(OT: „Mark Felt: The Man Who Brought Down The White House“, Regie: Peter Landesman, USA, 2017)

The Secret Man

„The Secret Man“ läuft ab 2. November 2017 im Kino

Loyal, aufrecht, gewissenhaft: Mark Felt (Liam Neeson) ist der ideale Mann für das FBI. Doch auch seine festen Überzeugungen geraten ins Wanken, als er davon erfährt, dass in die Parteizentrale der Demokraten eingebrochen wurde. Die Ansage von oben lautet, dass die Geschichte zu den Akten gelegt werden soll. Felt entschließt sich jedoch, im Geheimen weiter zu ermitteln und schreckt auch nicht davor zurück, den Medien vertrauliche Informationen zukommen zu lassen. Während die Situation bei der Arbeit immer brenzliger wird, hat er zu Hause mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Seine Tochter ist spurlos verschwunden und die Ehe zu Audrey (Diane Lane) droht langsam zu zerbrechen.

Kriegt er ihn oder kriegt er ihn nicht? Kaum ein Thema beschäftigt die Nachrichten derzeit so sehr wie die Untersuchungen des Sonderermittlers Müller, der potenzielle Verbindungen von Donald Trumps Wahlkampfteam zu Russland untersucht. Unter anderem. Bis wir da entsprechende Ergebnisse zu sehen bekommen und die Geschichte unweigerlich auch von Hollywood aufgenommen wird, wird es sicher noch eine Weile dauern. Da kommt The Secret Man gerade recht, der auf dem zuvor größten Politskandal der USA basiert, der Watergate-Affäre. Schließlich brachte die einst sogar Präsident Nixon zu Fall. Und so manch einer würde sich wünschen, dass die Geschichte sich hier dann doch mal wiederholt.

Wer war der Mann hinter den Insiderinfos?
The Secret Man ist aber auch losgelöst von der aktuellen politischen Situation einen Blick wert. Während Watergate als solches ein derart einschneidendes Ereignis in der US-Historie darstellt, dass man selbst als nicht-politischer Mensch damit in Berührung gekommen sein dürfte – und sei es nur durch die diversen Verfilmungen –, ist die Geschichte von Mark Felt sehr viel weniger bekannt. Kein Wunder, bekannte sich der ehemalige Vize-Chef des FBI doch erst 2005 dazu, der sogenannte „Deep Throat“ zu sein. Jener Informant also, der maßgeblich dazu beitrug, dass die illegalen Aktivitäten überhaupt bekannt wurden.

Regisseur und Drehbuchautor Peter Landesman (Erschütternde Wahrheit) versucht hier dann auch den Spagat zwischen den geheimen beruflichen Aktivitäten und dem Privatmann Mark Felt. So ganz will dieser aber nicht gelingen. Vielleicht auch darauf vertrauend, dass das Publikum ohnehin schon die Hintergründe zum Watergate-Skandal kennt, beschränkt sich der amerikanische Filmemacher eher auf das Nötigste. Gerade bei den vielen Figuren, die im Laufe von The Secret Man so auftauchen, lässt er sich und den Zuschauern nicht wirklich viel Zeit, um sie kennenzulernen und einzuordnen. Wer hier eigentlich wer ist und welche Funktion erfüllt, das geht schnell in dem undurchsichtigen Dickicht der politischen Mauscheleien unter. Worum es insgesamt geht, das ist natürlich klar, Details werden dafür ignoriert.

Spürbarer innerer Konflikt
Und auch bei der persönlichen Ebene überzeugt das Ergebnis nicht zu hundert Prozent. Immer wieder wird die Geschichte um die verschwundene Tochter Felts eingebaut, wohl um aus der Gesetzesmaschine einen tatsächlichen Menschen zu brauchen. Dafür bleibt der Aspekt dann aber doch zu beiläufig, findet nie so richtig mit den Ermittlungen einen gemeinsamen Nenner. Gelungener ist die Darstellung der Zwickmühle des Agenten. Soll er weiter eine Sache verfolgen, an der schon andere gescheitert ist? Soll er sich wirklich den Anweisungen des Weißen Hauses widersetzen und alles aufs Spiel setzen? Der Konflikt zwischen zwei konkurrierenden Grundüberzeugungen des Amerikaners, Loyalität und Rechtempfinden, ist dann auch das spannendste Element in dem Film, auch weil Liam Neeson nach seiner längeren Actionphase (96 Hours, The Grey – Unter Wölfen) wieder sein Herz für die Charakterrollen entdeckt und den besonderen Zwiespalt der Situation schön herausarbeitet.

The Secret Man
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The Secret Man
Politisch hoch aktuell wendet sich „The Secret Man“ dem unvergesslichen Watergate-Skandal zu. Anders als bei den meisten anderen Filmen versucht man sich hier jedoch an einer Mischung aus Politthriller und persönlichem Drama. Das geht nicht ganz so auf wie erhofft, zeigt aber zumindest schön den Zwiespalt einer Person, die für die einen ein Held und für die anderen ein Vaterlandsverräter ist.
6von 10

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