Messi and Maud
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Messi and Maud

Messi and Maud
„Messi and Maud“ // Deutschland-Start: 6. September 2018 (Kino)

So richtig gut läuft es bei Maud (Rifka Lodeizen) und Frank (Guido Pollemans) schon länger nicht mehr. Vor allem Mauds unerfüllter Kinderwunsch macht dem Paar zu schaffen, führt zu immer neuen Krisen. Selbst im Urlaub: Als die beiden gemeinsam nach Chile reisen, bleibt der Tapetenwechsel ohne den gewünschten Effekt. Stattdessen packt sie nach einem Streit ihre Sachen und haut ab. Während sie allein durch das südamerikanische Land streift, trifft sie auf den Jungen Messi (Cristóbal Farias), mit dem sie anschließend umherreist, die unterschiedlichsten Leute trifft und nach und nach ihren Frieden findet.

Eine Frau ist nur dann wirklich eine Frau, wenn sie auch Kinder hat – so hieß es einmal. Inzwischen ist das natürlich überholt, zumindest hierzulande steht es jedem frei, sich für oder gegen Kinder zu entscheiden. Was aber, wenn man sich für Kinder entscheidet, es aber einfach nicht klappt? Wenn ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt? Aufgegriffen wurde dieses Thema in Filmen immer wieder mal, beispielsweise in Dinky Sinky, wo ebenfalls eine ungeplante Ehelosigkeit zu einer Trennung führte. Während die Situation dort jedoch genutzt wurde, um auf tragikomische bis absurde Weise von einer gescheiterten Mittdreißigerin zu erzählen, da ist Messi and Maud ein reines und intimes Drama.

Der anstrengende Weg zum Glück
Wobei es eine Weile dauert, bis wir dort ankommen. Zunächst einmal ist Maud in ihrem Verhalten recht auffällig, sie ist laut, sie ist anstrengend. Sie schnauzt Frank an, ohne dass er oder das Publikum erst einmal weiß, wie einem geschieht, wird verbal brutal, bis die Ohren flattern. Erst als sie sich später in einer besonders verstörenden Szene eines anderen Kindes annimmt, dämmert einem, wie tief dieser Kinderwunsch in ihr verankert ist. Wie groß die Qualen sein mögen, dass ihr eben dieser Wunsch verweigert wird.

Sehr viel mehr erfährt man erst einmal nicht über sie. Sie ist so sehr von dem Thema besessen, dass andere Aspekte komplett im Dunkeln bleiben, wir nicht wissen, wer Maud losgelöst von dem Kinderwunsch ist. Ob es eine solche Maud überhaupt gibt. Doch das ist eben der Punkt von Messi and Maud: Der deutsch-niederländische Film zeigt eindrücklich, wie eine Frau nach und nach zu sich findet, wie sie ihr Schicksal zu akzeptieren lernt, wie sie auch einen Weg suchen muss, ohne Kind ein kompletter Mensch sein zu können. So schmerzhaft die Vorstellung auch ist, so unvorstellbar sie auch ist.

Manchmal muss Frau auch alleine sein
Auch für Männer ist da erst einmal kein Platz. Messi and Maud, das auf dem Toronto International Film Festival 2017 debütierte, ist ein Film, der in erster Linie von Frauen gemacht wurde. Der auch in erster Linie von einer Frau handelt, selbst wenn es Messi als Objekt der mütterlichen Begierde bis auf den deutschen Titel geschafft hat. An erster Stelle auch noch. Männer tauchen in dem deutsch-niederländischen Drama auf, sind aber Begleiterscheinungen, die von nervig bis brutal erscheinen. Niemand, der Maud helfen würde bei ihrer Reise auf dem Weg zur Heilung.

Die findet natürlich vorrangig innerlich statt. Das hindert aber nicht daran, sie mit schönen Landschaftsbildern zu visualisieren. Messi and Maud ist dann eben doch auch ein Roadmovie, der mit vielen Aufnahmen in der Totalen lockt und irgendwie selbst Lust darauf macht, das südamerikanische Land zu erkunden. Der Film selbst endet wie zu erwarten mit einer versöhnlichen Note, die vielleicht nicht so ganz erarbeitet wurde. Warum Maud, die ihre Rolle als Ersatzmutter so sehr genießt, dadurch Frieden findet, ist nicht ganz ersichtlich. Als Porträt einer Frau in der Lebenskrise ist das Drama dennoch sehenswert, gerade auch wegen der intensiven Darstellung der Niederländerin Rifka Lodeizen.



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Eine Frau hadert damit, dass ihr Kinderwunsch unerfüllt bleibt, und reist im Anschluss spontan mit einem Jungen durch Chile. „Messi and Maud“ ist gleichzeitig schön bebilderter Roadmovie durch das südamerikanische Land wie auch intimes Drama um eine verhinderte Mutter in der Lebenskrise. Das ist auch der intensiv auftretenden Hauptdarstellerin sehenswert, selbst wenn der Film manchmal nicht sehr in die Tiefe geht.
7
von 10