(OT: „The Chop“, Regie: Lewis Rose, 2015)

The Chop

„The Chop“ läuft im Rahmen des 23. Jüdischen Filmfests Berlin & Brandenburg (2. bis 11. Juli 2017)

Yossi (Amir Boutrous) ist ein absolutes As am Messer, das kann man gar nicht anders sagen. Wenn er herumwirbelt, in Sekundenschnelle das Fleisch schneidet und die Stückchen punktgenau durch den Laden wirft, da wird einem schon mal ein bisschen schwindlig. Geradezu schlecht wird seinem Boss, der Inhaber einer jüdischen Metzgerei, sogar dabei. Das hat aber weniger mit der Fingerfertigkeit seines Angestellten zu tun als mit dessen Großzügigkeit: Was muss der denn ständig irgendwelche Fischbällchen verteilen! Gratis! Als es ihm irgendwann reicht und er Yossi vor die Tür setzt, nimmt der es gelassen. Es gibt genügend andere Metzgereien, die ihn mit Kusshand nehmen. Denkste. Erst als er sich als Muslim ausgibt, findet er eine Anstellung – ausgerechnet bei einer Halal-Metzgerei. Aber wird dieses Täuschungsmanöver auf Dauer gutgehen?

Dass diese Frage am Ende verneint ist, das dürfte niemanden überraschen. Protagonisten, die sich mit Lügen einen Vorteil erschleichen, müssen früher oder später ertappt werden. So lautet das Gesetz des Films. Und das gilt dann auch, wenn der Film wie hier nur 16 Minuten lang ist. Die Frage nach dem „wie“ interessiert Regisseur und Co-Autor Lewis Rose jedoch ebenso wenig. Sowohl die Überführung des Schwindlers wie auch die anschließende Auflösung sind recht unspektakulär gehalten. Und kurz.

Ein bisschen Spaß muss sein
Es ist das davor, was bei The Chop im Mittelpunkt steht. Die kleinen Verrenkungen und Notlügen, derer sich Yossi bedient, um nicht aufzufliegen. Das ist teilweise ganz amüsant, wenn auch nicht annähernd so satirisch, wie man vielleicht meinen könnte. Stattdessen will der Kurzfilm auf eine nette, harmlose Weise darauf hinweisen, dass religiöse Differenzen eigentlich gar nicht so groß sein müssen. Hauptsache, es gibt Fleisch auf dem Teller.

Sonderlich in die Tiefe geht das Plädoyer für mehr Toleranz damit nicht, ist bei der kurzen Laufzeit auch nicht vorgesehen. Der Humor hätte etwas vielfältiger ausfallen dürfen, da wiederholt sich schon einiges. Mehrfach. Aber richtig böse will man dem Kurzfilm dann doch nicht sein, dafür ist er dann doch zu sympathisch. Zu sehen ist The Chop übrigens mehrfach beim 23. Jüdischen Filmfest Berlin & Brandenburg  – passenderweise in Kombination mit dem thematisch ähnlichen, etwas gehaltvolleren Praise the Lard.



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The Chop
„The Chop“ nutzt das Arbeitsdilemma eines jüdischen Metzgers, um ein kleines Plädoyer unters Publikum zu bringen. Das hat nicht sonderlich viel Tiefe, ist vom Humor her auch etwas einseitig, insgesamt aber doch nett und sympathisch.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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