„Duelyant“, Russland, 2016
Regie: Alexey Mizgirev; Drehbuch: Alexey Mizgirev; Musik: Igor Vdovin
Darsteller: Pyotr Fyodorov, Vladimir Mashkov, Yuliya Khlynina

Der Duellist DVD

„Der Duellist“ ist seit 23. November 2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich

Es gebietet die Ehre, dass ein beleidigter Edelmann sich mit seinem Widersacher in einem tödlichen Duell misst – nur wenn Blut fließt, kann die Schmach beseitigt werden. Wer dafür jedoch lieber das Blut anderer nimmt, der engagiert im Russland des 19. Jahrhunderts spezielle Berufsduellisten wie den unter einem falschen Namen lebenden Yakovlev (Pyotr Fyodorov). Es ist ein trübes und sehr gefährliches Leben, das er da führt. Bis zu jenem Tag, als er der Fürstin Martha (Julia Khlynina) begegnet und sich in sie verliebt. Zu seinem Unglück stellt er jedoch fest, dass sie an den Grafen Beklemishev (Vladimir Mashkov) versprochen ist. Ausgerechnet jener Mann, der ihn einst fälschlich eines Verbrechens beschuldigte und aus der Stadt verbannte. Für Yakovlev ist das eine willkommene Gelegenheit, nicht nur seine große Liebe zu, sondern auch seine eigene Ehre zu verteidigen.

Mantel- und Degenfilme sind heute ja ziemlich außer Mode gekommen. Nicht dass das Publikum Actionfilmen abgeneigt wäre. Doch die sollen nach Möglichkeit doch lieber im hier und jetzt spielen, alternativ in einer fernen Zukunft. Hauptsache es kracht ordentlich. Und auch die Vorstellung, dass jemand aufgrund einer Beleidigung das Blut eines anderen fordert, ist uns fremd geworden. Zumindest in der westlichen Hemisphäre. Ein bisschen überrascht durfte man dann auch schon sein, als letztes Jahr Der Duellist nicht nur auf Deutsch erschien, sondern auch in die Kinos kam. Ein Film über sich duellierende russische Edelmänner aus dem 19. Jahrhundert? Wer schaut sich das noch an? Der Erfolg hielt sich dann auch eher in Grenzen. Während der Streifen daheim die Spitze der Kinocharts erreichte, konnten sich hierzulande im Startmonat nur etwa 6.000 Menschen dazu aufraffen, den Film auf der Leinwand anzuschauen.

Aus der Vergangenheit (nichts) lernen
Dabei ist der Beitrag vom Filmfest München 2017 deutlich reizvoller, als man es im Vorfeld vielleicht annehmen würde. Sicher, vieles hier ist altmodisch, von der Einrichtung über diverse moralische Vorstellungen bis hin zum Plot rund um falsche Identitäten und tragische Romanzen. Wer von Regisseur und Drehbuchautor Alexey Mizgirev eine ähnliche aktuelle Relevanz wie die von seinem Landsmann Andrey Zvyagintsev (Leviathan, Loveless) erhofft, der kann hier nur enttäuscht werden. Das einzige, was man anhand von Der Duellist lernen kann, ist die Nostalgie und Faszination für ein altes Russland.

Andererseits ist es nicht so, als würden Rachethriller made in Hollywood in der Hinsicht ergiebiger sein. Ob ehemalige Soldaten mit aktuellen Pistolen ihre Erzfeinde jagen oder eben mit alten Waffen, richtig viel ändert das nicht. Überhaupt hat man bei Der Duellist des Öfteren den Eindruck einen tatsächlich modernen Blockbuster vor sich zu haben. Denn visuell fährt Mizgirev doch eine ganze Menge auf. Ob es die prunkvolle Einrichtung ist, die fein gekleideten Adligen oder die Welt da draußen, die in Schmutz und Schlamm ertrinkt – da ist einiges zu sehen, im Rahmen der Möglichkeiten protzt der Film geradezu mit seinen Kulissen.

Düster geht die Ehre zugrunde
Die sind wie Der Duellist insgesamt recht düster geworden. An Gewalt mangelt es nicht, wie man es angesichts des Themas auch erwarten durfte. Dazu gibt es Intrigen und Ränkespiele, alles was das blutdürstige Herz verlangt. Richtig anspruchsvoll ist das nicht, aufgrund der etwas ambitionierten Erzählstruktur inklusive diverser Flashbacks muss man aber schon etwas mehr aufpassen als gemeinhin von Rachethrillern gewohnt. Das liegt auch an der Sprache, die immer ein wenig schwülstig ausfällt und einfache Sachverhalte gerne mal in größere Worte verpackt als notwendig. Aufgrund der gebotenen Schauwerte und der finsteren Atmosphäre lässt man sich dies aber durchaus gefallen.

Der Duellist – Im Auftrag des Zaren
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Der Duellist – Im Auftrag des Zaren
Ein ehemaliger Edelmann will sich an einem Grafen rächen und damit gleichzeitig seiner großen Liebe helfen – nein, das klingt nicht gerade nach modernem Kino. „Der Duellist“ kombiniert aber das in mehrfacher Hinsicht altmodische Setting mit durchaus zeitgemäßer Optik zu einem düsteren Abenteuer, das vielleicht nicht allzu tiefgründig ist, aber atmosphärisch überzeugt.
6von 10

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