„Walter Pfeiffer – Chasing Beauty“, Schweiz, 2018
Regie: Iwan P. Schumacher; Drehbuch: Iwan P. Schumacher, Martin Jaeggi, Anka Bombelli; Musik: Victor Moser, Fabian Gisler

Walter Pfeiffer Chasing Beauty

„Walter Pfeiffer – Chasing Beauty“ läuft ab 8. März 2018 im Kino

Er solle sich noch ein bisschen weiter nach vorne beugen, direkt in den Wasserfall, sagt Walter Pfeiffer zu seinem Model. Es ist jung, männlich und nackt, so wie es viele der Models sind, die der Schweizer Fotograf im Laufe der Zeit abgelichtet hat. Großartig seien die Bilder, sagte Andy Warhol einmal, als sie ihm in New York in die Hand gedrückt wurden. Aber auch etwas unanständig. Das Kunstvolle und das Erotische, es gehörte bei Pfeiffer immer zusammen, lässt die Betrachter so regelmäßig zu Voyeuren werden.

Und doch nutzte er die Leute nicht aus, wenn er sie vor die Kamera holte. Er wollte das Beste aus ihnen herausholen, ihre Schönheit zeigen – so der Anspruch. Zumindest für seine ehemaligen Motive, die in Walter Pfeiffer – Chasing Beauty zu Wort kommen, scheint dies zuzutreffen. „Walter ist der erste Mensch, der mich wirklich erkannt hat“, sagt Schauspielerin Shirin Azari. Auch sie stand ihm einst Modell, als eines der selteneren Motive, die beruflich die Kamera suchen. Oftmals schnappte sich Pfeiffer lieber Leute von der Straße, sprach sie an, ließ sie ansprechen, gab ihnen die Gelegenheit, sich in ihrer Schönheit zu verewigen und neue Seiten in sich zu entdecken. Die technischen Aspekte interessierten den Fotografen dabei weniger. Die Kamera war nicht mehr als ein Mittel zum Zweck.

Jeder ist schön – der eine mehr, der andere weniger
Der Charme des Dokumentarfilms beruht dann auch darin: Ganz normale Menschen, fern von Kunst und Mode, dürfen sich hier daran erinnern, wie es war mit dem Fotografen zusammenzuarbeiten, der immer etwas unbeholfen wirkte. Einer ist heute Architekt geworden, hält ein Bild vor sich, das vor Jahrzehnten geschossen wurde. Es liegen Welten zwischen den beiden. Dem Mann im Bild, dem Mann, der das Bild hält. Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen, aus den jungen Amateurmodels sind gesetzte Persönlichkeiten geworden. Die Aufnahmen der Schönheit, es sind gleichzeitig Relikte aus einem fern scheinenden Leben.

Es ist aber nicht allein das Alter, die sich abzeichnenden Falten, der sich verändernde Körper, welche Mensch und Foto so unterscheiden. Pfeiffer nahm die Motive mit in eine Art Wunderland, inszenierte sie in sonderbaren Posen, fotografierte sie vor ungewöhnlichen Hintergründen. Die Models waren nicht einfach nur Objekte – von einigen Strandaufnahmen abgesehen, die als Titel eines Schwulenmagazins endeten. Vielmehr verschmolzen sie mit ihrem Umfeld zu einem mal faszinierenden, mal komischen Anblick, oft etwas unwirklich.

Bunt, unterhaltsam, eher oberflächlich
Zu sehen gibt es daher einiges in Walter Pfeiffer – Chasing Beauty. Viel Schönes bis Kurioses. Regisseur Iwan P. Schumacher ist aber nicht sonderlich daran interessiert, auch einen Blick hinter diese schöne Kulisse zu werfen. Über Pfeiffer als Mensch erfahren wir wenig. Auch seine Kunst an sich wird nicht wirklich hinterfragt. Dass manch einer bei seinen Fotografien nur die Nase rümpfte und ihnen den Kunststaus absprach, erfahren wir hier höchstens in Nebensätzen. Schumachers Interviewpartner sind – wie so oft bei derartigen Porträtdokus – immer nur voll des Lobes. Man ist hier unter Freunden, trifft sich auf einen netten Plausch und schwelgt in Erinnerungen. Wem das reicht und ein Faible für die kunterbunten Aufnahmen des inzwischen 71-Jährigen hat, der darf sich auf kurzweilige anderthalb Stunden freuen.

Walter Pfeiffer – Chasing Beauty
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Walter Pfeiffer – Chasing Beauty
Nackte Haut, ungewöhnliche Szenarien, viel Farbe – die Bilder des Schweizer Fotografen Walter Pfeiffer sind auf jeden Fall richtige Hinkucker. Allzu sehr will sich die Doku damit aber nicht auseinandersetzen, bleibt lieber an der schönen Oberfläche. Unterhaltsam ist sie dennoch, gerade auch wenn die bisherigen Amateurmodels zu Wort kommen.
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