Village on the Village

„Village on the Village“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Es läuft gerade nicht so wirklich für Nakinishi (Junichirō Tanaka). Seine Band hat gerade beschlossen, in Zukunft lieber ohne ihn Musik zu machen, Ersatz ist auch nicht in Sicht. Also erst einmal weg. In einem kleinen Dorf, das idyllisch an einem Fluss gelegen ist, will der Künstler ein bisschen durchschnaufen. Was auch funktioniert, gewissermaßen. Denn für Gedanken an seine Vergangenheit fehlt ihm bald die Zeit, wenn er immer wieder die eigenartigsten Begegnungen macht.

Japanische Filme folgen bekanntlich einer etwas eigenen Logik, die höchstens zufällig mal mit der westlichen übereinstimmt. Da braucht es nicht einmal der Blick ins Klischeebuch, keine Schulmädchen mit tellergroßen Augen oder ausgewachsene Männer in bescheuerten Kostümen. Manchmal reicht es, die Protagonisten einfach machen zu lassen, sie sich selbst zu überlassen. Das kann auch so schon seltsam genug werden. Ein Beispiel dafür war Enokida Trading Post, in dem die Angestellten eines Ramschladens irgendwie mit allem beschäftigt waren, nur nicht mit der eigentlichen Arbeit. Und auch Village on the Village zeigt, dass es oft gar nicht viel braucht, um sich etwas verlegen am Kopf kratzen zu wollen.

Verloren in Fragen
Schon die Frage, was das hier eigentlich für ein Genre sein soll, lässt sich nicht ohne Weiteres beantworten. Listeneinträge sprechen zwar von einem Drama, dafür fehlt aber die Dramatik. Mystery liegt ein wenig auf der Hand, wie immer wenn es an seltsame Orte geht, wo Seltsames vor sich geht. Dafür fehlt hier jedoch das klar erkennbare Ziel. Ein zentrales Geheimnis, um das sich alles drehen könnte. Anders gesagt: Wo in dem Genre oft eine bestimmte Frage beantwortet werden muss, weiß man hier nicht einmal, was diese Frage denn ist. Vielleicht von der einmal abgesehen, was einem dieser Film hier eigentlich sagen will.

Komödie würde es da wohl noch am ehesten treffen. Denn erheiternd ist der Beitrag vom Japan Filmfest Hamburg 2019 durchaus. Allerdings auf seine Weise: Village on the Village arbeitet weniger mit klassischen Gags als vielmehr zahlreichen skurrilen Figuren und unerklärlichen Ereignissen, ergänzt um komische Geräusche, die dem Film eine leicht surreale Atmosphäre verleihen, ohne dabei jedoch gleich ins Fantastische abzugleiten. Für ein größeres Publikum ist dieses nebulöse Dorf, das hin und wieder schön seltsame Einblicke gewährt, sicher nicht. Ein Traum, von dem man gar nicht so richtig sagen kann, ob er nun ein Traum war oder nicht.

Village on the Village
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Village on the Village
„Village on the Village“ folgt einem erfolglosen Musiker in ein kleines Dorf, wo vieles und viele etwas seltsam sind. Das wabert ein wenig zwischen den Genres hin und her, lässt selbst über das Ende hinaus offen, was das alles sein soll. Die skurrilen Figuren tragen aber dazu bei, dass man hier doch bis zum Schluss dabei bleibt – selbst wenn man später nicht sagen kann, was man eigentlich gesehen hat.
6von 10

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