Feinde Hostiles DVD

„Feinde – Hostiles“ // Deutschland-Start: 31. Mai 2018 (Kino) // 12. Oktober 2018 (DVD/Blu-ray)

Die Vorbehalte sind groß, als Captain Joseph J. Blocker (Christian Bale) im Jahr 1892 aufgetragen wird, den sterbenden Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi) und dessen Familie in seine Heimat zu bringen. Blocker kennt den alten Indianer schließlich nur zu gut, war der doch für den Tod mehrerer Kameraden und Freunde des Offiziers verantwortlich. Widerwillig macht er sich dennoch auf den Weg und begegnet unterwegs Rosalie Quaid (Rosamund Pike), deren komplette Familie kurz zuvor von den Komantschen ermordet wurde. Und der Schrecken ist noch nicht vorbei, denn die Reise quer durch die USA wird die unfreiwillige Truppe noch mit jeder Menge Gefahren konfrontieren.

Zwei Kontrahenten werden durch äußere Umstände dazu gezwungen, gegen ihren Willen zusammenzuarbeiten, und kommen sich so mit der Zeit immer näher: Das ist ein beliebtes Bild in Filmen, wird gerade für Buddy Movies oder auch Roadmovies verwendet. Für das erste reicht es bei Feinde – Hostiles nicht, dafür sind die Gegensätze dann doch zu stark, der Hass zu tief verankert. Die Nähe zu Roadmovies ist aber unverkennbar, selbst wenn es hier keine Straßen gibt, man noch ganz altmodisch mit Pferden unterwegs ist.

Lasst uns Freunde werden!
Sonderlich ausgefallen ist die Geschichte von Feinde dann auch nicht, sofern man sie überhaupt als solche bezeichnen wollte. Die ganzen Abenteuer, welche Blocker und Yellow Hawk unterwegs erleben, sind schließlich nur Mittel zum Zweck: Die beiden Feinde sollen sich annähern, Verständnis für die Lage des anderen entwickeln. Denn auch wenn die Fronten anfangs verhärtet sind, von dem Blut zahlreicher Menschen, welche die beiden auf dem Gewissen haben, so appelliert der Film doch an seine Protagonisten und damit das Publikum da draußen, aufeinander zuzugehen, zuzuhören, sich auszutauschen.

Regisseur und Drehbuchautor Scott Cooper (Black Mass) vermeidet es zu diesem Zweck auch, die Figuren zu einseitig in gut und böse einteilen zu wollen. Mit einem brutalen Überfall der Komantschen beginnt Feinde, der nicht einmal vor unschuldigen Kindern Halt macht. Doch diese Barbarei ist Reaktion auf vorherige Gräueltaten der europäischen Einwanderer, welche die indigene Bevölkerung ebenso brutal aus ihren Gebieten verdrängt haben. Cooper verurteilt dabei weder die einen, noch die anderen, sondern zeigt vielmehr, wie sich beide Seiten gegenseitig während dieser Gewaltspirale bedingen. Wie wichtig es deshalb wäre, sich der eigenen Taten bewusst zu werden.

In der Stille liegt die Kraft
Zu dem Zweck baut Feinde auf einen Mix aus ruhigen und angespannten Szenen. Ruhig ist hier auch durchaus wörtlich zu nehmen, sehr viel gesprochen wird in dem Film nicht. Bale greift auf sein bewährtes Batman-Grummeln zurück, irgendwo zwischen Dialog und Monolog. Der alte Indianer hätte genauso gut auch Silent Hawk genannt werden können. Aber Cooper braucht auch nicht viel Sprache für seinen Film, die Schauspieler ebenso wenig. Die düsteren Bilder in Zusammenhang mit dem unheimlichen Score des deutschen Komponisten Max Richter reichen völlig aus, sorgen regelmäßig für gehobene Spannung.

