(OT: „Fack Ju Göhte 3“, Regie: Bora Dagtekin, Deutschland, 2017)

Fack Ju Goehte 3

„Fack Ju Göhte 3“ läuft ab 26. Oktober 2017 im Kino

Die Goethe-Gesamtschule steckt in einem ziemlichen Schlamassel. Mal wieder. Das Gebäude müsste dringend saniert werden, die Schülerzahlen sind zu niedrig, das Geld ist knapp – es reicht ja nicht einmal mehr für gescheites Klopapier. Aber es kommt noch schlimmer: Wenn Schulleiterin Gudrun Gerster (Katja Riemann) nicht schnell Erfolge vorweisen kann, dann muss die Schule geschlossen werden. Und ausgerechnet die Problemklasse von Zeki Müller (Elyas M’Barek) soll der Schlüssel zum Erfolg sein. Dabei wissen Chantal (Jella Haase), Danger (Max von der Groeben), Zeynep (Gizem Emre) und Burak (Aram Arami) so gar nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Aber das kennt Zeki ja schon. Es ist nicht das erste Mal, dass sein Schicksal von dem hoffnungslosen Sauhaufen abhängt.

Als vor rund vier Jahren Fack ju Göhte in den deutschen Kinos startete, da durfte man seinen Augen kaum glauben. Nicht nur, dass da jemand politisch völlig unkorrekt das Schulwesen auseinandernahm, dumme Schüler und zynische Lehrer beim Namen nannte, mit mehr als sieben Millionen Besuchern wurde die Komödie darüber hinaus zu einem absoluten Phänomen. Aber wie das nun mal so ist mit Phänomenen, sie lassen sich nur schwer wiederholen. Bei dem zwei Jahre später gestarteten Fack ju Göhte 2 versuchte man es dann auch gar nicht, verlegte die Handlung ins ferne Thailand und löste sich fast komplett vom Schulthema. Das war an den Kinokassen ebenso erfolgreich wie der Erstling, aber deutlich weniger unterhaltsam, verkannte, was den ersten Teil ausgezeichnet hatte.

Zurück zu den Anfängen
Nun also Fack Ju Göhte 3. Hier geht es zurück zu den Anfängen, man orientierte sich für den Abschluss wieder beim Einstieg. Das klingt erst einmal erfreulich, ist im Ergebnis aber eine ziemliche Enttäuschung. Wo sich der zweite Teil zu sehr von dem Original löste, setzt man hier nun zu sehr auf das Altbekannte. Elisabeth Schnabelstedt ist zwar völlig vom Erdboden verschwunden, ansonsten hat sich in den vier Jahren aber nichts getan. Das darf man als wohlig vertraut empfinden. Oder aber als ziemlich langweilig. Wenn Zeki erneut seine Klasse antreiben muss, um mit deren guten Abschneiden seinen Arsch zu retten, dann ist das schon sehr einfallslos. Gleiches gilt für die Witze: Nur weil Humor derb ist, ist er nicht automatisch komisch.

Natürlich war auch Fack Ju Göhte damals nicht unbedingt von Feingeist geprägt gewesen. Aber zum einen profitierte die Komödie 2013 noch von dem Überraschungsmoment. Mancher Witz damals war so unerwartet und böse, dass man sich fragte: Dürfen die das? Von diesem Sinn für Anarchie ist bei dem lauen Aufguss aber nichts mehr geblieben. Da werden lieber altbackene Scherze bis zum Erbrechen wiederholt. Und wenn gar nichts mehr darf, darf sich M’Barek eben wieder ausziehen. Dass die Entwicklung seiner Figur vier Jahre später wieder rückgängig gemacht wird und so getan wird, als hätte das alles nie wirklich stattgefunden, das ist für einen komödiantischen Geschichtenerzähler wie Bora Dagtekin schon ziemlich schwach, da hat er anderweitig schon sehr viel mehr Klasse bewiesen. Und warum der ärgerliche Trend des zweiten Teils, sich ausgerechnet auf die stereotypen, entwicklungsresistenten Schüler zu stürzen, fortgesetzt wird, das wird wohl immer ein Rätsel bleiben.

Zu viel gewollt, zu wenig geglückt
Dabei gibt es durchaus den einen oder anderen Höhepunkt. Wenn es Zeki während seiner Rettungsversuche auch an eine Grundschule verschlägt, dann weckt das wehmütige Erinnerungen an eine Zeit, als Fack Ju Göhte noch provozierte, anstatt sich an Körpergerüchen festzukrallen. Katja Riemann als verschlagene Schulleiterin macht auch Spaß. Vor allem aber ist Sandra Hüller (Toni Erdmann) ein echter Gewinn für den Film. Ihre Rolle als Kollegin wird zwar nie so richtig in die Geschichte integriert, darf aber zwischendurch eine Abgebrühtheit zeigen, die den Rebellenlehrer ganz alt aussehen lässt. Das allein reicht aber nicht, so wie das versammelte Talent insgesamt zu wenig genutzt wird. Und so positiv es auch ist, wenn der Film nicht nur unterhalten will, sondern erneut seine soziale und pädagogische Ader entdeckt: Wenn das Ergebnis ebenso plump-einfallslos ist wie der Humor, dann ist damit nur wenig geholfen. Diese Form von Brachialkitsch hätte es nun wirklich nicht gebraucht. Vielleicht ist es dann doch ganz gut, wenn hier die Schulzeit hier ein Ende findet, denn für eine Reihe, die mal so energiegeladen-lustig angefangen hat, ist das hier schon ziemlich müde und ausgebrannt.

Fack Ju Göhte 3
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Fack Ju Göhte 3
„Fack Ju Göhte 3“ kehr zu den Ursprüngen zurück und orientiert sich wieder stärker an dem gelungenen Erstling. Nur wird die komische Klasse von damals nicht annähernd erreicht, die Witze sind altbacken, jede Form von Entwicklung wird unterdrückt, es fehlt das Überraschungsmoment von damals. Nur selten zeigt der dritte Teil, warum die Schulkomödie damals so sehenswert war. Statt energiegeladener Anarchie gibt es müden Humor und Brachialkitsch, der dem versammelten Talent nicht gerecht wird.
4von 10

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