„Usedom – Der freie Blick aufs Meer“, Deutschland, 2017
Regie: Heinz Brinkmann; Musik: Zabava

Usedom

„Usedom – Der freie Blick aufs Meer“ läuft ab 31. Mai 2018 im Kino

Wiedersehen macht Freude. Manchmal stimmt es einen aber auch nachdenklich. Bei Heinz Brinkmann trifft sicherlich beides zu. 25 Jahre ist es mittlerweile her, dass er Usedom einen filmischen Besuch abstattete, die deutsch-polnische Insel in der Ostsee in Ein deutsches Inselleben verewigte. Damals war die Wende noch relativ frisch, in der gesamten Sowjetunion kam es zu gewaltigen Veränderungen. Veränderungen, von denen man hier ein bisschen träumte. Schließlich wurde der Weg frei für große Investitionen, die Armeestandorte wurden aufgelöst, stattdessen sollten nun Touristen hierherkommen.

Zum Teil haben sich diese Träume erfüllt, an Touristen mangelt es den Ferienorten nicht. Eine richtig tolle Perspektive ist daraus aber nicht erwachsen. Wer jetzt nicht gerade für ein Hotel arbeiten will, der bekommt innerhalb einer zunehmend veraltenden Gesellschaft nichts zu tun. Die Folge: Immer mehr Jugendliche verlassen die Insel, suchen woanders ihr Glück. Und auch die Besucher sind oft und gern eines etwas fortgeschrittenen Alters – ein Aufbruch in die Zukunft sieht anders aus.

Zurück in die Vergangenheit
Tatsächlich ist der Blick des Dokumentarfilms oft nach hinten gewandt. Mit einer kleinen Geschichtsstunde zur Insel geht es los, auch später wird mithilfe historischer Aufnahmen an früher erinnert. Zum Teil tun das auch die Leute, die Brinkmann für seine Gespräche traf. Einer teilt beispielsweise seine Bewunderung für die alten Grand Hotels, in denen man sich nachmittags für einen Tee traf. Und natürlich sind auch viele Gebäude noch wie anno dazumal, so als wäre die Zeit auf Usedom stehengeblieben.

Das macht die Insel natürlich zu einem idealen Ort, um sich zu entspannen. Die Hektik unseres Alltags verliert sich in den Stränden und den ruhigen Wellen der Ostsee, den traditionellen Bauten, zu einer großen Partymeile ist Usedom nie geworden. Wobei es nicht an Versuchen mangelt, hier etwas anderes auf die Beine zu stellen. Usedom – Der freie Blick aufs Meer ist auch deshalb etwas melancholisch und nostalgisch, weil das Ursprüngliche, die alten Kaiserbäder mit neuen Luxusquartieren konkurrieren. Das kleine Urlaubsparadies zieht auch vermögende Leute an. Und wann immer Geld im Spiel ist, bedeutet das letztendlich Konflikt. Ein Konflikt zwischen denen, die Usedom gern so bewahren würden wie früher, und denen, die hier noch deutlich mehr wirtschaftliches Potenzial entdecken.

Ein rundum persönlicher Blick
Eine reine Werbeveranstaltung ist der Beitrag der Berlinale 2018 daher nicht. Werbewirksame Bilder, die hat Brinkmann aber natürlich schon mitgebracht. Wenn wir mit ihm über die Insel schlendern, uns mit Chronisten, Fischhändlern oder Hoteldirektoren unterhalten, dann ist das ein vielschichtiger Blick auf eine Insel im Wandel. Neutral ist dieser Blick nicht, soll es auch gar nicht sein. Brinkmann, der selbst auf Usedom geboren wurde, macht eher einen persönlichen Ausflug daraus, der nicht mit eigenen Einwürfen spart und eben durch die Leute Charakter erhält. Das ist alles nicht spektakulär, nimmt für sich nicht in Anspruch, ganz universell über eine sich verändernde Gesellschaft reden zu wollen. Vielmehr lädt die Doku auf eine Reise ein, zeitlich wie geografisch, und weckt die Sehnsucht, selbst den Blick schweifen zu lassen.

Usedom – Der freie Blick aufs Meer
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Usedom – Der freie Blick aufs Meer
25 Jahre nach seinem ersten Dokumentarfilm wendet sich Heinz Brinkmann in „Usedom – Der freie Blick aufs Meer“ wieder seiner Heimat zu und zeigt, was sich im Laufe der Zeit geändert hat. Das bedeutet oft, in Erinnerungen zu schwelgen, etwas wehmütig auch, schöne Aufnahmen des Urlaubsparadieses mit Zeichen des Wandels zu kombinieren.
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