Ein Actionfeuerwerk sollte man trotz diverser Scharmützel hingegen nicht erwarten. Feinde überzeugt eher durch die angespannte Atmosphäre als befreiende Massaker, ist über weite Strecken ein behutsames Charakterdrama. Eines jedoch, das dabei mit fantastischen Landschaftsaufnahmen der amerikanischen Wildnis belohnt. Gemäß dem Rest des Films ergehen sich diese glücklicherweise keinem Naturkitsch, sondern sind von der gleichen Melancholie und Hoffnungslosigkeit begleitet wie die Männer und Frauen, die sich durch sie hindurchkämpfen.



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Feinde – Hostiles
Wenn in „Feinde – Hostiles“ ein Offizier und ein Indianer-Häuptling, die eine blutige Vergangenheit eint und trennt, gemeinsame Sache machen, dann folgt das bewährten Pfaden. Aber solchen, die sich durchaus sehen lassen können: Vor allem die hoffnungslos-melancholische, zuweilen angespannte Stimmung und die grandiosen Bilder zeichnen das Westerndrama Ende des 19. Jahrhunderts aus.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Eine Antwort

  1. Martin Zopick

    Vorsicht Spoiler!

    Ein seltener Edelstein unter den Neowestern. Hier werden oftmals nur die Auswirkungen von überbordenden Gräueltaten wie Vergewaltigungen gezeigt, neben ergreifenden Emotionen, die so eine noch tiefgehendere Wirkung erzielen. Beide Aspekte werden dann durch niveauvolle Dialoge und ständig steigender Spannung zu einem überraschenden und doch zufriedenstellenden, optionalen Happy End geführt.
    Captain Joe Blocker (Christian Bale), war früher einmal nicht gerade ein Freund der Indianer. Jetzt soll er als letzten Auftrag den kranken Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi) und seine Familie nach Montana begleiten. Unterwegs treffen sie auf Rosalee Quaid (Rosamunde Pike), deren Familie von den Komantschen umgebracht wurde. Kurze Seelenpflege für alle bei Lagerfeuerromantik, bis die Realität wieder gnadenlos zuschlägt. Der Trupp wird von weißen Trappern überfallen, die Frauen vergewaltigt. Und zwar sowohl Rosalee als auch die Frau des Häuptlings Elk Woman (Q’orianka Kilcher). Weiße und Rothäute werden gleichermaßen zu Leitragenden. In Gesprächen unter den Soldaten als auch beim Dinner der Offiziere werden die Vergehen der Weißen an den Indianern von allen rückhaltlos kritisiert. Zwischen Joe und Rosalee entwickelt sich allmählich ein Vertrauensverhältnis, das durch das warmherzige Cameo von Leutnant Ross (Peter Mullen) noch vertieft wird. Auch das Verhalten zwischen Elk Woman und Rosalee, sowie das zwischen Yellow Hawk und Joe bekommt menschliche Züge des gegenseitigen Verstehens. Der Häuptling ‘Danke für deine Güte. Dein Geist ist für immer in meinem Innern.‘ Später erwidert Joe ‘Ein Teil von mir stirbt mit dir.‘
    Rosamunde Pike beweist hier wieder einmal ihre schauspielerische Wandlungsfähigkeit: nach der Welt der Jane Austen, in die Welt der griechischen Mythologie, wo sie ganz handfest und brachial gegen den Zorn der Titanen kämpft und jetzt im Wilden Westen.
    Der Plot findet seinen dramaturgischen Höhepunkt, wenn beim Begräbnis von Yellow Hawk ein weißer, rassistischer Großgrundbesitzer Joes Truppe von seinem angeblichen Land zu vertreiben versucht, obwohl Joe ein Schreiben des amerikanischen Präsidenten vorweisen kann. Alle Beteiligten zielen mit Colt und Gewehr auf einander…
    Für das Ende hat Newcomer Regisseur Scott Cooper noch ein Schmankerl für Happy End Fetischisten: lange Einstellung von Joe und Rosalee am Bahnhof: fast wortlos, nur Sphärenklänge, Rosalee verdrückt ein Tränchen. Die Zuschauer suchen die Taschentücher…

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