Mr Mare

„Mr. Mare“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Dass da ein Kind im Manne schlummert, davon dürften die meisten schon einmal gehört haben. Aber ein Mann im Mann? Das ist dann doch etwas ungewöhnlicher. Nicht, dass Mr. Mare sonderlich viel Wert darauf legen würde, gewöhnlich zu sein. Mit einem Röntgenbild beginnt der animierte Kurzfilm, zeigt von dem kleinen Eigenleben des unbekannten Protagonisten. Mit dabei: ein Einschaltknopf. Oder eine Brustwarze. Wer kann das hier schon genau sagen? Woher dieser Eindringling kommt, das bleibt ein Geheimnis. Wir sind ja auch viel zu sehr damit beschäftigt, uns zu fragen: und was jetzt?

Hier macht jeder, was er will
Nicht einmal die Wohnung scheint, das beantworten zu wollen. Der Wassertropfen ist beispielsweise unschlüssig, ob er nun rein oder raus soll. Und auch die Gegenstände wollen sich nicht so ganz festlegen, da zu sein oder nicht. Also sind sie transparent. Manchmal. Und selbst das, was etwas konkreter wird, verfolgt eigene Gesetze. Da treffen grüne Hunde auf verwilderte Dschungelpflanzen, die sich die Wohnung einverleiben, Perspektiven und Proportionen sind dazu da, alles ein bisschen umzubauen.

Erklärungen baut die ungarische Regisseurin Luca Tóth keine ein. Sie verzichtet auch völlig auf Dialoge. Stattdessen vertraut sie bei ihrem Kurzfilm, der auf der Berlinale 2019 Premiere feierte, völlig auf die Atmosphäre. Die ist seltsam, komisch, teilweise surreal, nimmt zeitweise sogar leichte Horroranmutungen an. Mr. Mare lädt uns auf eine Entdeckungsreise ein, die ebenso körperlich wie experimentell ist, gerne auch ein wenig mit Homoerotik spielt. Das ist ein bisschen zu lang für das, was Tóth so zu erzählen hat, hat aber doch einen eigenen Reiz.



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Mr. Mare
Stell dir vor, in deinem Körper wächst ein kleiner Mann heran oder heraus. Die Atmosphäre von „Mr. Mare“ wandelt sich von komisch über surreal bis zu unheimlich, während wir versuchen, dem animierten Kurzfilm zu folgen, der sich nicht darum kümmert, die Entdeckungsreise mit Erkenntnissen zu belohnen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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