„The Strangers: Prey at Night“, USA, 2018
Regie: Johannes Roberts; Drehbuch: Bryan Bertino, Ben Ketai; Musik: Adrian Johnston
Darsteller: Christina Hendricks, Martin Henderson, Bailee Madison

The Strangers Opfernacht

„The Strangers: Opfernacht“ läuft ab 21. Juni 2018 im Kino

Die Stimmung daheim war schon mal besser. Aus gutem Grund: Nachdem Tochter Kinsey (Bailee Madison) monatelang immer wieder für Ärger gesorgt hat, wissen sich ihre Eltern Cindy (Christina Hendricks) und Mike (Martin Henderson) nicht anders zu helfen, als sie aufs Internat zu schicken. Bis es so weit ist, steht aber noch eine Fahrt quer durchs Land an. Halt wollen die drei und Sohn Luke (Lewis Pullman) in einem Trailerpark machen, der auf dem Weg liegt und ihrem Onkel und ihrer Tante gehört. Natürlich dauert es nicht lange, bis dort die Fetzen fliegen und sich die Familie mal wieder in den Haaren liegt. Doch das ist noch das kleinere Problem der vier, treiben doch gleichzeitig maskierte Serienkiller dort ihr Unwesen. Und nur gemeinsam haben die vier eine Chance, diese mörderische Nacht heil zu überstehen.

Kein Genre ist derzeit ähnlich gut darin, mit einem geringen Budget eine ganze Menge wieder einzuspielen. Längst nicht jeder Versuch sitzt dabei, kommerziell wie künstlerisch. Aber es gibt genügend Beispiele dafür, wie sich mit der Angst des Publikums richtig viel Geld verdienen lässt. Noch vor der aktuellen Welle machte The Strangers anno 2008 vor, wie man das macht: Das Budget betrug gerade mal neun Millionen Dollar, am Ende spielte der Film 80 Millionen wieder ein. Da war eine Fortsetzung nur eine Frage der Zeit, umso mehr, da dessen Regisseur und Drehbuchautor Bryan Bertino die Tür weit offen ließ für eine Fortsetzung.

Ein (fast) kompletter Neuanfang
Nun ist sie da, nach vielen Verspätungen und zu seinem Zeitpunkt, an dem schon gar keiner mehr damit gerechnet hat. Und sie ist auch nicht ganz das, was man hat erwarten können, auch wenn natürlich viele Erwartungen erfüllt werden. Zunächst einmal ist Liv Tyler, deren Figur das blutige Massaker des ersten Teils überleben durfte, im zweiten Teil nirgends zu sehen. Allgemein gibt es keinen direkten inhaltlichen Anschluss an den Vorgänger. Lediglich einige kleine Anspielungen lassen sich finden, die wohl in erster Linie zur Beglückung der Fans eingebaut wurden und für das Verständnis unerheblich sind.

Zwei Punkte sind es, die Opfernacht von dem ersten Teil unterscheiden. Zunächst einmal verlegte Bertino, der dieses Mal nur am Drehbuch beteiligt war, die Handlung weg von den heimischen vier Wänden hin zu einem abgelegenen Trailerpark. Das hat den Vorteil, dass beim Setting doch noch mehr Möglichkeiten drin sind, man sehr viel mehr Schauplätze einbauen kann. Genutzt wurden diese Möglichkeiten nur zum Teil. Die meiste Zeit über laufen bzw. fliehen die Protagonisten durch dunkle Gegenden, denen der Wiedererkennungseffekt abgeht. Zudem verliert der Film dadurch eine seiner größten Stärken: Home Invasion ist ja auch deshalb immer so furchteinflößend, weil solche Streifen einem den einen Zufluchtsort rauben, an dem man sich sicher fühlen sollte. Das eigene Zuhause. Ein abgelegener, menschenleerer Ort hat da natürlich nicht dieselbe Wirkung. Die meiden wir ja ohnehin instinktiv – sofern wir nicht gerade Teil eines Horrorfilms sind.

Bitte, bitte, tu mir nix!
Dass The Strangers: Opfernacht ein solcher ist, daran besteht auch nie ein Zweifel. Nicht nur, dass hier fleißig gemeuchelt wird, wir nicht lange warten müssen bis zum ersten Mord. Vor allem die Figuren demonstrieren deutlich, dass sie nicht dem Leben, sondern einem Genrefilm entspringen. Sie verhalten sich, sobald erst einmal die Bedrohung real wird, nur selten nachvollziehbar, sind meistens strohdumm, nur um dann plötzlich einfallsreich zu sein. Auch die innere Einstellung zu Gewalt wandelt sich immer wieder, je nachdem, wie es der Film gerade braucht. Wie so oft in diesem Bereich fehlt auch allgemein wieder auf befremdliche Weise der innere Selbsterhaltungstrieb. Situationen, in denen sich die Verfolgten leicht zur Wehr setzen könnten, werden ignoriert. Da wird lieber herumgeflennt und passiv darauf gewartet, sich abstechen zu lassen, anstatt zumindest mal zu versuchen, zum Gegenangriff überzugehen.

Letzten Endes ist The Strangers: Opfernacht dann eben doch nur ein recht gewöhnlicher Horrorstreifen, der keine hohen Ansprüche an sein Publikum stellt und keine größeren Ambitionen pflegt. Bonuspunkte gibt es für das zweite Merkmal, das den Beitrag der Fantasy Filmfest Nights 2018 vom ersten Teil unterscheidet. Regisseur Johannes Roberts (47 Meters Down) springt auf den Nostalgiezug auf, der zuletzt durch das Genrekino rauscht und nutzt die Gelegenheit, seine Liebe zu den 80ern zu zeigen. Die Bilder wirken so, als wären wie drei Jahrzehnte in die Vergangenheit gereist (von Smartphones einmal abgesehen), dazu gibt es den passenden Soundtrack. Oder auch den unpassenden Soundtrack: Der Kontrast zwischen den Liedern und dem blutigen Treiben sorgt für einen ganz eigenen Reiz. Dazu gibt es ein an Absurdität kaum zu überbietendes Finale sowie paar effektive Jump Scares, die zwar nicht in die Geschichte eingehen werden, ihren Zweck aber erfüllen. So wie es der Film eben auch tut.

The Strangers: Opfernacht
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The Strangers: Opfernacht
Zehn Jahre nach dem großen Erfolg von „The Strangers“ melden sich die maskierten Serienkiller wieder zu Wort. Dieses Mal wird eine Familie auf einem abgelegenen Trailerpark abgeschlachtet, was zwar für einige effektive Jump Scares gut ist, aber nicht dem Terror einer Heimsuchung gleichkommt. Ärgerlich ist zudem, dass sich die Figuren wenig konsequent, oft auch genrekonform dämlich verhalten. Reizvoll sind dafür die vielen 80er-Jahre-Elemente, die nicht nur Nostalgiker erfreuen, sondern ganz gern auch mal zum Kontrast eingesetzt werden.
5von 10

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