Boruto Naruto the Movie

Boruto: Naruto the Movie

(„Boruto: Naruto the Movie“ directed by Hiroyuki Yamashita, 2015)

„Boruto: Naruto the Movie“ erscheint am 20. Februar 2017 auf DVD und Blu-ray

Die Mühe hat sich ausgezahlt, nach jahrelangem Kämpfen ist Naruto endlich der siebte Hokage von Konohagakure geworden! Doch diese Ehre geht mit vielen Pflichten einher. Zeitaufwendigen Pflichten. Zeit, die ihm dann für seine Familie fehlt. Vor allem sein Sohn Boruto leidet darunter, wie wenig Anteilnahme sein Vater an seinem Leben zeigt. Um sich den Respekt seines angesehenen Papas zu sichern, beschließt er, die baldigen Ninja-Prüfungen zu gewinnen – um jeden Preis. Da kommen ihm die kleinen technischen Hilfsmittel ganz recht, die ihm der ehrgeizige Wissenschaftler Katasuke heimlich zusteckt. Tatsächlich hat Boruto dank dieser Schummeleien Erfolg, ahnt dabei jedoch nicht, dass die wichtigste Prüfung noch bevorsteht: Momoshiki Ōtsutsuki, der im Schatten einen finsteren Plan verfolgt.

Aller Abschied ist schwer. Vor allem dann, wenn es um das Ende einer echten Cash Cow geht. 15 Jahre lang hat Masashi Kishimoto an seinem Erfolgs-Manga „Naruto“ gearbeitet, mit dem 72. Band war im November 2014 Schluss. Zum Teil zumindest. Während nach wie vor neue Folgen von Naruto Shippuden fürs Fernsehen produziert werden, gibt es seit letztem Jahr auch in gedruckter Form Nachschub: Kishimotos ehemaliger Assistent Ukyō Kodachi darf in „Boruto: Naruto Next Generations“ die Geschichte von Narutos Sohn Boruto erzählen. Und eben der steht auch bei Boruto: Naruto the Movie im Mittelpunkt, dem nunmehr elften Film aus der Reihe.

Ganz ähnlich zum Vorgänger The Last: Naruto the Movie stehen hier aber weniger die Ninja-Abenteuer im Vordergrund, sondern die Figuren. Erzählte man beim letzten Mal, wie Naruto und Hinata endlich ein Paar wurden, ist Boruto: Naruto the Movie in erster Linie ein Familiendrama. Mögen die Kämpfer sich auch in Tausende Doppelgänger aufspalten und tödliche Energiekugeln durch die Luft schießen, der zugrundeliegende Vater-Sohn-Konflikt ist so universell, dass er auch losgelöst von dem Szenario funktioniert. Er ist vielleicht sogar der beste Teil an dem Film, da er einem beide Parteien nachvollziehbar näherbringt: Naruto auf der einen Seite, der noch nie die größte zwischenmenschliche Kompetenz mitbrachte und vor lauter Arbeit nicht bemerkt, was um ihn herum passiert. Und auf der anderen Seite sein Sprössling, ihm ähnlich und gleichzeitig wieder nicht. Ein typisch aufmüpfiger Junge, der ohne große Arbeit Ergebnisse sehen will und sich nach Anerkennung sehnt. Zum Ende hin geht die Annäherung zwar ein bisschen schnell, insgesamt ist das komplizierte Verhältnis aber schön erzählt.

Es ist daher fast schon schade, dass man hier erneut nicht den Mut hatte, der Hauptgeschichte vollends zu vertrauen, weswegen dann die üblichen Kämpfe nicht fehlen dürfen. Die sind sogar vergleichsweise zahlreich: Mit einem solchen beginnt der Film, die Prüfungen im Mittelteil enthalten welche, zum Schluss gibt es den obligatorischen epischen Endkampf. Das ist jedoch nur teilweise geglückt. Die Prüfungen selbst sind recht unterhaltsam geworden. Tatsächlich hätte man sich gewünscht, dass Kishimoto und Kodachi, die zusammen das Drehbuch schrieben, diesen ein bisschen mehr Raum zugestanden hätten, anstatt sie nur pflichtbewusst abzuhaken.

Das gleiche Problem hat das Finale, das irgendwie nicht so viel hermacht, wie es wohl gewollt hatte. Das liegt nicht zuletzt auch am Gegenspieler, der – mal wieder – ein bisschen in die Geschichte gezwängt wurde, ohne vernünftig aufgebaut worden zu sein. Er ist eines Tages einfach da, ist super mächtig, dann aber wieder nicht mächtig genug, um nicht in Windeseile doch wieder besiegt zu werden. Für einen Film, der so stark davon reden möchte, eigene Schwächen mit viel Kraft zu überwinden, zieht sich Boruto: Naruto the Movie da etwas billig aus der Affäre. Und zu guter Letzt ist auch die Optik von Studio Pierrot (Tokyo Ghoul, Onigamiden) eher sparsam angelegt. Die Animationen zum Ende hin sind flüssig genug, für einen Action-Kinofilm hätte es insgesamt aber doch noch mehr sein dürfen. Fans, die mit der Serie aufgewachsen sind, werden mit dem Wiedersehen zufrieden sein. Neue dürfte das Animationswerk trotz seiner universellen Geschichte aber eher nicht gewinnen.



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„Boruto: Naruto the Movie“ ist ein durchaus ordentlicher Auftritt des Ninja-Nachwuchses. Über weite Strecken gefällt der Film als nachvollziehbares und schön erzähltes Familiendrama. Der Actionteil ist weniger geglückt, zum einen der durchwachsenen Optik wegen, zum anderen weil der Gegenspieler mal wieder sehr lieblos eingebaut wurde.
6
von 10