Nashorn im Galopp

„Nashorn im Galopp“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Bisher ist Bruno (Tino Mewes) eigentlich ganz gut damit gefahren, allein unterwegs zu sein. Schließlich sind die anderen ohnehin blind für das, was wirklich zählt, laufen stur durch die Gegend, ohne die vielen Zeichen unterwegs zu finden. Während er selbst mal wieder auf der Suche nach der Seele der Stadt Berlin ist, trifft er auf Vicky (Marleen Lohse). Die ist ähnlich abenteuerlustig wie er, will richtig was sehen von der Welt. Ein bisschen zu viel vielleicht: Gerade einmal eine Woche bleibt Bruno, bis sie wieder weg ist und die Stadt verlässt.

Es gibt ja so viele Objekte, die man mithilfe der Stop-Motion-Technik so animieren kann, dass der Eindruck steht, sie würden sich bewegen. Ob nun Stoffpuppen (This Magnificent Cake!), Knetmassefiguren (Wallace & Gromit – Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen) oder auch Papiermännchen (Der phantastische Planet), der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Eine sehr seltene und ungewohnte Anwendung dieser Technik: belebte Objekte animieren. Denn das ist erst einmal kontraintuitiv. Warum etwas bewegen, das sich auch selbst bewegen könnte?

Eine bewegte und bewegende Geschichte
Nashorn im Galopp ist eines dieser seltenen Beispiele, wenn Bruno in mehreren Szenen zu einem Objekt reduziert und gleichzeitig auf diese Weise animiert wird. Hört sich seltsam an? Ist es auch. So wie Regisseur und Co-Autor Erik Schmitt (Cleo) des Öfteren recht ungewöhnliche Wege einschlägt, um seine Ideen zu visualisieren. Manch einer würde sogar argumentieren, dass diese Visualisierungen im Kurzfilm im Vordergrund stehen. Dass es mehr darum geht, die einzelnen Möglichkeiten zu demonstrieren, als mit diesen eine Geschichte zu erzählen. Denn nötig gewesen wäre es natürlich nicht, der Inhalt hätte die vielen verspielten Sonderbarkeiten gar nicht gebraucht.

Doch es macht eben den Charme von Nashorn im Galopp aus, wenn Flugzeuge vom Himmel geholt werden, die Welt zu einem Füllhorn aus Zeichen wird und Menschen ein Fremdkörper sind, die ohne Hilfe von außen keinen Schritt vor den anderen tun können. Denn Schmitt erinnert uns an die kleinen Wunder, die uns da draußen erwarten, wenn wir nur richtig hinschauen. Der skurrile, märchenhafte, zum Schluss auch emotionale Kurzfilm erzählt die Geschichte einer besonderen Begegnung zweier Menschen. Zeigt, wie sehr das Leben als solches etwas Besonderes sein kann, wenn wir durch die Gegend irren, uns verlieben und verlaufen, manchmal das Falsche tun und uns finden.

Nashorn im Galopp
4.16 (83.16%) 19 Artikel bewerten

Nashorn im Galopp
„Nashorn im Galopp“ erzählt die einfache Geschichte zweier Menschen, die sich in der Großstadt über den Weg laufen und sich dabei finden. Die märchenhaft-skurrile Atmosphäre wird dabei zu großen Stücken durch die ungewöhnlichen Ideen zur Visualisierung erzeugt, so wie der Kurzfilm insgesamt ein Zeichen dafür ist, das Besondere im Alltag zu suchen.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.