(OT: „Koxa“, Regie: Ekrem Engizek, Deutschland, 2017)

Koxa

„Koxa“ läuft ab 9. November 2017 im Kino

Endlich einmal richtig durchstarten als Gangster, das kann ja wohl nicht so schwer sein! Und es sieht ja auch so aus, als hätte Cenk (Tito Uysal) dieses Mal Glück. Aber denkste. Das von einem echten Boss übertragene Kokaingeschäft stellt sich bald als eine Nummer zu groß für ihn heraus. Seine Freunde sind dabei ebenfalls keine wirkliche Hilfe, ihr Interesse gilt mehr den Drogen selbst. Oder Frauen. Manchmal auch Männern, wenn sie ihnen in die Quere kommen. Eine Lösung muss her, dass ist dem verzweifelten Cenk klar. Aber das ist einfacher gesagt denn getan.

Im Moment ist Deutschland ja mal wieder im Prollfieber. Richtig überraschend ist der große Erfolg von Fack Ju Göhte 3 natürlich nicht, dazu war der schon zu sehr einkalkuliert. Ein bisschen wundern darf man ich aber schon, weshalb Millionen von Menschen so viel Gefallen daran finden. Sollte es die betont unflätige Sprache sein, dürfen sie sich jetzt auf die Erwachsenenvariante freuen: In Koxa gibt es so ziemlich keinen Satz, der nicht aus irgendeiner Beschimpfung besteht. Und selbst eine vergleichbare Analpenetration ist hier dabei und fällt sogar lustiger aus als die der Pennäler-Version. Dumm nur, dass sie das eigentlich gar nicht sein wollte.

Die Ambition des Nichts
Der Ernst des Lebens ist es, den Ekrem Engizek da interessiert. Oder das, was in dem Kleinganoven-Milieu als Leben verstanden wird. Viel vorzuweisen hat dort natürlich niemand, nicht einmal die Ambition, mehr daraus zu machen. Zu einem Großteil besteht Koxa aus Szenen, in denen irgendjemand Drogen konsumiert. Der Film verzichtet jedoch darauf, diesen Momenten etwas Rauschhaftes verleihen zu wollen. Hier gibt es keine surrealen Hirngespinste, wenn mal wieder verbotene Substanzen eingeworfen wurden. Stattdessen wird ein nüchterner, geradezu dokumentarischer Zugang gewählt.

Der Verdacht liegt zumindest nahe bei dieser Low-Budget-Produktion, dass es hier um Authentizität gehen sollte. Festgehalten von einer Handkamera folgen wir einer Gruppe von Leuten, die selbst niemanden zum Folgen haben. Das ist quasi per Definition losgelöst von einem roten Faden. Eine Entwicklung oder gar ein echtes Ziel sucht man hier vergebens. Stattdessen: Einzelmomente, Koxa ist ein impressionistischer Episodenfilm, dem es mehr um eine allgemeine Stimmung geht denn um einen konkreten Inhalt.

Laienhaft bedeutet nicht automatisch authentisch
Das geht teilweise gut, oft auch nicht. Die Laiendarsteller passen natürlich zu einem Film, der weg von Glamour hin zur Straße will. American Honey war letztes Jahr auch deshalb ein Ausnahmewerk, weil man hier wirklich den Dreck schmecken konnte, das Gefühl hatte, mit einer Drückerkolonne dem hässlichen amerikanischen Traum hinterherzujagen. Vergleichbares will in Koxa aber einfach nicht gelingen. Nicht nur, dass die Schauspieler an mehreren Stellen schlichtweg überfordert sind und die zu gewollt dreckigen Dialoge unnatürlich wirken, das Drehbuch erlaubt es den Figuren nicht, mehr zu sein als austauschbare Drogenkonsumenten.

Selbst die dramatischen Momente entwickeln so nie eine tatsächliche Wirkung. Die Figuren bleiben zu distanziert, zu fremd, als dass es einen interessieren könnte, was mit ihnen passiert. Wenn dann noch nicht einmal tatsächlich etwas passiert, dann wird aus der ursprünglich begrüßenswerten Idee, ein raues Drogen-Milieu-Drama zu drehen, eine ziemlich eintönige Angelegenheit. Die vielen düsteren, teilweise expliziten Bilder täuschen nicht darüber hinweg, dass Koxa insgesamt einfach nicht wirklich etwas zu sagen hat.

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„Koxa“ nimmt uns mit in die Welt mehrerer Kleinganoven, die gerne Drogen konsumieren und ansonsten nichts auf die Reihe bekommen. Der Anspruch auf Authentizität wird aber nur teilweise erfüllt: Die Schauspieler sind überfordert, die Dialoge haben außer Beschimpfungen nichts mitzuteilen, es fehlt eine Idee, um aus dem Drama mehr zu machen als ein eintöniges Hinterhof-Do-it-yourself-Video.
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