„The Circle“, USA, 2017
Regie: James Ponsoldt; Drehbuch: James Ponsoldt; Vorlage: Dave Eggers; Musik: Danny Elfman
Darsteller: Emma Watson, Tom Hanks, John Boyega

The Circle DVD

„The Circle“ ist seit 26. Januar 2018 auf DVD und Blu-ray erhältlich

Als Mae (Emma Watson) einen Job beim größten und einflussreichsten Technik- und Social-Media-Unternehmen der Welt landet, geht ein Traum in Erfüllung. Schritt für Schritt arbeitet sie sich nach oben und wird auf ihrem Weg von einem der Gründer, Eamon Bailey (Tom Hanks), dazu motiviert, an einem bahnbrechenden Experiment teilzunehmen. Mae willigt ein, zu jeder Zeit eine kleine Kamera, die an ihrer Kleidung befestigt ist, mit sich zu tragen und ununterbrochen live von Millionen von Menschen rund um den Globus verfolgt zu werden und stößt dabei an die Grenzen von Privatsphäre, Ethik und schlussendlich ihrer eigenen Freiheit. Ihre Teilnahme an dem Experiment sowie ihr verändertes Verhalten beeinflussen bald nicht nur ihre eigene Zukunft, sondern auch die ihrer Familie, ihrer Freunde und der gesamten Menschheit.

Hochkarätiger Cast und topaktueller Ansatz
The Circle, basierend auf dem gleichnamigen, 2013 erschienenen Roman von Dave Eggers (Ein Hologramm für den König), behandelt hochinteressante Themen, vor allem den massiven Einzug moderner Technologien und dessen Konsequenzen. Der gegenwärtige Trend technologischer Thriller ist in Serien wie Black Mirror oder Westworld klar ersichtlich und mit ein Grund für den beachtlichen Erfolg der Buchvorlage. The Circle unterscheidet sich insofern, dass man die Geschichte weniger als warnendes Beispiel einer drohenden, dystopischen Zukunft verstehen soll, sondern viel mehr als eine aufpolierte Vision der Gegenwart, die sich nur minimal von der Realität unterscheidet.

Die Schauplätze um den Circle-Campus erinnern stark an den jeweiligen Hauptsitz moderner Mega-Konzerne wie Google oder Amazon, während Tom Hanks’ Rolle und seine simplistischen Präsentationen eng an Apple-Gründer Steve Jobs angelehnt sind. Gleichzeitig sind die Technologien im Film, wie die Live-Kommentare von Maes Followern, die ununterbrochen in Textblasen um sie herum schweben, ähnlich zu real existierenden Features, wie in diesem Fall Facebook Live oder Periscope.

Abgesehen vom spannenden Ausgangspunkt lockt The Circle vor allem mit dem bestechenden und gut getroffenen Cast. Neben Emma Watson und Tom Hanks sind auch die Nebenrollen mit Stars besetzt, u.a. mit John Boyega (Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht) als untergetauchter Gründervater Ty oder Ellar Coltrane (Boyhood) als Mercer, Maes Kindheitsfreund und technikscheuer Eigenbrötler.

Inkonsequenz und Substanzlosigkeit
Leider hat sich die Quelle des Lobs damit erschöpft. Neben den eindimensionalen und inkonsistenten Charakteren, die den ausgezeichneten Schauspielern nur wenig Spielraum bieten, liegt das Hauptproblem vor allem in den flachen Phrasen und der ungleichmäßigen und verfehlten Entwicklung der Story.

Von Anfang an hat man mehr das Gefühl, von einer Collage an Ideen überflutet zu werden, als einem ausgereiften Erzählstrang zu folgen. Die Prämisse des Films will die Debatte um Privatsphäre und Verhaltenstransparenz provozieren, verliert sich dabei aber in falscher Fragestellung und sich ständig wiederholenden Platitüden. Das wirft wiederum die Frage auf, wie ein Haufen junger Circler, die während der Präsentationen einstimmig stumpfsinnige Mantras wie “sharing is caring” oder “secrets are lies” blöken, ohne je irgendeine Entscheidung oder Handlung zu hinterfragen, die Zukunft des innovativsten und visionärsten Unternehmens sein können.

Zu wenig Tiefgang, zu wenig Stoff zum Nachdenken
Die Fragen und Antworten, die im Film gestellt und gegeben werden sind allzu offensichtlich. Für einen Titel wie diesen hätte man sich gewünscht, dass er mehr zum Nachdenken anregt und weniger offensichtlich in seinen Beobachtungen ist. Das mag auch daran liegen, dass The Circle nichts wirklich Neues bietet. Es ist vielmehr eine Kumulation von präzise herausgepickten Motiven aus filmischen und literarischen Klassikern wie 1984, Schöne Neue Welt oder Die Truman Show.

Am Ende gräbt The Circle nie tief genug und die Botschaft des Films, abgesehen vom immer wieder nachgebeteten Refrain “Verlust von Freiheit ist der Preis für bessere Verbundenheit” ist im Wirrwarr von Bewunderung technischer Innovationen und gleichzeitigem Technik-Hass nichts zu erkennen. Zusätzlich und besonders ärgerlich ist das abgewandelte Ende, das sich im Ton und in der Zukunftsvision so grundlegend vom weitaus düstereren Ausgang der Romanvorlage unterscheidet, dass selbst der letzte Funken Hoffnung in den erwartungsvollen Lesern/Zuschauern in den letzten Minuten zunichte gemacht wird.

The Circle
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The Circle
"The Circle" traut sich an ein paar faszinierende Ideen, lässt sie dann aber eiskalt fallen und hat bis auf ein paar Plattitüden nichts zu sagen. Verschwendetes Potential.
4von 10

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