Outrage Coda

„Outrage Coda“ // Deutschland-Start: 14. September 2018 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich hatte Otomo (Takeshi Kitano) mit seinem Yakuza-Dasein bereits abgeschlossen. Inzwischen hat er Japan auch verlassen, um sich einer koreanischen Verbrecherorganisation anzuschließen. Doch auch dort wird er von den Schatten seiner Vergangenheit verfolgt: Hanada (Pierre Taki), der dem inzwischen dominierenden Hanabishi-Clan angehört, misshandelt zwei Prostituierte und tötet ein Mitglied des koreanischen Clans. Das wiederum ruft Otomo auf den Plan: Im Auftrag seines neuen Auftraggebers wird er zurück nach Japan entsandt, um die Ehre wiederherzustellen. Das trifft sich für den ehemaligen Gangster-Boss gut, hat er doch selbst noch eine Rechnung mit den ehemaligen Kollegen offen.

In seiner Heimat mag Takeshi Kitano für seine komödiantischen Talente und diverse Fernsehauftritte bekannt sein, im Westen gilt er vielen aber als Inbegriff des Yakuzas. Nicht ganz unschuldig daran ist seine erfolgreiche Outrage-Trilogie. Darin zerlegt er als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller den Yakuza-Mythos in seine Bestandteile, in äußerst hässliche, teils groteske Bestandteile. Outrage Coda, das auf den Filmfestspielen von Venedig 2017 Premiere feierte, markiert dabei den Abschluss eines groß angelegten Porträts des organisierten Verbrechens.

Fortsetzung ohne Wiederkehrer
Unbedingt gesehen haben muss man die zwei Vorgänger nicht, die meisten Figuren aus Outrage und Outrage Beyond sind ohnehin tot, nachdem Otomo schon damals im Blutrausch war. Außerdem ist der grundsätzliche Plot denkbar einfach: Die japanischen Verbrecher beleidigen die koreanischen, im Anschluss kommt es zu einem großen Machtkampf, der auf beiden Seiten Leben kosten wird. Wobei es natürlich Verweise auf die ersten beiden Teile gibt, ein Teil von Otomos Motivation ist ja auf die gemeinsame blutige Vergangenheit mit dem Hanabishi-Clan zurückzuführen.

Wer die zwei Filme gesehen hat, der weiß dann auch schon, was ihn hier erwartet. Hundert Minuten lang werden Männer im mittleren bis fortgeschrittenen Alter von Ehre und Loyalität sprechen – Frauen sind hier nur Sexobjekte –, selbst aber relativ wenig von diesen Tugenden zeigen. Denn irgendwie scheinen sie alle das Hobby zu haben, sich gegenseitig in den Rücken zu fallen. Oft mit einem Messer in der Hand. Das Bild vom noblen Verbrecher, das ganz gerne mal Yakuzas zugesprochen wird, Kitano hält nicht viel davon, macht sich sogar ziemlich darüber lustig.

Ein bisschen Tod muss sein
Die Gewaltspirale ist dabei dieses Mal jedoch etwas ernster als zuletzt. Wo die ersten beiden Teile noch diverse äußerst kuriose Todes- und Folterszenen enthalten, begnügt sich Outrage Coda mit einer einzigen. Sterben tun die Leute aber natürlich auch so, da bleibt sich Kitano dann doch treu. Etwas zu treu. Das größte Problem beim Abschluss der Trilogie ist, dass sie den beiden ersten Teilen nichts hinzuzufügen weiß. Die Themen sind ähnlich, viele Szenen sind ähnlich – so ähnlich, dass man gar nicht sagen kann, wofür es eigentlich noch einen dritten Teil gebraucht hat. Vom wirtschaftlichen Interesse einmal abgesehen.

Zumal eine Schwierigkeit auch weiterhin besteht: In seinem Bestreben, das komplexe Yakuza-Geflecht aufzudröseln, führt Kitano so viele Figuren ein, dass man schnell den Überblick verliert. Wer da mit wem im Clinch liegt, und aus welchen Gründen, das erfordert sehr viel mehr Aufmerksamkeit, als es der an und für sich simple Ablauf rechtfertigt. Wer einfach nur simples Yakuza-Gemetzel möchte, dem ist das hier zu umständlich und langsam. Für reines Arthouse wird es hingegen zu absurd. Aber bislang fuhr der Altmeister mit diesem Zwischenbereich ganz gut, zeigt auch wieder sein typisches Stilbewusstsein. Fans der ersten zwei Teile dürfen deshalb erneut einschalten, wenn der Japaner seine Landsleute in einem wenig schmeichelhaften Licht zeichnet.

Outrage Coda
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Outrage Coda
Auch in seinem Finale seiner Yakuza-Trilogie entwirft Takeshi Kitano das Bild eines Verbrechersyndikats, das auf eine geradezu groteske Weise von Ehre spricht, sich aber nicht daran hält. Wirklich viel neues hat „Outrage Coda“ nicht zu bieten, ist insgesamt auch schwächer als die Vorgänger. Wer die aber mochte, sollte auch hier mal vorbeischauen.
6von 10

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