Party Round the Globe

„Party ’Round the Globe“ Release // nicht angekündigt

Aufregend ist das Leben Hikaru (Gaku Imamura) sicher nicht. Sein Alltag ist von Routinen geprägt, vom Gassigehen mit seinem Hund Ringo beispielsweise, von seiner Arbeit in einem kleinen Elektronikunternehmen, vom Radiohören. Da bietet sich ihm die Gelegenheit für ein wenig Abwechslung: Paul McCartney tritt überraschend in Tokio auf. Das will sich Takafumi (Hirobumi Watanabe), Hikarus musikbegeisterter Kollege, nicht entgehen lassen und überzeugt den Einzelgänger, sich ihm anzuschließen.

Besucher des alljährlichen japanischen Filmfests Nippon Connection in Frankfurt am Main könnten Hirobumi Watanabe bereits kennen. Mehre Male war der Regisseur und Drehbuchautor dort schon mit seinen Werken präsent, beispielsweise seinem mit dem Drama Poolsideman, wofür er mit dem Nippon Visions Jury Award 2017 ausgezeichnet wurde. Und so durfte auch Party ’Round the Globe nicht fehlen, Watanabes nunmehr vierter Spielfilm, als sich dieses Jahr die Programmgestalter auf die Suche nach cineastischen Schätzen aus Fernost machten.

Auf der Suche nach einem Dialog
Ein solcher ist die Geschichte um Hikaru sicherlich, auch wenn es kein besonders auffällig leuchtender ist. Zurückhaltend ist Party ’Round the Globe, sogar in mehrfacher Hinsicht. Beispielsweise spricht unser Protagonist während des gesamten Films – immerhin knapp zwei Stunden – kein einziges Wort. Selbst in den zahlreichen Dialogen ist nichts von ihm zu hören, was aber auch mit dem „Gesprächspartner“ zusammenhängt: Takafumi, von Watanabe selbst verkörpert, ist ein Plappermaul, das zu allem etwas zu sagen hat und nur ungern auf Antworten der anderen wartet.

Das ist durchaus lustig, gerade die gemeinsamen Autofahrten der beiden sind dank des speziellen Redetalents erheiternd. Ansonsten aber ist der Film sehr viel stiller, wortwörtlich. Und auch irgendwie trauriger. Das Leben des Einzelgängers, das so gar keine Interaktion mit anderen Menschen kennt. Seine Wohnung, die eher eine Erinnerung als ein tatsächliches Leben darstellt. Gleichzeitig hören wir im Radio Meldungen von der Welt da draußen, die zwar irgendwo real ist, aber ohne echte Verbindungen zu Hikaru. So als wären es Märchen.

Ein Märchen, das (vielleicht) die Welt schrieb
Party ’Round the Globe beginnt auch mit einem solchen. Ein Märchen, das süß ist und doch auch skurril, von Robotern und falschen Monden erzählt, von der Suche und auch von Einsamkeit. Das passt thematisch natürlich durchaus zu dem Hauptfilm, selbst wenn die Geschichte als solche nicht aufgenommen wird. Aber auch so ist nicht immer ganz klar, inwieweit die einzelnen Szenen zusammenhängen. Dass sie nicht chronologisch sind, das wird später verraten, nicht aber was sie zu bedeuten haben.

Ein roter Faden ist daher nicht zu finden, der Film wird eher durch Themen zusammengehalten als durch seine Geschichte. Durch die etwas versponnene Stimmung. Und natürlich auch die schönen Schwarzweißbilder, die größtenteils streng und doch kunstvoll durchkomponiert sind. Das ist etwas sperrig und doch auch rührend, gerade in den warmherzigen Szenen, wenn Watanabe sich doch für Gemeinsamkeiten stark macht. Nicht unbedingt das, was man als Party bezeichnen würde, wie es der Titel ankündigt. Aber doch ein Zusammentreffen, das einen irgendwie ein wenig glücklicher auf das Treiben da draußen blicken lässt.



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Party ’Round the Globe
„Party ’Round the Globe“ zeigt uns das Leben eines Einzelgängers, der von einem Kollegen zu einem Konzert mitgenommen wird. Das hat nicht sonderlich viel Geschichte oder Handlung, die Szenen haben auch keinen klar erkennbaren Fortgang. Und doch ist dieser mal komische, dann melancholische Film auf seine Weise schön und stimmt zum Ende hin sogar glücklich.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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