(„Star Wars Holiday Special“ directed by Steve Binder, 1978)

Der Tag des Lebens steht unmittelbar bevor, der wichtigste Feiertag der Wookies. Und so versteht es sich von selbst, dass Chewbacca diesen trotz der intergalaktischen Kriege bei seiner Familie verbringen will. Doch ganz so einfach ist das nicht, denn auf dem Weg zu seinem Heimatplaneten Kashyyyk treffen er und Han Solo (Harrison Ford) auf imperiale Truppen. Zeitgleich sind seine Frau Malla, sein Sohn Lumpy und sein Vater Itchy mehr als besorgt. Wo könnte Chewbacca nur bleiben? Auch Luke Skywalker (Mark Hamill), Leia Organa (Carrie Fisher) und Saundan (Art Carney), ein Freund der Wookie-Familie, wissen nicht weiter. Doch so richtig brenzlig wird es erst, als das Imperium während einer Kontrolle das Haus von Chewbacca inspiziert. Wird es herausfinden, dass es das Zuhause des großen Rebellenkriegers ist?

Nur anderthalb Jahre lagen zwischen Eine neue Hoffnung, dem Auftakt von Star Wars, und dem Holiday Special, dem ersten großen Spin-off der Sternensaga. Und doch lagen zwischen beiden Welten, sowohl was die Qualität wie auch den Einfluss betraf. Wo der eine Film eine Reihe lostrat, die weltweit Rekorde brechen sollte und selbst bald 40 Jahre später noch ein Milliardengeschäft darstellt, verschwand der zweite bald in der Versenkung. Woran die Beteiligten nicht ganz unschuldig waren, denen die galaktische Entgleisung so peinlich war, dass niemand mehr daran erinnert werden wollte. Und würden wir nicht im Zeitalter des Internets leben, wäre das vielleicht sogar geglückt.

So aber darf jeder, YouTube und Konsorten sei Dank, sich selbst ein Bild davon machen, was auf seine Weise selbst zu einer Legende wurde. Denn The Star Wars Holiday Special brachte zusammen, was nicht zusammengehörte, auch niemals hätte zusammenkommen dürfen. Einzelne Elemente stammten dabei noch von George Lucas selbst, eine 40-seitige Abhandlung über Wookies lieferte den Grundstock des Films, der durch diverse Gastauftritte der Originaldarsteller und Aufnahmen aus Eine neue Hoffnung angereichert wurde. Wirklich bizarr wird es aber, indem diese Star Wars-Bestandteile mit typischen Variety-Nummern kombiniert wurden, wie sie in den 70ern im amerikanischen Fernsehen gang und gäbe waren: bekannte Unterhaltungskünstler, einige Gesangssnummern, dazu noch diverse Sketche.

Das muss nicht zwangsweise in die Hose gehen, wie die Star Wars-Episode der legendären Muppet Show bewies. Nur waren die Puppen schlau genug, diesen Blödsinn nicht ernst zu meinen, sondern wie es sich für die Sendung geziemte durch den Kakao zu ziehen. Das taten die Macher des Holiday Specials auch, ohne sich aber eigentlich im Klaren darüber zu sein. Unfreiwillig komisch wird es hier dann auch immer mal wieder, etwa bei dem grotesken Friedensaufruf von Prinzessin Leia zum Ende hin oder einem für eine Familiensendung komplett unpassend sexuell aufgeladenen Lied von Diahann Carrol. Und wenn Bea Arthur, hierzulande vor allem als eines der Golden Girls bekannt, mit ihrer tiefen, melancholischen Stimme einen Rausschmeißersong in der berühmten Mos Eisly Catina auf Tatooine gibt, sie dabei diversen sonderbaren Kreaturen begegnet, dann ist das einer der Momente, den man so schnell nicht wieder vergessen wird.

Bei anderen Sequenzen ist das – mit ein wenig Glück – nicht der Fall. Das größte Problem des Specials ist nämlich nicht, dass es die heilige Sternenkuh entweiht, sondern dass es unsagbar langweilig ist. Wenn Harvey Korman als vierarmige Fernsehköchin ein Gericht zubereitet, welches Malla nachzumachen versucht, dann versteht man erst, wie quälend relativ Minuten sein können. Überhaupt: Es ist bemerkenswert, wie oft so eine Wookie-Familie vor der Glotze hockt. Das steigerte sicher den Wiedererkennungswert des amerikanischen Publikums – das Special wurde fast ausschließlich in den USA gezeigt –, führt die süßliche Nachricht von Gemeinsamkeit innerhalb der Familie aber ad absurdum. Immerhin dürfen wir der Fernsehsucht vom Sohnemann eine rund zehnminütige Zeichentricksequenz zugutehalten. Denn die führt nicht nur die Figur von Boba Fett ein, sondern hat optisch derart erschreckende Versionen von Luke, Leia und Han hervorgebracht, dass man anschließend keine Nachtruhe mehr findet. Dass die Animationen erbärmlich sind, passt ins Bild eines Specials, bei dem irgendwie gar nichts passen will, das weder genug Star Wars noch genug Trash bietet, um hier eine Form von Spaß haben zu können. Das einzige positive am Star Wars Holiday Special ist, dass man anschließend die Prequels und diverse billige Lizenzprodukte plötzlich zu schätzen weiß.

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Star Wars Holiday Special
Das „Star Wars Holiday Special“ erlangte nicht ohne Grund Berühmtheit: Hier werden Elemente der Sternensaga mit denen aus 70er Jahre Variety Shows kombiniert, ohne dass irgendwas zusammenpassen würde. Manches ist unfreiwillig komisch, wenn nicht gar auf eine bizarre Weise faszinierend. Zum Großteil ist der Pseudoweihnachtsfilm aber entsetzlich langweilig.
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