(OT: „Asura“, Regie: Keiichi Sato, Japan, 2012)

Asura 2012Es ist wirklich keine gute Zeit, in die der Junge da geboren wurde. Mitte des 15. Jahrhunderts leidet Japan aufgrund von Überschwemmungen und Dürren unter einer unglaublichen Hungersnot. Mehr als 80.000 Menschen sind während dieser Zeit gestorben, die eigene Mutter des Jungen war kurz vor, den Nachwuchs zu essen. Nun ist der 8-Jährige allein unterwegs, mit einer unglaublichen Wut und ebenso viel Hunger im Bauch, tötet und isst, was er vorfindet, ob Tier ob Mensch. Ein vorbeikommender Mönch entdeckt jedoch das Kind in der wilden Bestie, gibt ihm den Namen Asura und bringt ihm buddhistische Gesänge bei. Und auch das Mädchen Wakasa versucht, dem fremden Jungen zu helfen. Aber die Zeiten bleiben hart, das Essen knapp. Und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis Asura wieder auf den Geschmack von Menschenfleisch kommt.

Toei Animation ist nicht nur eines der ältesten Animationsstudio Japans, es ist auch eines der bekanntesten – erfolgreichen Endlosserien wie Dragon Ball, Sailor Moon und One Piece sei Dank. Dann und wann wagt es sich aber doch aus der Komfortzone visuell wenig anspruchsvoller Massenware hinaus und präsentiert dem Publikum ein Werk, das so gar nicht nach Toei aussieht, kurios, seltsam, anders. Die noitaminA-Serie Mononoke, Hakaba Kitarō und Welcome to Irabu’s Office waren solche Fälle. Der Kinofilm Asura ließe sich auch problemlos dazu zählen.

Atmosphärischer-düsterer Mix aus 2D und 3D
Schon die Bilder wirken aus einer anderen Welt. Regisseur Keiichi Sato (Black Butler, Rage of Bahamut: Genesis) setzt hier auf eine Mischung aus handgezeichneten Hintergründen und computergenerierten Figuren. Das gibt es in Japan des Öfteren mal: Das Studio Gonzo war für diese oft wenig harmonierenden Elemente in den 2000ern berüchtigt, aber auch heute noch ist das mit der Verbindung von alt und neu so eine Sache. Hier funktioniert das Zusammenspiel jedoch besser, da ähnlich beispielsweise zu Ronja Räubertochter auch bei den CGI-Objekten eine Zeichentrickoptik imitiert wird.

Von kleineren Missgriffen einmal abgesehen ist Asura visuell auch sehr einnehmend. Die Hintergründe sind teilweise verschwenderisch angelegt. Der Griff in die Computerkiste erlaubt zudem rasante Kamerafahrten und diverse Lichtspielereien, welche der Atmosphäre sehr zugutekommen. Musikalisch ist der Anime weniger geglückt. Während die Bilder düster sind, viele karge Landschaften zeigen, gibt es beim Soundtrack so gar keine Zurückhaltung. Da wird mächtig aufgefahren, damit auch ja der letzte noch versteht, wie furchtbar dramatisch die Geschichte doch ist.

Ein Blick in den Abgrund
Das wäre sie aber auch so. Dramatisch und sehr verstörend. Die Adaption eines Mangas von George Akiyama schreckt wirklich vor nichts zurück. Als wären Hungersnöte nicht schon als Thema finster genug, werden ständig Menschen zerstückelt oder gleich ganz getötet – was mit vielen grausigen Bildern einhergeht. Und dann wäre da noch der Aspekt des Kannibalismus, der in Animes nun wirklich eine absolute Ausnahmeerscheinung darstellt.

Ein Wunder ist es daher nicht, dass Asura nie seinen Weg hierherfand und sich auch international mit diversen Festivalauftritten begnügen musste – beispielsweise beim Annecy Animationsfestival, wo der Film im Rennen um den großen Preis war. Erhalten hat er ihn jedoch nicht, was sich sowohl thematisch wie auch qualitativ begründen ließe. Zusätzlich zu der Musik ist nämlich auch der Umgang mit Religion ein bisschen plump. Vor allem wenn der Mönch vorbeischaut, sich in kompletter Selbstopferung übt und predigt, jeder könne das Tier in sich überwinden, werden keine Gefangenen genommen, es wird draufgehauen, was das Zeug hält. Aber auch wenn die Gewaltexzesse mit der Zeit zum Selbstzweck werden und der anfängliche Schock leichter Langeweile weicht, es ist schon ein unvergesslicher Anblick, den uns die Japaner da zumuten. Und die unangenehme Frage, wie viel Mensch in uns wirklich steckt, wenn die Situation uns ein menschliches Leben verweigert.

Asura
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Asura
Geschont wird in „Asura“ niemand, weder die Protagonisten, noch die Zuschauer. Hungersnot, Gewalt, Kannibalismus, die Themen sind ebenso düster wie die atmosphärische Optik mit 2D- und 3D-Elementen. Teilweise wird da aber schon dick aufgetragen, sowohl bei der überdramatischen Musik wie auch den religiösen Abschnitten.
6von 10

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