Berlin Bouncer

„Berlin Bouncer“ // Deutschland-Start: 11. April 2019 (Kino)

Sie sind groß, oft etwas breiter gebaut, respekteinflößend natürlich. Das müssen sie auch sein: Wer als Türsteher Menschen in Partylaune, oft ein bisschen alkoholisiert, sagen muss, dass sie nicht in den Club dürfen, der muss Situationen entschärfen können. Müssen so auftreten, dass ihnen niemand widerspricht, ohne dabei gleich als Schläger rüberzukommen. Denn das könnte die anderen Gäste verschrecken, die durchaus in den Club sollen. Ein heikler Balanceakt, der neben einer entsprechenden Physis auch Feingefühl erfordert. Und Menschenkenntnis.

Warum der eine nun rein darf, der andere nicht, das lässt sich rational dann oft auch nicht beantworten. Das zumindest scheint der Konsens von Berlin Bouncer zu sein. Darin begibt sich Regisseur David Dietl, sonst eher für Komödien (König von Deutschland, Rate Your Date) bekannt, auf eine Spurensuche durch die Berliner Clubszene. Dabei trifft er Sven Marquardt, Frank Künster und Smiley Baldwin, als Türsteher selbst Ikonen dieser Szene, und befragt sie zu ihrer Arbeit und ihrem Werdegang. Und: Er befragt sie zu Berlin.

Und wer genau seid ihr?
Als Nicht-Berliner ist es dabei hin und wieder nicht ganz einfach, dem Geschehen zu folgen. Zwar sind die Geschichten nicht allzu komplex. An manchen Stellen neigt Berlin Bouncer aber etwas zum Namesdropping, ohne dass man hier wüsste, wer diese Leute sein sollen und warum man sie kennen müsste. Das betrifft die Menschen, es betrifft auch die Clubs: Was für Einheimische eine Institution sein mag, das entlockt dem sonstigen Publikum eher ein Schulterzucken.

Auch anderweitig bleibt der Dokumentarfilm etwas auf Distanz. Die drei Gesprächspartner lernen wir beispielsweise größtenteils in ihrem beruflichen Umfeld kennen, die persönliche Komponente kommt dabei eher kurz. Außerdem verpasst es Berlin Bouncer, das Clubumfeld tatsächlich spürbar zu machen. Ähnlich wie die enttäuschten Partysucher, die nicht hineingelassen werden, bleiben auch wir Zuschauer vor der verschlossenen Tür. Warum man überhaupt in den Club wollte, wer dort ein und ausgeht, was das Besondere ist, der Film verrät nichts davon.

Im Wandel der Zeit
Das fällt vor allem in der zweiten Hälfte auf, wenn Dietl den Blick etwas erweitert und ein viel größeres Thema anschneiden möchte: Wie hat sich die Berliner Clubszene im Laufe der Jahre verändert? Marquardt, Künster und Baldwin sind dafür eigentlich prädestinierte Gesprächspartner, haben sie die Stadt doch über einen langen Zeitraum begleitet. Anekdoten haben sie daher auch einige im Gepäck, plaudern von vergangenen Zeiten, erinnern sich an geschlossene Clubs. Wer diese Erinnerungen aber nicht teilt, der steht bzw. sitzt hier jedoch des Öfteren etwas hilflos vor den Bildern.

Interessanter sind da schon die Ausführungen zur Arbeit eines Türstehers. Anders als man es von diesem doch recht speziellen Beruf erwarten könnte, sind die drei keine inhaltsleeren Schränke, deren Körper nur dafür da sind, sich einem in den Weg zu stellen. Dahinter befinden sich durchaus spannende Menschen, die einiges zu erzählen haben und reflektiert über die Anforderungen ihrer Tätigkeit sprechen. Darüber hätte man gern noch ein bisschen mehr erfahren. Doch der Dokumentarfilm, der auf der Berlinale 2019 Premiere feierte, muss gleich weiter, zum nächsten Thema, zum nächsten Club, zeigt sich ebenso rastlos wie die Stadt, der hier ein filmisches Denkmal errichtet wird.

Berlin Bouncer
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Berlin Bouncer
Wie ist das eigentlich so als Türsteher? Wer macht solche Arbeiten? Was braucht es dafür? „Berlin Bouncer“ spürt diesem etwas anderen Beruf nach, wenn drei lokale Größen der Berliner Clubszene zu Wort kommen. Das ist teilweise interessant, versucht auch, die historische Entwicklung aufzugreifen, bleibt letzten Endes aber doch recht auf Distanz – vor allem Nichteingeweihte kommen nicht wirklich rein.
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