Hard Core 2018

„Hard-Core“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Mit Menschen hat es Ukon Gondo (Takayuki Yamada) ja nicht so. Je weniger er mit ihnen zu tun hat, umso besser ist das. Lediglich mit dem etwas zurückgebliebenen Ushiyama (Yoshiyoshi Arakawa) kommt er gut aus, wohl auch weil der nicht redet. Gemeinsam graben sie im Auftrag eines exzentrischen älteren Traditionalisten nach Gold, das der Shogun einst versteckt haben soll. Davon ist zwar weit und breit nichts zu sehen. Doch dafür entdecken die zwei in einer heruntergekommenen Fabrik einen alten Roboter, der ihnen im Anschluss auf Schritt und Tritt folgt. Das ist anfangs etwas störend, entpuppt sich jedoch bald als echter Segen, wenn er ihnen in mehr als einer Situation zur Hand geht.

In Japan pflegt man bekanntermaßen etwas eigene Beziehungen zu Robotern. Welches andere Land experimentiert beispielsweise damit, Roboter als Bedienungen in Cafés einzusetzen oder als Hotelpersonal einzusetzen? Und schon früher zeigte man im Land der aufgehenden Sonne eine zuweilen bizarre Vorliebe für Maschinen in Menschengestalt, vor allem in Mangas wimmelte es schon früh vor mechanischen Figuren. Osamu Tezukas Geschichten um den kleinen Astroboy waren in den 50ern und 60ern Kult, seit den 70ern sind auch die Mecha genannten Riesenroboter fester Bestandteil der japanischen Popkultur.

Neuzugang im Verliererclub
Auch Hard-Core hat seine Wurzeln in einem Manga, genauer in der gleichnamigen Reihe von Marley Caribu, die von 1991-93 erschien. Die dürfte hierzulande kaum jemand kennen, ist auch nur bedingt mit den Titeln oben zu vergleichen. Denn während bei japanischen Roboter-Geschichten oft Kämpfe im Mittelpunkt stehen, die mechanischen Figuren selbst zum Aushängeschild werden, da geht es hier mehr um die Menschen. Tatsächlich betrachtet Ukon den neuen Freund, den sie auf den Namen Robo-o taufen, als einen der ihren. Einen Ausgestoßenen, einen Verlierer.

Hard-Core ist dann auch keine Geschichte großer Helden, die die Welt retten. Es ist die Geschichte von Leuten, für die auf dieser Welt kein Platz ist. Dass ausgerechnet ein rechter Spinner, der mit dem Gold von früher eine Revolution anzettelt, der einzige ist, der Ukon eine Chance gibt, das spricht Bände. Allgemein haben fast alle Figuren hier ihre Mängel, ihre Macken, haben mit dem Schicksal oder anderen Menschen zu kämpfen. Die einzige Ausnahme ist Ukons Bruder Sakon (Takeru Satô), der sich auf zynische Weise mit der Welt arrangiert hat, was entsprechend oft zu Konflikten innerhalb der Familie führt.

Die Tragikomik eines Robo-Lebens
Das ist manchmal sehr komisch, allein schon wegen des Designs von Robo-o, der mehr nach dem Blechmann aus Der Zauberer von Oz ausschaut als nach futuristischem Hightech. Und doch hat der Film oft auch etwas Melancholisches, wenn die gescheiterten Figuren nach ihrem Weg suchen. Regisseur Nobuhiro Yamashita (Over the Fence) gelingt hier sehr schön die Balance zwischen Komik und Tragik, visiert mal die Lachmuskeln, mal das Herz an. Denn wer ist nicht gerührt davon, wenn eine zusammengewürfelte Schar aus Außenseitern sich findet und plötzlich irgendwie alles möglich erscheint?

Zwischenzeitlich zieht sich der Beitrag der Nippon Connection 2019 ein wenig, wenn sich der Film in zu vielen Handlungssträngen verliert. Vor allem der um die Tochter des Vorsehers bringt die Geschichte aus dem Tritt. Dennoch ist Hard-Core ein schöner Geheimtipp, gerade auch für alle Freunde des Skurrilen. Der Humor ist eher leise, setzt weniger auf klassische Gags als vielmehr eine von Grund auf seltsame Situation, die dennoch genügend Platz für Menschlichkeit lässt. Am Ende ist die Manga-Adaption dann auch eine Liebeserklärung an die Außenseiter und auf ihre Weise ein Plädoyer für mehr Gemeinschaft – selbst wenn dies jemanden aus Blech und Schrauben miteinbezieht.

Hard-Core
4.12 (82.35%) 17 Artikel bewerten

Hard-Core
Wenn zwei Verlierer einen vergessenen Roboter treffen, dann wird das zu einer ebenso komischen wie warmherzigen Liebeserklärung an Außenseiter. Zwischenzeitlich zieht sich die Manga-Adaption ein wenig. Zum Ende hin dreht „Hard-Core“ aber wieder auf und bekräftigt seinen Status als Geheimtipp für die Freunde des Skurrilen.
7von 10

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.