Push

„Push – Für das Grundrecht auf Wohnen“ // Deutschland-Start: 6. Juni 2019 (Kino)

Die Wohnmiete ist schon wieder gestiegen – wer kennt es nicht? Aber was steckt eigentlich dahinter? Und warum gewinnen Themen wie Urbanisierung (Verstädterung) als auch Suburbanisierung (Stadtflucht) immer weiter an Bedeutung? Diesen Fragen geht Fredrik Gertten in seinem neusten Werk Push – Für das Grundrecht auf Wohnen auf die Spur.

Die Zeit nach der Immobilienkrise
Wir erinnern uns: 2008, die Welt stürzt aufgrund der Weltfinanzkrise, die durch den spekulativ aufgeblähten Immobilienmarkt in den USA stark geprägt wurde, ins Chaos. Nun, elf Jahre später, zeigt Gertten, dass diese Krise im Stillen immer noch am Brodeln ist und das Recht auf Wohnen immer stärker bedroht wird. Doch was steckt dahinter? Auf der Suche nach Antworten begleitet Gertten Leilani Farha, die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für angemessenes Wohnen.

Basierend auf der Entwicklung unterschiedlicher sozialer Aspekte wie beispielsweise die Asymmetrie der Gehälter und Mieten im Laufe der Zeit, kristallisiert sich schnell die Problematik heraus: die Gentrifizierung, das heißt die Verdrängung der ansässigen Bevölkerung durch wohlhabendere Bevölkerungsschichten, steht im unmittelbaren Konflikt mit dem Recht auf Wohnen. Das Erschreckende ist dabei, dass dies kein nationales Problem sondern ein weltweites darstellt, welches – so zeigt die Doku – unter anderem in Toronto, Schweden und Berlin Kreuzberg der Fall ist. Es verwundert daher nicht, dass es aufgrund der schnell fortschreitenden Urbanisierung und den dagegenstehenden stagnierenden Gehältern und unerschwinglichen Mieten immer häufiger zu Mietstreiks kommt.

Zweckentfremdung auf höchstem Niveau
Farha fragt aufgrund dieser Entwicklung an einer Stelle „Die Frage ist, wer dann eigentlich noch in der Stadt lebt?“, wodurch sich spontan weiterführende Gedanken ergeben. Aufgrund immer mehr leerstehender Immobilien, die nur noch als Vermögensgegenstand entfremdet werden, könnte man nun annehmen, dass sich die Urbanisierung irgendwann durch die Suburbanisierung, also das Abziehen der Bevölkerung in ländlichere Gebiete, umkehren wird. In der Hinsicht bietet Gerttens Werk einen wirklich interessanten und gedankenanregenden Beitrag, wie es mit der Gesellschaft in Zukunft weitergehen könnte.

Ansprechen könnte man in dieser Hinsicht die ansteigende Beschäftigung im Home-Office-Bereich und der Wegfall von Arbeitsplätzen durch die Digitalisierung. Alles im Allem stellt sich Push – Für das Grundrecht auf Wohnen dadurch als sehr gelungene Dokumentation über ein höchst relevantes Thema heraus, über das sich viele wahrscheinlich gar nicht so sehr Gedanken machen. Wenn Gertten aber anspricht, dass die Summe aller Immobilien, die als Vermögenswerte gehandelt werden, über dem globalen (!) Bruttoinlandsprodukt liegt, dann wird einem schnell klar, dass dieses Problem gesellschaftlich als auch politisch auf keinen Fall vernachlässigt werden darf.

Unklare Zukunft
Wohin diese Entwicklung führt, ist jetzt natürlich noch unklar. Der Dialog mit Bürgermeistern, Politikern und Finanzexperten hinterlässt jedoch ein hoffnungsvolles Bild. Sicher ist aber auch, dass wie bei allen anderen Herausforderungen der Gegenwart jetzt Maßnahmen, zum Beispiel gegen die Privatisierung, ergriffen werden müssen, um soziale Umbrüche zu vermeiden und eine existenzielle Grundsicherung aufrechtzuerhalten. Wie eine Vielzahl anderer Dokumentationen kommt so auch Gertten zum Schluss: Die Hoffnung ist noch nicht verloren, das zeigt er mit Push – Für das Grundrecht auf Wohnen ganz deutlich.

PUSH – Für das Grundrecht auf Wohnen
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PUSH – Für das Grundrecht auf Wohnen
Kaum bezahlbare Wohnungen und untergehende Wohnviertel sind keine Neuheit. Wie kommt es aber dazu? Warum häufen sich Mietstreiks? Und was hat die Finanzkrise damit zu tun? Fragen über Fragen. Damit ist jetzt Schluss, denn in „Push - Für das Grundrecht auf Wohnen“ werden genau diese Fragen unter die Lupe genommen.
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