(OT: „Janbal“, Regie: Mina Bozorgmehr, Hadi Kamali, Iran, 2016)

„Janbal“ läuft im Rahmen des 4. Iranischen Filmfestivals München (12. bis 16. Juli 2017)

„Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen“, sagt man zu Menschen, die ein besonders versteinertes, erschrockenes oder auch nur blasses Gesicht machen. Doch nicht jede Begegnung mit einem übernatürlichen Wesen muss eine furchtbare Erfahrung sein. Man kann in diesem auch den Partner fürs Leben finden. So zumindest wird in Janbal erzählt, der das 4. Iranische Filmfestival München beschließt.

Ähnlich zu dem ebenfalls dort laufenden Archipelago wendet sich das Werk der reichen Dschinnmythologie zu, welche vor allem im südlichen Iran gepflegt wird. Doch auch wenn beide Filme grundsätzlich aus dem Dokumentarbereich kommen und Rituale ihren Mittelpunkt bilden, unterschiedlicher könnten sie kaum sein. Anstatt einfachen Menschen zu folgen, die überliefertem Glauben nachgehen, sind die Regisseure Mina Bozorgmehr und Hadi Kamali an einer sehr viel modernen Inspiration interessiert. Und einer kunstvolleren.

Musa heißt der Künstler, der abgetragene Hosenbeine von Frauen einsammelt und in Kunstwerke umwandelt. Der Gedanke dahinter: Früher einmal soll es üblich gewesen sein, Kleidungsstücke von Verstorbenen einer Seegöttin zu übergeben, um so die Seelen der Toten zu reinigen. Mit Horror hat Janbal dennoch wenig am Hut, der morbiden Geschichte zum Trotz. Gespenstisch ist das Geschehen aber durchaus. Verfremdete Musik tönt da im Hintergrund, immer wieder flüstert eine Stimme.

Mysteriös, faszinierend, anders
Das reicht jedoch nicht, um das Werk tatsächlich furchteinflößend zu machen. Vielmehr dürften die Reaktionen des Publikums zwischen Faszination und Langeweile schwanken, je nachdem, wie offen man für diese etwas andere Seherfahrung ist, die sich in mysteriösen, kaum fassbaren Szenerien gefällt. Mit einem narrativen Film hat Janbal wenig zu tun, rein dokumentarisch ist er aber auch nicht. Stattdessen würde man wohl am ehesten Experimentalfilm dazu sagen. Oder auch Kunstperformance.

Wenn Männer sich in den Farben ihres Naturumfelds tarnen, Stoffe sich am Strand zu Gestalten erheben oder wir Nahaufnahmen von Augen sehen, dann hat das nur wenig mit dem zu tun, was wir sonst so auf Leinwänden geboten bekommen. Ein Film, der heute, morgen und gestern ist, hier und woanders, von dem am Ende ebenso wenig zurückbleibt wie die Wellen der Seegöttin, welche unbeirrt seit dem Anfang der Zeit an den Felsen zerbrechen. Ständig geschieht etwas während der 110 Minuten. Und doch auch nichts. Am Ende ist man keinen Deut schlauer, aber doch um eine eigene Erfahrung reicher.

Janbal
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Janbal
Janbal nähert sich mit experimentellen Mitteln der Geschichte eines Mannes, der mit einem Geist verheiratet ist. Das hat nicht allzu viele narrative Elemente, fasziniert aber durchaus mit eigentümlichen Bildern und verfremdeter Musik – vorausgesetzt, man hat etwas für derlei Kunstperformances übrig.
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