„Only the Brave“, USA, 2017
Regie: Joseph Kosinski; Drehbuch: Ken Nolan, Eric Warren Singer; Musik: Joseph Trapanese
Darsteller: Josh Brolin, Miles Teller, Jeff Bridges, Jennifer Connelly, James Badge Dale, Taylor Kitsch

No Way Out

„No Way Out – Gegen die Flammen“ läuft ab 3. Mai 2018 im Kino

Verheiratet ist Eric Marsh (Josh Brolin), ja, schon seit einer ganzen Weile sogar. Und doch würden einige sagen, dass seine große Liebe weniger seine Frau Amanda (Jennifer Connelly) ist als vielmehr seine Arbeit als Feuerwehrmann. Die nimmt ihn völlig in Anspruch, umso mehr, da er zusammen mit Duane Steinbrink (Jeff Bridges), dem Chef der Feuerwache, plant, seine Truppe als landesweit einsetzbare Eliteeinheit zertifizieren zu lassen. Tatsächlich gelingt ihnen der historische Schritt, dass erstmals eine kommunale Feuerwehr zu den auf Waldbrände spezialisierten Hotshots ernannt wird. Doch diese Ehre bedeutet auch sehr viel Arbeit, den einen oder anderen Ehekrach – und natürlich eine ständige Lebensgefahr.

Für das hiesige Publikum mag die Vorstellung etwas fremd sein, dass es eigene Feuerwehrtruppen geben soll, die ausschließlich gegen Waldbrände ankämpfen. Zwar sind diese in Deutschland nicht ganz selten, rund 1.000 Stück soll es pro Jahr geben. Doch die finden immer in einem so begrenzten Rahmen statt, dass es da nicht für die Nachrichten reicht. Ganz anders in den USA, die regelmäßig von verheerenden Bränden heimgesucht werden, speziell Kalifornien ist ein häufiges Opfer solcher Naturkatastrophen.

Die wahre Geschichte eines fatalen Brandes
Dort fand im Sommer 2013 auch das sogenannte Yarnell Hill Fire statt. Ausgelöst durch einen Blitzeinschlag breitete sich das Feuer durch ungünstige Winde rasend schnell aus und wurde zu einem der tödlichsten Feuerzwischenfälle in der Geschichte der USA. Erstaunlicherweise nutzte Regisseur Joseph Kosinski (Oblivion) diese Katastrophe aber relativ zurückhaltend. Anders als man erwarten könnte, wird dieser Brand nur relativ kurz gezeigt. Und auch sonst sind die Einsätze der Feuerwehrmänner recht knapp. Es kommt zwar auch vor der finalen Feuersbrunst immer wieder mal zu Waldbränden, wirklich brenzlig wird es dabei jedoch nie. Die Gefahr ist gebannt, noch bevor wir sie zu spüren bekommen.

Das ist schon ein wenig schade, aber Teil des Konzepts. No Way Out soll gar kein Katastrophenfilm sein, auch wenn er von einer Katastrophe handelt. Stattdessen rückt er die Menschen in den Vordergrund. Die Männer, die ihr Leben der Feuerbekämpfung verschworen haben. Die Frauen, welche daheim auf sie warten. Denn das ist eines der vorherrschenden Themen: Wie soll man ein Familienleben führen, wenn man ständig unterwegs ist, um sein Leben zu riskieren?

Lebensgeschichten, die jeder kennt
No Way Out führt das gleich doppelt vor: an Eric, der mit seiner Frau immer wieder in Konflikt gerät, weil sie nichts mehr von ihm hat. Und auch Brendan (Miles Teller), ein junger Ex-Junkie und frischgebackener Vater, sucht nach einer gesunden Balance zwischen Familienglück und gesellschaftlicher Pflicht. Dem gegenüber steht – als Kontrast – Taylor Kitsch als leicht prolliger Frauenheld, der keine Gelegenheit ungenutzt lässt, sich über den jungen Rekruten lustig zu machen. Die anderen Teammitglieder der immerhin 19 Mann starken Einheit treten hingegen kaum in den Vordergrund. Von vielen erfährt man erst durch den Abspann den Namen.

Der starke Fokus auf einige wenige Figuren führt zu etwas gemischten Ergebnissen. Richtig spannend sind die Lebensgeschichten der Männer und Frauen nicht, dafür sind sie dann doch zu universell. Es ist noch nicht einmal so, dass sie übermäßig sympathisch wären. Trotz der vielen Allgemeinplätze, die No Way Out abgrast, trotz diverser vorzeitig abgebrochener Nebengeschichten, es gelingt dem Drama aber doch zumindest, Eric und die anderen nach und nach zu Menschen aus Fleisch und Blut werden zu lassen. Und das ist wichtig bei einem Film, der davon handelt, wie sich eigentlich recht gewöhnliche Leute in Gefahr begeben, um andere zu retten. Wenn diese Feuerwehrmänner losziehen, dann sind es eben keine Superhelden, wie wir sie aus dem Blockbusterkino kennen, sondern unbekannte Nobodys mit nicht immer anziehenden Charaktereigenschaften. Und daraus zieht der Film seine Kraft, seine emotionale Wucht. Da uns der Ausflug in die kalifornischen Wälder zudem mit fabelhaften Aufnahmen beschenkt, sowohl zu friedlichen wie auch in brenzligen Zeiten, ist dieses etwas andere Heldenbiopic tatsächlich sehenswert, sehr viel mehr als so mancher vor Pathos und Patriotismus triefende Kollege, wie man ihn in den USA oft gern feiert.

No Way Out – Gegen die Flammen
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No Way Out – Gegen die Flammen
Wer sind die Menschen, die sich tagtäglich in die Flammen stürzen, um andere oder auch die Wälder zu retten? „No Way Out – Gegen die Flammen“ setzt ihnen ein etwas ungewöhnliches Denkmal: Anstatt sich auf die Einsätze oder die große Katastrophe zu stürzen, stehen hier einige wenige Protagonisten im Mittelpunkt. Deren Lebensgeschichten sind zwar relativ austauschbar, doch gerade diese Menschlichkeit verleiht dem Drama auch seine Kraft.
7von 10

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