(„Radin!“ directed by Fred Cavayé, 2016)

Nichts zu verschenken

„Nichts zu verschenken“ läuft ab 6. April 2017 im Kino

Von Geburt an wurde François Gautier (Dany Boon) eingetrichtert, dass er doch bitte sparsam sein möge, damit er nicht so ende wie seine Eltern. Und das hat er sich gemerkt. Gut gemerkt. So sind seine Einnahmen als Violinist beachtlich, seine Ausgaben dafür äußerst gering. Tatsächlich bekommt er regelmäßig Angstzustände, wenn er doch einmal seine Geldbörse zücken muss. Und dazu hat er jetzt einen Anlass: Laura (Noémie Schmidt). Als das 16-jährige Mädchen vor ihm steht und behauptet, seine uneheliche Tochter zu sein, vermutet er das Schlimmste: Da hat es jemand auf sein Geld abgesehen! Und das auch noch zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, schließlich gibt es da mit der schönen Cellistin Valérie (Laurence Arné) ohnehin schon jemanden, der seine teure Aufmerksamkeit fordert.

In Deutschland gibt man sich ja gern das Image des gerissenen Sparfuchses, während der Franzose als geldvernichtender und unverantwortlicher Lebemann gilt. Vielleicht gibt es gerade deshalb bei unseren Nachbarn eine lange Tradition, sich über Geizkrägen lustig zu machen – von Molières Theaterklassiker „Der Geizige“ über dessen Adaption Louis, der Geizkragen bis eben zu Nichts zu verschenken. In der Heimat war die Posse um einen notorischen Knauserer ein echter Publikumserfolg, lockte fast drei Millionen Zuschauer in die Kinos. Hierzulande wird man sich mit ähnlichen Zahlen eher schwer tun. Und das nicht nur, weil man lange der Ansicht war, dass Geiz geil war. Sondern auch weil der Film eigentlich gar nicht so komisch ist.

Viele Gagversuche, aber nur einige Treffer
Dabei gab man sich hier sichtlich Mühe beim Unterhaltungsprogramm. Keine Idee war dem Drehbuchtrio um Fred Cavayé, der auch Regie führte, zu abgefahren, zu billig, zu derb. Einige davon sind auch tatsächlich lustig, etwa ein Auftritt des Musikers, in dem Zeit für ihn Geld ist. Ein Restaurantbesuch, der zum Alptraum für den Billigheimer wird und eine nette Anspielung an einen bekannten Horrorfilm enthält. Und dann wäre da noch Gautiers Banker, der als Geldverwalter sein einziger Vertrauter ist. Ein Seelenverwandter. Psychotherapeut. Und billiger Familienersatz, zum Leidwesen von dessen Frau.

Die anderen Figuren sind dafür weniger erinnerungswürdig geworden. Gerade bei den Damen im Spiel mangelt es deutlich an Charakter. Laurence Arné (Willkommen in der Bretagne) ist lediglich dafür da, den geizigen Geigenspieler anzuschmachten – auch wenn man nie so recht versteht, warum sie das überhaupt tun sollte. Noémie Schmidt (Frühstück bei Monsieur Henri) wiederum darf als ungewünschte Tochter immerhin für einen Umdenkungsprozess verantwortlich sein. Denn das dürfte niemanden überraschen: Beim Status Quo darf hier nichts bleiben, zum Schluss wird Gautier mit ein bisschen Hilfe von außen eine Wandlung zum Guten durchgemacht haben. Aus dem Ekel wird ein Gutmensch. Aus dem distanzierten Verhältnis zu Laura wird echte Zuneigung – wie bei Logan – The Wolverine kürzlich, nur weniger lustig.

Wenig originell und holprig erzählt
Sonderlich inspiriert ist das natürlich nicht. Von einigen geschmacklich fragwürdigen Entgleisungen hat Nichts zu verschenken relativ wenig zu erzählen, was man nicht schon im Vorfeld wusste. Schlimmer noch als die Vorhersehbarkeit ist jedoch, dass es bei der Umsetzung Defizite gibt. Gerade das Verhältnis von Vater und Tochter kippt zu schnell, als dass man es so annehmen würde. Und auch bei Gautier selbst gibt es keine Entwicklung im eigentlichen Sinn. Nur einen plötzlichen Sinneswandel. Für einen Kassenschlager ist das ein bisschen wenig, es reicht gerade mal so für Durchschnitt. Wen das nicht stört und darüber hinaus eine Vorliebe für die Mischung aus überzogenem Humor und nachdenklicher Sentimentalität mitbringt, kann es hiermit mal versuchen. Der eine oder andere wird im Nachhinein sich aber sicher wünschen, kein Geld für eine Kinokarte ausgegeben zu haben.

Nichts zu verschenken
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Nichts zu verschenken
Man nehme einen pathologischen Geizkragen und eine plötzliche Tochter, die ihn auf den rechten Weg bringt. Das ist trotz des zuweilen übertriebenen Humors nicht wirklich geistreich oder tatsächlich lustig. Da die Entwicklung zudem überhastet ist, bleibt am Ende trotz einiger nett-absurder Einfälle nicht mehr als Durchschnitt übrig.
5von 10

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