt, dann muss sich das nicht vor den entsprechenden Szenen „echter“ Katastrophenfilme verstecken. Hektisch und unübersichtlich, dabei kraftvoll und mitreißend: Selbst wer den Ausgang dieser Sequenz schon kennt, sei es von einer vorangegangenen Sichtung oder durch den zugrundeliegenden Roman von Walter Farley, darf hier der Atem stocken.

Überlebenskampf auf der Rennstrecke
Atemberaubend sind aber auch die Aufnahmen auf der einsamen Insel. Die großen spannenden Momente sind zwar in der Minderheit, von einer unangenehmen Begegnung mit einem wilden Tier einmal abgesehen. Dafür treffen die Bilder die Mitte zwischen paradiesischer Idylle und karger Einöde. Inhaltlich schwankt Der schwarze Hengst in dieser Hälfte zwischen klassischem Survivalabenteuer und regulärem Tierfilm, wenn nach und nach eine Freundschaft aufgebaut wird – unter anderem mit einer sehr schönen Szene, wenn Alec das erste Mal seinen vierbeinigen Leidgenossen füttern will.

Leider baut Der schwarze Hengst nach diesem tollen Einstieg kontinuierlich ab. Der Handlungsstrang um das Pferderennen setzt zwar die Beziehung zwischen den beiden fort, hat dabei aber keine vergleichbare Emotionalität. Stattdessen geht es ausschließlich um die Frage, ob die beiden Außenseiter das große Rennen für sich entscheiden werden. Spannend ist das nicht, denn der Familienfilm läuft hier auf bereits sehr ausgetretenen Bahnen, lässt sich viel Zeit für das ohnehin Unvermeidbare. Ganz ohne Reiz ist die sportlichere zweite Hälfte nicht, im Vergleich zur wilden Schönheit der ersten verblasst sie aber doch stark, geht zu sehr auf Nummer sicher und zieht sich mitunter unschön.



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Der schwarze Hengst
„Der schwarze Hengst“ ist eigentlich zwei Filme auf einmal. Die erste Hälfte ist eine aufregende Mischung aus Survivalabenteuer und Mensch-Tier-Freundschaft, festgehalten in mitreißenden Bildern. Die zweite Hälfte erzählt hingegen die eher langweilige Geschichte, wenn es um die obligatorische Frage geht, ob das Duo ein Wettrennen für sich entscheidet.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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