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(„Zum Teufel mit der Penne“ directed by Werner Jacobs, 1968)

Luemmel von der ersten Bank

„Zum Teufel mit der Penne“ ist als Teil der Sammlung „Die Lümmel von der ersten Bank“ erhältlich

Wie ist es wirklich um die Schüler von heute und die Bildungsmisere bestellt? Diesem Thema will sich der Fernsehreporter Dr. Peter Roland (Peter Alexander) widmen und schmuggelt sich dafür als Austauschlehrer Dr. Wilhelm-Maria Tell in das Mommsen-Gymnasium ein, wo er dem Lehrerschreck Pepe Notnagel (Hansi Kraus) und seiner Schwester Marion (Hannelore Elsner) begegnet. Während sich der vorgebliche Lehrer mit den ständig zu Streichen aufgelegten Schülern bestens versteht, hat er mit seinen eigenen Fächern doch mächtig zu kämpfen und hat alle Hände voll zu tun, damit sein kleiner Schwindel nicht auffliegt.

So schnell kann’s gehen: Nachdem im April 1968 Zur Hölle mit den Paukern – der erste Teil der Reihe Die Lümmel von der ersten Bank – zum Publikumsmagneten avancierte, wurde eiligst ein Nachfolger gedreht. Und tatsächlich, acht Monate nach dem Auftakt ging es ein zweites Mal ans Mommsen-Gymnasium in Baden Baden. Hintergrund war nicht nur, dass man das ertragsreiche Weihnachtsgeschäft noch mitnehmen wollte, sondern dass die Konkurrenz nicht schlief: Das Konkurrenzprodukt Immer Ärger mit den Paukern war bereits für Oktober angekündigt, und so ganz kampflos wollte man sich dann doch nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.

Nun hatte der hohe Zeitdruck diverse Änderungen bei der Besetzung zur Folge, schließlich standen nicht alle Schauspieler derart kurzfristig wieder zur Verfügung. Und so spielte Willy Millowitsch nun plötzlich Pepes Vater, Inge Wolffberg – bekannt als Synchronstimme aus Signor Rossi – übernahm die Rolle von Studienrätin Pollhagen, auch die Schulsekretärin Fräulein Weidt wurde neu besetzt. Doch am Kuriosesten war, dass nun Hannelore Elsner anstatt Uschi Glas Pepes Schwester mimte – war sie in Teil eins doch noch als französische Austauschschülerin Geneviève zu sehen. Und noch etwas war anders, sogar einmalig in der siebenteiligen Reihe: Der Nachname von Pepe wurde von Nietnagel in Notnagel geändert, auf Drängen von Peter Alexander.

Der ist dann auch der eigentliche Hauptdarsteller des Films, was beim letzten Mal noch eine Komödie über eine aufmüpfige Schulklasse war, ist jetzt nicht mehr als ein Anlass, ihn und Heintje auf die große Leinwand zu bringen. Besonders bei Letzterem ist das auffällig, es wird nicht einmal versucht, seine Gastrolle inhaltlich zu rechtfertigen, seine beiden Gesangseinlagen waren lediglich dazu da, ein größeres Publikum anzuziehen, koste es, was es wolle. Alexander ist hier natürlich weitaus besser ins Geschehen integriert, seine zwei Schlager haben mit dem eigentlichen Film jedoch genauso wenig zu tun.

Durch diese inhaltliche Neuausrichtung blieb natürlich weniger Zeit für die Streiche an den Lehrern. Ein wirklicher Verlust war das nicht, denn wenn Lehrer einen Stromschlag kriegen, Schüler die Zerstörung einer Geige vortäuschen oder sich ausziehen, um die Biologielehrerin zu schocken, dann ist das aus heutiger Sicht eher drollig denn witzig. Wenn biederer Humor aber gegen kitschiges Liedgut ausgetauscht wird, ist das bestenfalls eine Verschlimmbesserung, für die meisten dürfte Zum Teufel mit der Penne kaum noch erträglich sein. Bedauerlich ist dabei vor allem, dass der Gesellschaftsaspekt und das Zeitporträt, welche in Zur Hölle mit den Paukern noch mitschwangen, dieses Mal kaum Raum zur Entfaltung fanden. Dem damaligen Publikum war dies jedoch egal, die Kritiken fielen sogar minimal besser aus, mit fast sechs Millionen Zuschauern war der zweite Teil der erfolgreichste der Reihe. Und so dauerte es dann auch nur ein halbes Jahr, bis mit Pepe, der Paukerschreck die dritte offizielle Episode in die Kinos kam.



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Zum Teufel mit der Penne
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Zum Teufel mit der Penne
Der zweite Teil der beliebten „Lümmel“-Reihe ging etwas ungewohnte Wege, statt der Klasse stand dieses Mal ein angeblicher Austauschlehrer im Mittelpunkt. Während die zahlenmäßige Reduzierung der aus heutiger Sicht biederen Streiche zu verschmerzen ist, gilt das nicht für die sehr erzwungenen Schlagerszenen. Witzig ist hier wenig, „Zum Teufel mit der Penne“ war ein schwacher Schnellschuss.
3von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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