(„Wallace & Gromit: The Curse of the Were-Rabbit“ directed by Nick Park, Steve Box, 2005)

wallace-und-gromit-auf-der-jagd-nach-dem-riesenkaninchenStop-Motion war ja von Anfang an ein großes Thema in unserem fortlaufenden Animationsspecial gewesen. Ob Toys in the Attic oder The Nightmare Before Christmas, über Alice bis zu Kubo vor einigen Wochen. In Teil 133 darf dann nun endlich auch ein Duo hinzustoßen, das wie kein anderes in den letzten zwei Jahrzehnten zum Aushängeschild dieser traditionsreichen Technik wurde.

Einmal im Jahr kommen die Bewohner von Tottington Hall zusammen, um gemeinsam ausgelassen zu feiern und den Alltag zu vergessen, einfach ein bisschen näher zusammenzurücken. Nein, es sind nicht Ostern oder Weihnachten, die hier den Ausnahmezustand einleiten, sondern der jährliche Gemüsewettbewerb, in denen die Bürger darum wetteifern, wer die größten Exemplare hat. Leider ruft die von einem großen Jahrmarkt begleitete Feierlichkeit auch einige ungeladene Gäste an. Tierische. Vor allem Kaninchen werden dann zu einer echten Plage. Glücklicherweise haben der Erfinder Wallace und sein Hund Gromit genau das richtige im Angebot: Ihr Unternehmen „Anti-Pesto“ fängt die Schädlinge und verwahrt sie sicher, bis alles vorbei ist. Während eines Experiments, welches den Nagern ihr Gemüseverlangen austreiben soll, geht jedoch einiges schief. Und plötzlich muss das Dorf sich mit einem echten Monster herumplagen, welches es auf die vitaminreichen Schätze abgesehen hat.

Ob es der Druck war? Oder vielleicht doch der Wunsch, einmal etwas anderes zu machen? So unterhaltsam Chicken Run – Hennen rennen auch war, mancher Zuschauer wird verwundert, wenn nicht gar enttäuscht gewesen sein, dass der erste Kinofilm von Aardman Animations völlig neue Figuren enthielt und nicht das Kultduo Wallace und Gromit, welche den Ruhm des Studios in drei Kurzfilmen begründet hatte. Beim zweiten Anlauf durften aber endlich die beiden ran und eindrucksvoll unter Beweis stellen, dass sie auch in einer längeren Geschichte für beste Unterhaltung gut sind.

Größere Experimente ging deren Schöpfer Nick Park, der sich hier noch Steve Box als Co-Regisseur hinzuholte plus zwei weitere Drehbuchautoren, bei Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen jedoch nicht ein. Wer die vorangegangenen Geschichten gesehen hatte, wusste also schon, was ihn erwartet, kein Fan dürfte ernsthaft von dem Ergebnis enttäuscht gewesen sein. Denn eigentlich macht der Film genau das, wofür man schon die kürzeren Varianten schätze, nur noch mal eine ganze Spur größer – in mehrfacher Hinsicht. War in den Kurzfilmen zuvor die Zahl der Protagonisten recht überschaubar gewesen, kommt hier ein komplettes Dorf zusammen, darunter die reizende Lady Tottington, Wallace’ Gegenspieler Lord Victor Quartermaine sowie der herrlich skurrile Pastor Clement Hedges. Und auch an tierischen Sonderlingen darf es nicht fehlen, als Nachfolger des kriminellen Pinguins „Feathers“ McGraw (Die Techno-Hose) und Shaun das Schaf (Allein unter Schafen) ist es nun eine Bande von Kaninchen, die für mächtig Ärger bei den Dorfbewohnern und für ein breites Grinsen beim Publikum sorgen.

Die sind wie immer witzig gestaltet, ob Mensch oder Tier, bei Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen sieht eigentlich keiner wirklich normal aus. Das ist dann auch eine der diversen Humorquellen, welche Park erfolgreich anzapft: Die Figuren mit den weit aufgerissenen Mündern und grotesken Proportionen sind schon komisch, noch bevor sie etwas tun. Zu dem gewohnten, teils wunderbar absurden Slapstick kommen diesmal noch ungewohnt viele Wortspiele, die jedoch leider nur im englischen Original funktionieren. Anspruchsvoll sind die nicht, haben teils nur Schenkelklopferniveau, machen aber mit den Charme dieser rund anderthalb Stunden dauernden Gagparade aus. Eher für ein älteres Publikum gedacht sind die vielen Anspielungen, welche das Filmteam hineinschmuggelte. Waren die vorangegangenen zwei Kurzfilme dabei dem Krimigenre nahe, ist es jetzt der Horrorbereich, der sich in Bildern wie auch Musik widerspiegelt. Frankenstein ist dabei, King Kong auch, einige Klischees werden zudem aufs Korn genommen. Dabei bleibt das Animationsabenteuer aber natürlich familienfreundlich, beim Kampf gegen das brutale Monster „sterben“ lediglich diverse Gemüseschätze.

Abgerundet wird das rundum gelungene Vergnügen durch die erneut sehr liebevolle Optik. Zwar ist das gemeinsam mit DreamWorks Animation entstandene Werk dem Computer nicht ganz abgeneigt. Doch das betrifft lediglich diverse Spezialeffekte wie Nebel, welche sich harmonisch ins Gesamtbild einfügen. Ansonsten ist Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen der Beweis, wie viel sich aus der Stop-Motion-Technik herausholen lässt: Die Animationen sind beeindruckend, die Zahl an Details überwältigend, der Film quillt über vor Ideen und ungewöhnlichen Perspektiven. Dazu gibt es die üblichen schön bescheuerten Erfindungen von Wallace und Gromits ausdrucksstarke Mimik, wenn er mal wieder das Chaos aufräumen muss, das sein Herrchen hinterlässt.

Wallace & Gromit – Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen
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Wallace & Gromit – Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen
Operation Kino gelungen: Der erste Auftritt des kultigen Knetmasseduos Wallace und Gromit steht den Kurzfilmvarianten in nichts nach. Kauzige Figuren, viele Anspielungen und liebevolle Details, dazu eine beeindruckende Stop-Motion-Optik machen „Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“ zu einem fantastischen Animationsabenteuer für groß und klein.
9von 10

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