Womit haben wir das verdient

„Womit haben wir das verdient?“ // Deutschland-Start: 24. Januar 2018 (Kino)

Der Schock ist groß für die geschiedenen Eheleute Wanda (Caroline Peters) und Harald (Simon Schwarz), als sie auf dem Sofa der Therapeutin sitzen. Denn plötzlich steht da ihre 16-jährige Tochter Nina (Chantal Zitzenbacher) vor ihnen und verkündet, zum Islam konvertiert zu sein – so richtig mit Kopftuch und allem. Gerade für Wanda ist dies ein riesiges Problem, hat sie sich doch ihr ganzes Leben lang für Frauenrechte eingesetzt. Und nun soll ausgerechnet ihre Tochter diese Rechte wieder zurückgeben? Freiwillig? Aber auch der Rest ihrer Patchworkfamilie reagiert mit Unverständnis bis zur Feindseligkeit, dass Nina auf einmal alles ganz anders machen will.

Dass in einer Zeit, in der immer häufiger ein Teil der Bevölkerung gegen den anderen gehetzt wird – wir gegen die! –, ist es kein Wunder, dass immer mehr Komödien versuchen, dieses Thema für sich zu entdecken. Frankreich ist da immer wieder gern dabei: Ob es nun um Rassismus geht (Monsieur Claude und seine Töchter) oder Religion (Voll verschleiert), bei unseren Nachbarn hat man jede Menge Spaß dabei, sich selbst über sensible Themen lustig zu machen. Erlaubt ist, was unterhält und am Ende ein bisschen Geld einbringt, zumal es meistens auch ein paar Feel-Good-Elemente gibt. Hier darf jeder noch hinzulernen.

Zwei Welten prallen aufeinander
Das ist bei Womit haben wir das verdient? ganz ähnlich, quasi der österreichischen Antwort auf diese Art Komödie. Denn auch die südlichen Nachbarn mögen das bekanntlich ganz gern, wenn der Humor etwas gemeiner wird. Eva Spreitzhofer, die hier das Drehbuch schrieb und ihr Debüt als Spielfilmregisseurin ablegt, nutzt die Gelegenheit, um mit allen und jedem abzurechnen. Bei ihr kommen nicht nur fanatische Gläubige ihr Fett weg, sondern auch selbsterklärte Liberale, die mit einer Andersartigkeit überfordert sind, die ihren eigenen Vorstellungen widerspricht.

Letzteres spiegelt sich bereits im Titel wieder. Wenn Nina ihren Glauben wechselt, eine andere Lebensphilosophie verfolgt, sogar ihren Namen ablegt, dann bedeutet das für die Eltern erst einmal eine persönliche Strafe. Warum sie das tut, wird erst einmal nicht gefragt. Ihre Motivation spielt keine große Rolle, nicht wenn sie etwas derart Unerhörtes tut. Wobei Nina selbst an diesem mangelnden Austausch ihren Anteil hat: Sie geht lieber auf Konfrontationskurs, anstatt das Gespräch zu suchen. Erst später wird Womit haben wir das verdient? die obligatorischen versöhnlichen Töne anschlagen, aus Culture Clash wird Versöhnungsplädoyer.

Die Kunst der Zwischentöne
Das ist natürlich nett, auch nett gemeint, setzt sich dafür ein, mal ein bisschen genauer hinzuschauen und hinzuhören. Denn wie der Film einem vor Augen führt: Muslim ist nicht gleich Muslim. Es gibt beim Glauben Unterschiede, ebenso bei der Auslegung. Dafür versammelt Spreitzhofer diverse Klischees und lässt sie gegen progressivere Kräfte antreten. Außerdem stellt sie, zumindest beiläufig, die gleichermaßen bekannte wie schwer zu beantwortende Frage: Beinhaltet Toleranz auch Punkte zu akzeptieren, die nicht tolerant sind? Heißt Weltoffenheit, offen für alles sein zu müssen? Und wo zieht man hier die Grenze?

Wirkliche Antworten bietet Womit haben wir das verdient? nicht, will das auch gar nicht. Stattdessen möchte die österreichische Komödie nur kleinere Denkanstöße geben und dabei Spaß machen. Das klappt mal besser, mal schlechter. Irgendwie ist der Film oft nicht so witzig, wie er sein sollte und es auch verdient hätte. Denn das Thema ist gut, der Einstieg vielversprechend. Dazu gibt es eine sehr ansprechende Besetzung, allen voran Caroline Peters (Der Vorname) als überforderte Mutter. Und Simon Schwarz, den die meisten aus den Rita-Falk-Regionalkrimis kennen, sieht man ja auch immer wieder gern. Die eigentlichen Gags können da aber nicht immer mithalten, werden des Öfteren zu albern, zu belanglos, um wirklich zu dem Rest zu passen.

Womit haben wir das verdient?
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Womit haben wir das verdient?
Wenn in „Womit haben wir das verdient?“ zwei Eltern plötzlich mit einer zum Islam konvertierten Tochter hadern, dann ist das ein gut gemeintes Plädoyer für mehr Offenheit, das sowohl Religion wie Liberale durch den Kakao zieht. Das ist insgesamt nett, gibt ein bisschen was zum Grübeln, wird aber nie so lustig, wie man es erhofft hat.
6von 10

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