(OT: „Gimme Danger“, Regie: Jim Jarmusch, USA, 2016)

Gimme Danger DVD

„Gimme Danger“ ist seit 7. April 2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich

The Stooges, die „beste Rockband dieses Planeten“, sind am Ende. Gimme Danger beginnt mit ein paar fertigen Typen, Aufnahmen von schmutzigen Kids, die sich an ihren Instrumenten festhalten, davor ein blutverkrusteter Hänfling, der sich auf dem Boden wälzt. Dazu Tonaufnahmen von zersplitterndem Glas und Iggy Pop, der zwischen zwei Songs das Publikum das nächste Mal besser zu zielen. 1973 nach einem kometenhaften Aufstieg ist die Energie und Anarchie, die die Band ausmacht, kaum mehr zu bändigen. 1974 löste sich die Band nach einer Chaostour mit fliegenden Flaschen, zerstörten Clubs und maximalen Drogenexzessen auf. Die Gründungsmitglieder Iggy Pop, Ron und Scott Ashton zogen zurück in den Trailer ihrer Eltern, nach Ann Arbor, Michigan.

Jim Jarmusch macht keine Hehl daraus, ein Fanboy von The Stooges zu sein. Ihre brutale Version des Psychedelic Rock öffnete Türen für die ersten Punks, inspirierte The Ramones, The Damned, die Sex Pistols, The Cramps und letztendlich Jarmusch selbst in seiner DIY-Collagen-Ästhetik. Filmschnipsel, Comics, Videoaufnahmen von Liveauftritten und Fotografien illustrieren nach dem kurzen Ausflug ins Jahr des Band-Endes chronologisch und fast schon pingelig genau die Geschichte der Kids aus dem Mittleren Westen, deren Hauptantrieb eine Band zu gründen war, Mädels aufzureißen.

Ein bisschen viel Schönfärbung
Den Anekdoten des überpräsenten, charismatischen James Osterberg alias Iggy Pop kann man sich ebenso wenig entziehen wie dem Gefühl, dass eine Geschichte im Nachhinein immer positiver, leichter und sinnvoller erscheint als sie eigentlich war. Einige launige Geschichten von Drummer Scott Asheton, Saxophonist Steve MacKay, Gitarrenmastermind James Williamson vor allem aus der Anfangszeit sorgen für Lacher, doch im Nachhinein bleibt der Gedanke: „Das war schon sehr viel Zufall dabei“. Die Stooges machten scheinbar einfach ihr Ding, waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort, kannten die entsprechenden Leute und waren einfach schon immer großartig. Von The Velvet Underground-Sänger/Musiker Jon Cale produziert, mit David Bowie Lines gezogen, mit Laurie Anderson, Performancekünstlerin und Lou Reeds Ex-Frau, gevögelt.

Ron, Scott, Dave und Jim sind und bleiben ein Mythos, eine Truppe, die für ihre selbstzerstörerischen, skandalösen und exzessiven Auftritte bekannter ist als für ihre Musik. Jarmuschs ungefiltert positiver Blick auf die Akteure speist sich vermutlich auch aus seinem Ansatz, die Geschichte der Stooges nur von ihnen selbst oder sehr engen „Mitarbeitern“ erzählen zu lassen. Angenehm, dass die „Expertenmeinungen“ von verkaufsfördernden Promis erspart bleiben, wie sie oft in Musikdokus üblich sind. Nach der Hälfte der 103 Minuten, die erstaunlich wenig Songs der Stooges enthalten, verkommen die Erzählungen – vor allem Iggy Pop redet erwartungsgemäß lang und viel – zu redundantem Name-Droping. Gimme Danger sei Hardcore-Fans von Iggy and the Stooges empfohlen, für alle anderen ist es kein unbedingtes Muss, aber ein interessanter Fetzen Popkultur.



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Gimme Danger
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Gimme Danger
"Gimme Danger" erzählt geradezu pingeling vom raschen Aufstieg und anschließenden Absturz der Punk-Ikonen The Stooges. Das ist für Harcore-Fans interessant, auch wenn es erstaunlich wenig Musik gibt und hier viel verklärt wird.
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