„Ghost Stories“, UK, 2017
Regie: Jeremy Dyson, Andy Nyman; Drehbuch: Jeremy Dyson, Andy Nyman; Musik: Haim Frank Ilfman
Darsteller: Andy Nyman, Martin Freeman, Paul Whitehouse, Alex Lawther

Ghost Stories

„Ghost Stories“ läuft ab 19. April 2018 im Kino

Geister? Gibt es nicht. Es gibt nur den eigenen Geist, der einen an so etwas glauben lassen will. Davon zumindest ist Professor Philip Goodman (Andy Nyman) überzeugt, der es sich in seiner Fernsehsendung zur Aufgabe gemacht hat, Scharlatane zu überführen. Sein Vorbild: Charles Cameron (Leonard Byrne). Der hatte einst selbst in einer ähnlichen Sendung dem paranormalen Irrglauben den Kampf angesagt, bis er eines Tages spurlos verschwand. Alle waren sie davon ausgegangen, dass er inzwischen verstorben war. Goodman kann es dann auch kaum glauben, als er aus dem heiteren Himmel von dem Vermissten kontaktiert wird. Und noch viel weniger glauben will er, was ihm der alte Mann da erzählt: Es soll sie wirklich geben, diese Geister. Drei Fälle habe er untersucht, ohne eine rationale Lösung dafür zu finden. Also macht sich Goodman auf, dies nachzuholen und begegnet dabei dem Nachtwächter Tony Matthews (Paul Whitehouse), dem Jugendlichen Simon Rifkind (Alex Lawther) und dem Geschäftsmann Mike Priddle (Martin Freeman).

Filmadaptionen von Theaterstücken, die gibt es immer mal wieder. Meistens handelt es sich dabei um Komödien oder Dramen. Aber auch Krimis bieten sich immer mal wieder an, siehe etwa die Verfilmungen von Agatha Christies Bühnenwerken Zeugin der Anklage und Das Spinngewebe. Horror jedoch, das ist eine absolute Seltenheit, allein schon weil das Genre nur sehr selten die Bretter dieser Welt besucht. Ghost Stories ist eine dieser seltenen Ausnahmen, lief 2010/2011 daheim in England, später kamen Aufführungen in Australien hinzu. Ungewöhnlich bei dem Stück war aber nicht nur das Genre, sondern auch die Kürze von nur 80 Minuten sowie die Geheimniskrämerei – Bilder der Aufführung wurden nicht gezeigt, das Publikum wurde gebeten, anderen nichts über den Inhalt zu verraten.

Schöne Settings, tolle Schauspieler
Warum das so ist, davon können hiesige Kinogänger sich selbst ein Bild machen: Nach einer ersten Stippvisite bei den Fantasy Filmfest White Nights 2018 schleicht sich der Film im April regulär auf die deutschen Leinwände. Das Bühnenerbe ist dort noch immer spürbar, bei den jeweils sehr begrenzten Settings der drei Kurzgeschichten. Aber das muss ja kein Nachteil sein, viele Genrevertreter spielen schließlich in nur einem Haus, in dem das Böse ein und ausgeht. Umso mehr, da die Settings hier doch recht atmosphärisch geworden sind: eine heruntergekommene Fabrikanlage, ein dunkler Wald, eine vornehme Villa. Während die ersten beiden Geschichten viel mit Schatten spielen, damit, dass das Publikum nichts oder nur wenig sieht, sind die Vorkommnisse in der finalen Episode deutlich sichtbar – und nicht weniger rätselhaft.

Das ist schön bebildert, mit kleinen Spritzern von Humor garniert, vor allem aber erstklassig besetzt. Andy Nyman, der zusammen mit Jeremy Dyson das Stück schrieb und jetzt auch den Film inszenierte, ließ es sich nicht nehmen, zusätzlich in die Rolle des Goodman zu schlüpfen. Bei ihm wird der Professor zu einer Art Offline-Troll, ein unsympathischer Wichtigtuer, der gern andere kritisiert und alles besser weiß. Vor allem aber seine Gegenspieler tragen zu den Unterhaltungswert der drei Geschichten bei. Alex Lawther (The End of the F***cking World) als hypernervöser Jugendlicher. Und Martin Freeman (Sherlock) natürlich, verschmitzt, undurchsichtig, sogar ein bisschen unheimlich.

War das schon alles?
Und doch, so richtig spannend sind die drei Episoden nicht. Sie sind kompetent umgesetzt, haben immer wieder ihre Momente, sind aber zu kurz und zu bekannt, um wirklich Eindruck zu hinterlassen. Gerade im Bereich Horror-Anthologie ist die Konkurrenz einfach zu groß. Wo sich etwa bei V/H/S – Eine mörderische Sammlung oder 22 Ways To Die die Filmemacher gegenseitig mit abstrusen Geschichten überbieten wollen, ist das hier so gewöhnlich, so wenig überraschend, so schnell und folgenlos auch vorbei, dass man sich schon fragt, was die Geheimniskrämerei denn nun sollte. Wo hier überhaupt ein Geheimnis stecken soll, das es sich zu verraten lohnt.

Das kommt, wie so oft, erst zum Schluss. Allerdings mit einem gemischten Ergebnis. Die herbeigesehnte Wendung ist beeindruckend in Szene gesetzt, spektakulär sogar. Sie beginnt mit einem Knall, wird anschließend surreal, reißt Wände links und rechts ein, bis man so gar nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Oder der der anderen. Dafür ahnt man, wie es den Zuschauern im Theater ergangen sein muss, weshalb der Besuch dort tatsächlich etwas Besonderes war. Der Inhalt dieser Wendungen ist jedoch sehr viel weniger spannend, letzten Endes ebenso klassisch wie die Geschichten selbst. Und ebenso folgenlos: Dyson und Nyman erdachten die Wendung nur der Wendung selbst wegen, nicht um damit etwas anfangen zu wollen. Und das ist nach all den Vorschusslorbeeren doch etwas wenig. Was bleibt ist eine nach wie vor solide Anthologie, gerade auch für weniger horrorerfahrene Zuschauer, die aber mehr hätte sein sollen, als sie ist.

Ghost Stories
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Ghost Stories
Ein notorischer Skeptiker soll drei Fälle unerklärlicher Sichtungen lösen, das ist als Szenario ebenso Standard wie die folgenden Kurzgeschichten. Die Bühnenadaption ist atmosphärisch, vor allem erstklassig besetzt, mit feinen Humortupfern. In Erinnerung bleibt „Ghost Stories“ aber in erster Linie wegen der spektakulär inszenierten Auflösung, weniger wegen des Inhalts oder des Spannungsfaktors.
6von 10

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