(„Yosuga no Sora“ directed by Takeo Takahashi, 2010)

„Yosuga no Sora“ ist auf vier Volumes verteilt auf DVD und Blu-ray erhältlich

Beide Elternteile bei einem Autounfall zu verlieren, das ist schon echt hart. Vor allem, wenn dies einem in jungen Jahren passiert. So auch bei den Kasugano-Zwillingen, die zu Vollwaisen geworden nicht so recht wissen, wie es mit ihnen weitergehen soll. Wenigstens ihre Großeltern sind ihnen noch geblieben. Dass die auf dem Land leben, macht den Neuanfang für die Stadtkinder Haruka und Sora nicht unbedingt einfacher. Immerhin haben sie so aber einen Platz, wo sie bleiben können. Während Haruka sehr schnell Anschluss findet, ihm von Anfang an eine Reihe hübscher Mädels zu Füßen liegt, tut sich die verschlossene Sora deutlich schwerer – zumal auch sie ein Auge auf ihren Bruder geworfen hat.

In Japan sind Visual Novels ein fester Bestandteil der Spielekultur, im Westen haben die sich jedoch nie so richtig durchsetzen können. Was zum einen damit zusammenhängt, dass der interaktive Teil sich meist in Grenzen hält, man ähnlich zu den in den 80ern beliebten Spielbüchern sich lediglich für einen von mehreren Wegen entscheidet. Sprich: Gamer sind hier unterfordert, das Spielen ist nur ein kleiner Aspekt. Zuweilen sind es aber auch die mitunter gewöhnungsbedürftigen Themen, die hierzulande nicht unbedingt für ein größeres Publikum geeignet sind. Etwa bei den diversen für „Erwachsene“ gedachten Vertretern, in denen es darum geht, hübsche junge Mädels zu daten. Auch Yosuga no Sora folgte in der 2008 veröffentlichen Vorlage diesem Bäumchen-wechsel-dich-Prinzip: Je nach Entscheidung des Gamers landete man mit einer anderen Schönheit am Ende im Bett.

Das Prinzip der sich verzweigenden Handlungen funktioniert bei einem linearen Medium wie einer Fernsehserie natürlich nicht, die können nur nach und nach erzählt werden. Bei der deutschen Veröffentlichung des Animes ging man daher einen etwas ungewöhnlichen Weg: Anstatt die 12 Folgen wie bei Photo Kano in der Originalreihenfolge zu belassen, verteilte man sie auf den vier Volumes so, dass jede für sich allein steht. Die jeweils erste Episode ist in allen vieren gleich, erst danach kommt es zu Unterschieden. Auf diese Weise könnten sich Neueinsteiger auch einfacher für ihr Lieblingsgirl entscheiden und die anderen Pfade völlig missachten. Eine schöne Idee. Und auch bei der Gestaltung der Veröffentlichung gab man sich viel Mühe, für ein neues Anime-Label ist das ein beachtlicher Einstand.

Weniger schön ist jedoch, dass Yosuga no Sora ansonsten nur wenig empfehlenswert ist. Eigentlich ist die Suche nach der passenden Partnerin sogar schrecklich langweilig, versucht sich an großen Gefühlen und großer Erotik, scheitert letztendlich aber an beidem. Die erste Volume ist da noch die stimmigste, wenngleich man auch hier abgetragene, längst entsorgte Klamotten als neu verkaufen möchte. Ein völlig missverstandenes, lüsternes Gespräch darf da nicht fehlen, dazu „versehentlich“ nassgespritzte Oberweiten und feuchte Tagträume. Anders als die auch hierzulande immer populärer werdenden Ecchi-Serien tut man hier jedoch noch so, als wäre das Herumgeturne mit romantischen Gefühlen verbunden.

Für tatsächliche Charakter- und Beziehungsentwicklung reicht es allein schon aus zeitlichen Gründen nicht, es stehen meist ja nur drei Folgen pro Mädchen zur Verfügung. Also muss in dem kurzen Rahmen mächtig rangeklotzt werden. Dass hier jeder irgendwelche tragischen Vorgeschichten hat, versteht sich von selbst. Außerdem braucht es mal wieder nur wenig Zeit, damit die Jugendlichen von der großen Liebe faseln. Dafür fehlen sich eigentlich anbietende Themen wie Culture Clash oder der Umgang mit Depressionen. Auch das familiäre Umfeld der Geschwister kennt man nur vom Hörensagen – wohl weil man der Zielgruppe keine hässlichen alten Menschen zumuten wollte, die sie in die Realität zurückholen könnten. All das führt dazu, das Yosuga no Sora nie mehr wird als belangloser Herzschmerz-Softporno, der sich als mehr verkaufen will, als er ist.

Bemerkenswert ist allenfalls der offene Umgang mit Inzest. Wo Kollegen wie The Irregular at Magic High School mit Geschwisterliebe nur flirten, darf es hier richtig zur Sache gehen. Unter dem Deckmantel des Tabubruches und des mutigen Kampfes gegen Konventionen verkommt die Serie bei der letzten Volume zu einer Verbildlichung von Kleine-Schwester-Sexfantasien, peinlich, stumpf und verstörend zugleich. Ansonsten ist Yosuga no Sora auffällig unauffällig: Von den obligatorisch groß geratenen Brüsten und dem herrlich deplatzierten Dienstmädchenoutfit abgesehen begnügt man sich bei dem Animationsstudio Feel (Bikini Warriors) optisch mit dem Standard, macht nie mehr als als Nötigste. Unterlegt wird das Ganze mit einer recht schwülstigen, dick aufgetragenen Musik, die zu dem wenig attraktiven Gesamtbild passt.

Yosuga no Sora
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Yosuga no Sora
Bei „Yosuga no Sora“ gibt es die große Liebe im Viererpack. Basierend auf einer Visual Novel besteht die Animeserie aus zuweilen explizit dargestellten Wechselromanzen, die gefühlvoll sein wollen, dafür aber zu wenig zu erzählen haben. Bemerkenswert ist allenfalls der als provokativ gedachte Umgang mit Inzest, ansonsten ist die Spieleadaption in erster Linie sehr langweilig.
3von 10

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