Es endlich einmal den blöden Lehrern zeigen, davon träumt doch (fast) jedes Kind. Und wohl auch der eine oder andere Erwachsene, der noch immer traumatische Erinnerungen an die Schulzeit pflegt. Das wäre eine mögliche Erklärung für den Erfolg der Reihe Die Lümmel von der ersten Bank, die heute vor 50 Jahren am 4. April 1968 ihren Anfang nahm. Denn der war groß. Sehr groß sogar. Rund sechs Millionen Zuschauer sahen damals den ersten Teil Zur Hölle mit den Paukern, die Nachfolger lockten ebenfalls ein Millionenpublikum an. Und Nachfolger gab es einige, offizielle wie inoffizielle. Insgesamt sieben Mal durften wir dabei sein, wenn die Schüler des fiktiven Mommsen-Gymnasiums ihre Lehrer in den Wahnsinn trieben. Hinzu kamen unzählige Nachahmer, die mit einem ähnlichen Konzept, teils auch mit den bewährten Schauspielern um die Gunst des Publikums buhlten.

Das Original handelte dabei immer von dem Schüler Pepe Nietnagel, gespielt von Hansi Kraus, der eigentlich aus gutem Haus kommt, durchaus auch intelligent ist, nur leider so gar nicht einsieht, seine wertvolle Zeit mit der Schule zu verschwenden. Auf der Gegenseite stand jedes Mal Oberstudiendirektor Dr. Gottlieb Taft (Theo Lingen). Auch einige der Lehrer bzw. Hans Terofal als trotteliger Schulpedell Georg Bloch waren Dauergäste. Dafür war Familie Nietnagel weniger konstant. So war zwar in sechs der sieben Teile Pepes Vater zu sehen, wurde jedoch jedes Mal von jemand anderem gespielt. Kurios auch der Fall Marion, Pepes Schwester. Die bekannteste Darstellerin war Uschi Glas, welche sie immerhin dreimal spielen durfte. Im zweiten Teil schlüpfte hingegen Hannelore Elsner in die Rolle. Das war auch deshalb komisch, weil Elsner in Teil 1 und Teil 3 auch beim Cast dabei war, dort jedoch als französische Austauschschülerin. Teil 2 ist aber auch noch in einer anderen Hinsicht bemerkenswert: Auf Drängen von Peter Alexander, der dort eine Hauptrolle spielte, wurde der Name Nietnagel in Notnagel umgewandelt. Und eben nur dort. Alexander tauchte dann auch im vierten Teil wieder auf, wieder als Lehrer, aber als ein anderer Lehrer.

Harmloser Spaß mit viel Zeitgeist
Dem Publikum war es egal, dass die Reihe nur wenig Wert auf Kontinuität legte. Mehr als leichte Unterhaltung hatte diese nämlich gar nicht im Sinn. Anders als die einige Jahre zuvor gestarteten Lausbubengeschichten, in denen ebenfalls Hansi Kraus die Hauptrolle übernommen hatte, hielten sich die satirischen Elemente bei den Lümmeln von der ersten Bank doch in Grenzen. Als Zeitdokumente sind sie dabei nicht uninteressant, da sie mitten in die Umwälzungen Ende der 1960er hineinfielen und durchaus den Zeitgeist mitaufnahmen. Gerade die Auflehnung gegen Obrigkeiten, das Abwerfen alter Fesseln und Theorien, das sprach dem damaligen Publikum von der Seele. Auch wenn diese Auflehnung kaum mit Theorien unterfüttert wurde und sich stattdessen mit Streichen wie Abführmitteln und umgefärbten Lehrerautos befasste.

Anspruchsvoll war das natürlich nicht. Schon damals erzürnten sich Kritiker angesichts belangloser Späße, die dann und wann durch Schlagerauftritte unterbrochen wurden. Und daran hat sich bis heute nichts geändert, das Ansehen hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht unbedingt verbessert. Zudem haben die Komödien das Problem, dass der Humor für das heutige Empfinden zu brav ist. Gerade der Vergleich zu dem nicht minder erfolgreichen Enkel Fack ju Göhte zeigt, wie sehr sich unsere Erwartungen verschoben haben. Einige Jahrzehnte später muss schon deutlich mehr passieren, um die Zuschauer in die Kinos zu locken. Vor allem sprachlich wird jetzt auf einem ganz anderen Level miteinander gekämpft. Das verleitet womöglich dazu, bei der Erinnerung an den Vorfahren mit der Nase zu rümpfen. Und doch stimmen die Lümmel auch irgendwie nostalgisch, erinnern an vergangene, unschuldige Zeiten, als man sich zwar unentwegt Streiche spielte, sich im Grunde aber nichts Böses wollte. Wo am Ende des Tages das Auto seine alte Farbe wieder hatte, Liebespaare wie geplant zusammenfinden und am nächsten Morgen alles wieder beim alten ist, frisch, fromm, fröhlich, frei.

Unsere Rezensionen der Lümmelfilme

Die Lümmel von der ersten Bank [Special]
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