Wenn Fliegen traeumen

„Wenn Fliegen träumen“ // Deutschland-Start: 27. Juni 2019 (Kino) // 25. Oktober 2019 (DVD)

Auf den ersten Blick haben Naja (Thelma Buabeng) und Hannah (Nina Weniger) ja nichts gemeinsam. Oder auch auf den zweiten Blick. Und doch gibt es etwas, das die beiden eint. Genauer jemanden: ihren Vater. Einen besonders guten Draht hatten die beiden Halbschwestern zu ihm jedoch nicht, Naja kannte ihn nicht einmal. Dafür haben die zwei jetzt ein kleines Feuerwehrauto, mit dem sie gemeinsam nach Norwegen reisen wollen. Denn dort steht das Haus der Verstorbenen, welches er ihnen hinterlassen hat. Die Abreise der zwei sorgt jedoch für mächtig Trubel, denn die als Therapeutin arbeitende Naja vergaß, ihrem Umfeld Bescheid zu geben, weshalb sich dieses auf den Weg macht, die Verschwundene wieder zu finden.

Keine Finanzierung durch Sender oder Förderanstalten, kein festes Genre oder Zielgruppenkonventionen – das sind doch mal starke Aussagen, die sich im Presseheft von Wenn Fliegen träumen finden lassen. Und es sind vielversprechende Aussagen, zumindest für ein Publikum, das sich von hiesigen Filmemachern gern ein bisschen mehr erwartet als den üblichen Minimalkonsens. Und tatsächlich haben Regiedebütantin Katharina Wackernagel und ihr Bruder Jonas Grosch, der das Drehbuch schrieb, sich dem verweigert, was die breite Masse von einem Kinofilm erwartet.

Auch Sympathie hat mal ein Ende
Sympathisch ist das natürlich, einfach mal das eigene Ding durchziehen zu wollen, ohne dabei ständig an ein zahlendes Publikum zu denken. Und es ist auch mutig, einen solchen Film ins Kino bringen zu wollen. Schließlich ist das ein Ort, an dem nur wenige ihr Glück finden, zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Deutschen gehen immer weniger ins Kino und entscheiden sich dann meist für das, was sie schon kennen. Doch so schön Sympathie auch ist, das allein reicht nicht, um einen Film gut zu finden, mit ihm Spaß zu haben. Zumindest bei Wenn Fliegen träumen reicht es nicht.

Dabei sind manche Einfälle durchaus kurios. Der komödiantische Roadmovie, der auf den Hofer Filmtagen 2018 seine Premiere feierte, gefällt sich damit, eine skurrile Persönlichkeit nach der anderen durchs Bild zu schicken. Zoltan Paul – selbst Regisseur alternativer Filme wie Breakdown in Tokyo – spielt beispielsweise einen Regisseur, der in allem einen Film sieht und übersinnliche Kräfte haben will. Naja erträgt keine Autofahrten jenseits der 70 km/h. Und Marie fühlt sich als Nymphomanin irgendwie nicht ernstgenommen.

Ein begrenzter Spaß
Dass die Leute hier richtig Lust auf den Film hatten, das merkt man diesem auch an. Wenn Fliegen träumen gleicht dann aber doch mehr einem Homevideo, das man für sich, die Familie und Freunde aufgenommen hat. Als Nichtbeteiligter sitzt man hingegen eher verblüfft vor der Leinwand. Verblüfft darüber, was die Leute hier offensichtlich alles für erzählens- und zeigenswert hielten. Verblüfft darüber, wie langsam 80 Minuten vorbeigehen können. Denn auch wenn die Laufzeit eigentlich keinen Platz lassen sollte für Längen, so sind Letztere doch deutlich zahlreicher als die gelungenen Momente.

Dass Wenn Fliegen träumen keine wirkliche Richtung hat und die Idee eines Roadmovies mit zwei sich fremden Familienangehörigen nun wirklich nicht independent ist, das ist hier das geringere Problem. Viele Roadmovies verzichten auf ein Ziel, um dafür dem Weg mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Tragisch ist es aber, wenn auf diesem Weg nichts Interessantes gefunden wird. Einige Bilder sind schön, etwa wenn die Truppe dann mal in Norwegen unterwegs ist. Hin und wieder schmuggelt sich auch tatsächlich eine Szene dazwischen, die so skurril ist, dass man lachen möchte. Die meiste Zeit aber ist dieser Trip eine einzige Zeitverschwendung, der weder den Figuren etwas bringt, noch den Menschen, die da draußen sitzen. Der einfach keinen Spaß macht.



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Wenn Fliegen träumen
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Wenn Fliegen träumen
Zwei sich fremde Halbschwestern unternehmen eine gemeinsame Reise und lernen sich dabei näher kennen, das ist eigentlich klassisches Roadmoviematerial. „Wenn Fliegen träumen“ weiß aber nichts damit anzufangen, erzählt keine interessante Geschichte, bietet auch keine sehenswerten Zwischenstopps an. Der Versuch, mit einem skurrilen Trip jenseits von Förderungen eine Alternative zum Kinoeinerlei zu bieten, ist sympathisch. Wenn am Ende aber so wenig dabei herausspringt wie hier, reicht das einfach nicht aus.
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