„Julian Schnabel – A Private Portrait“, USA/Italien, 2017
Regie: Pappi Corsicato; Musik: Gabriele Roberto

Julian Schnabel DVD

„Julian Schnabel – A Private Portrait“ ist seit 18. Mai 2018 auf DVD erhältlich

Nur wer in seinem Leben auch mal etwas wagt, der kann es zu etwas bringen. Und Julian Schnabel hat es weit gebracht. Seine Werke hängen im Museum of Modern Art in New York, dem Tate Modern in London, im Centre George Pompidou in Paris, in vielen weiteren auf der großen weiten Welt. Aber auch seine Ausflüge ins Filmgeschäft waren erfolgreich. Während andere Künstler, die sich hinter der Kamera versuchen, zuweilen etwas verlaufen, genießt Schnabel hier beachtliches Renommee. Sein Schmetterling und Taucherglocke, ein Drama über Jean-Dominique Bauby, den französischen Herausgeber der „Elle“, wurde in Cannes und bei den Golden Globes ausgezeichnet, auch eine Nominierung als bester Regisseur bei den Oscars sprang am Ende dabei raus.

Stoff für eine Dokumentation gibt sein Leben also allemal her. Regisseur Pappi Corsicato bemüht sich dann auch sichtlich, in seinem Werk dem bedeutenden Künstler gerecht zu werden. Themen schneidet er an, so viele er nur kann, von der Kindheit über sein Privatleben bis hin zu seinen Anfängen und dem Durchbruch. Vor allem aber war der italienische Filmemacher daran interessiert, Schnabel als Ausnahmekünstler darzustellen, der mit keinem vergleichbar war. Einer, der angetrieben von einer nicht zu bändigenden Energie seine Vision verfolgte, ohne Kompromisse, ohne Rücksicht auf Verluste.

Prominente Fürsprecher
Nun dürfte das ein Punkt sein, den wohl die meisten Künstler für sich in Anspruch nehmen. Wer gibt schließlich schon gern zu, dass er allein der Aufmerksamkeit oder des Geldes wegen tätig ist? Also ließ Corsicato jede Menge Prominenz zu Wort kommen, um sich das bestätigen zu lassen. Von Fachleuten quasi. Willem Dafoe zum Beispiel, mit dem er 2010 sein bislang letzten Film Miral drehte. U2-Frontman Bono. Auch Laurie Anderson und Al Pacino dürfen etwas dazu beitragen und brav aufsagen, wie unglaublich kreativ und selbstbestimmt Schnabel doch ist.

Das sei ihnen natürlich vergönnt, ebenso Schnabel selbst, der sich von Kollegen und seinem Umfeld – darunter seine Kinder – lobpreisen lassen darf. Nur, so richtig informativ ist das nicht. Viele dokumentarische Künstlerporträts neigen dazu, vor lauter Begeisterung für das Thema die kritische Auseinandersetzung zu kurz kommen zu lassen. Bei Julian Schnabel – A Private Portrait fehlt diese nun komplett. So beständig sind die Jubelarien der ständig wechselnden Interviewpartner, dass man meinen könnte, einer Grabrede zuzuhören – umso mehr, da jeder hier in der Vergangenheit spricht. Davon, wie Schnabel war, so als ob er schon länger nicht mehr unter den Lebenden verweilt.

Eine konventionelle Annäherung an das Unkonventionelle
Das wird schnell etwas eintönig, zumal Corsicato auch eine Idee fehlt, wie er dieses Material denn spannend aufbereiten würde. Julian Schnabel – A Private Portrait folgt gewissenhaft der Chronologie, wechselt Gesprächssituationen mit Beispielen von Schnabels Kunst. Das funktioniert natürlich, ist aber doch sehr gewöhnlich – ein Widerspruch zu den Ansprüchen, den US-Amerikaner als unkonventionellen Freigeist zu zeigen. Spaß macht die Dokumentation dann vor allem, wenn sie sich komplett zurückzieht und einfach nur die Werke Schnabels zeigt. Das ist zwar auch nicht originell, wird dem Thema aber doch stärker gerecht. Denn manchmal sagt ein Bild tatsächlich mehr als tausend Worte.

Julian Schnabel – A Private Portrait
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Julian Schnabel – A Private Portrait
„Julian Schnabel – A Private Portrait“ müht sich sichtlich, den amerikanischen Maler und Filmemacher als unkonventionellen Freigeist darzustellen, bleibt dabei selbst aber sehr konventionell. Vor allem aber bleibt die Dokumentation oberflächliche Lobpreisung, die vor lauter Ehrfurcht nichts zu sagen hat.
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