Polaroid

„Polaroid“ // Deutschland-Start: 10. Januar 2018 (Kino)

Die Freude ist groß, als die Schülerin Bird Fitcher (Kathryn Prescott) die alte Sofortbildkamera in die Hände bekommt. Denn Fotografieren ist ihre große Leidenschaft, damit kann sie wesentlich mehr anfangen als mit Menschen. Als sie sich dennoch überreden lässt, mit zu einer Party zu kommen, ahnt sie nicht, welches Unheil sie damit anrichten wird. Denn jeder, den sie mit der Kamera festhält, wird bald drauf eines brutalen Todes sterben. Aber weshalb? Was hat es mit der Kamera auf sich? Und wo genau kommt sie eigentlich her? Während Bird und die anderen nach Antworten suchen, rennt ihnen die Zeit davon, schließlich will der Killer nicht ruhen, bis auch der letzte aus der Gruppe tot ist.

Dass in Horrorfilmen Menschen zum Opfer werden, das sind wir gewohnt, gehört quasi zur DNA dieses Genres. Dass aber auch Horrorfilme selbst Opfer sein können, das zeigte das Beispiel Polaroid. Der hätte eigentlich schon vor über einem Jahr weltweit in die Kinos kommen sollen, geriet dann aber zwischen die Fronten, als Harvey Weinstein und dessen Produktionsfirma im Zuge der #MeToo-Enthüllungen unter Beschuss kamen. Schließlich wollte danach niemand mehr etwas damit zu tun haben, was irgendwie nach dem umstrittenen Produzenten roch, der Horrorstreifen verschwand sang- und klanglos, nur um jetzt doch noch zu erscheinen.

Keine Zeit, ich muss jetzt sterben
Hat sich die Wartezeit gelohnt? Jein. Letzten Endes hängt das eigene Vergnügen zu einem großen Anteil davon ab, ob man zu der Zielgruppe gehört. Die ist hier offensichtlich jünger angesetzt, im selben Alter wie die Protagonisten, die hier um ihr Leben fürchten müssen. Denn das schafft Identifikationsfläche. Vor allem dann, wenn die Jugendlichen wie hier besonders nichtssagend sind. Während Bird noch als eine leichte Außenseiterin diagnostiziert wird, hat man beim Rest bis zum Abspann schon die Namen vergessen. Denn der ist nur dazu da, dass der Fotomann ein bisschen was zu tun bekommt. Auf die laufenden Zielscheiben wirklich Arbeit zu investieren, das war Drehbuchautor Blair Butler offensichtlich zu viel.

Allgemein ist Polaroid ein recht genügsamer Film. Nicht nur, dass eifrig Klischees und Standardszenen der letzten Jahrzehnte Horrorgeschichte ausgepackt werden – braucht es wirklich noch Bälle, die wie von Geisterhand den Gang entlanghüpfen? –, auch die Spannung wird immer auf eine ähnliche Weise erzeugt. Immer taucht irgendwo im Hintergrund ein Schatten auf. Das Licht beginnt kurz vor dem Unglück zu flackern, damit auch der letzte im Kinosaal bemerkt, was nun Sache ist. Außerdem haben sämtliche Figuren hier ein Talent dafür, sich in Situationen zu begeben, in denen sie ganz allein sind.

Ein Film wie aus dem Versandkatalog
Aber auch das hängt mit dem Genre zusammen. Und das ist das größte Problem von Polaroid: Der Film tut herzlich wenig dafür, um sich von der breiten Masse an Horrorfilmen emanzipieren zu können. Stattdessen hielt sich Regisseur Lars Klevberg, der hier seinen eigenen Kurzfilm zu einer Langfassung umwandelte, so streng an die üblichen Vorgaben, dass man gar nicht so genau sagen kann, warum er überhaupt noch einen Film drehen wollte. Selbstverwirklichung wird es eher weniger gewesen sein.

Wie so oft, gilt jedoch auch hier: Wer andere, bewährte Filme kopiert und kein Risiko eingeht, der macht nicht wirklich etwas verkehrt. Und gerade der Jugend-Horror-Bereich hat deutlich Schlimmeres hervorgebracht – etwa Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel oder Wahrheit oder Pflicht. Wirklich ärgern muss man sich bei Polaroid nur über wenig, auf der Plusseite befindet sich immerhin eine sympathisch aufspielende Kathryn Prescott (Dude) sowie die nostalgisch stimmende Sofortbildkamera. Gegen Ende hin kommt sogar die eine oder andere Überraschung mit hinein. Wer noch nicht viele Erfahrungen mit dem Genre gesammelt hat, kann es daher hiermit versuchen. Alte Hasen werden sich hingegen eher langweilen.

Polaroid
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Polaroid
Eine Sofortbildkamera, deren Aufnahmen tödlich sein können, das ist doch mal eine schön nostalgische Idee. Viel mehr hat „Polaroid“ jedoch nicht auf Lager, gibt sich weder bei den Spannungsmomenten noch bei den Figuren die Mühe, mehr zu sein als Horror von der Stange. Für Anfänger reicht das, erfahrene Zuschauer zucken hingegen mit den Schultern.
4von 10

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