(„Angie Tribeca – Season one“, 2016)

Wenn es eine Sache gibt, die Detective Angie Tribeca (Rashida Jones) bei der Arbeit mehr hasst als alles andere, dann ist es mit jemandem zusammenarbeiten zu müssen. Zu tief sitzen die Wunden einer früheren tragischen kollegialen Begegnung, als dass sie sich das noch einmal antun würde. Entsprechend wenig begeistert ist sie dann auch, als ihr Jay Geils (Hayes MacArthur) als Partner zugewiesen wird. Doch ihre anfängliche Abneigung weicht später Freundschaft und sogar ein bisschen mehr, während die beiden vom Mord an einem Bauchredner über Serienselbstmorde unter Bäckern bis hin zu einem geheimen Frettchenschmuggel knifflige Fälle zu lösen haben.

Schon wieder eine neue Polizeiserie? Kaum ein Beruf wird wohl häufiger im Fernsehen verbraten als der der Gesetzeshüter oder ihnen nahestehende Institutionen. Während viele davon sich aber in betonter Ernsthaftigkeit versuchen, oft gar nicht realisieren, wie komisch ihre over-the-top-Ermittlungen sind, strebt Angie Tribeca das andere Ende des Spektrums an: Hier wird alles durch den Kakao gezogen, was nicht rechtzeitig aus der Schusslinie ist. Gerade die amerikanische Exekutive würde sich angesichts medial bestens belegter Entgleisungen für eine bissige Satire anbieten. Doch davon halten sich Steve Carell und seine Frau Nancy, die kreativen Masterminds hinter der TV-Produktion, ganz weit entfernt. So wie auch allem anderen, das auch nur irgendwie mit Realität zu tun hat.

Der Reiz der ersten Staffel besteht dann auch in erste Linie in der Erwartung, welchen Blödsinn sich die Drehbuchautoren als nächstes einfallen lassen. Das darf durchaus mal ein bisschen deftiger werden – ein Running Gag besteht in einem Polizisten, der sich in jeder Folge übergibt. An manchen Stellen wird es ausgesprochen absurd. Besonders ausgeschlachtet werden auch Wortspiele bzw. Ausdrücke, welche in Angie Tribeca wörtlich genommen werden. Wenn beispielsweise eine Sprengfalle, im Englischen „Booby Trap“, zu einer „Boobie Trap“ wird, also einer Falle, die in einer weiblichen Brust versteckt wird, dann hätte das auch von Mel Brooks stammen können. Tatsächlich ist die Serie an vielen Stellen recht altmodisch, erinnert einen an eine Zeit, als derlei sinnentleerte und unbekümmerte Parodien noch einen festen Platz in der Komödienlandschaft hatten.

Wirklich hinterhertrauen muss man der Vergangenheit aber nicht, wie einem Angie Tribeca vor Augen führt. Denn auch wenn hier aus allen Kanonen geschossen wird, keine Sekunde ohne Gag vergehen darf, wirklich komisch ist das nicht. Hin und wieder darf man schmunzeln, zumindest wer sich die Serie im Original anschaut und so die Szenen zu den Sprichwörtern und Ausdrücken zurückverfolgen kann. Aber auch ohne die ständigen Sprachspielereien bleiben immerhin die skurrilen Figuren auf der Habenseite, wie etwa Hund Jagger, ohne den Daniel Tanner (Deon Cole) aufgeschmissen wäre, die unterkühlte Gerichtsmedizinerin Dr. Monica Scholls (Andrée Vermeulen), der über allem wachende Boss Lieutenant Pritikin Atkins (Jere Burns) sowie der Wissenschaftler Dr. Edelweiss (Alfred Molina), der jede Folge ein neues Gebrechen hat. Und als wären das nicht genug Figuren, tauchen in der ersten Staffel allerlei Gaststars auf, darunter James Franco, Bill Murray und Lisa Kudrow.

Einen mangelnden Willen zum Lacher oder mangelnde Prominenz kann man der Serie also kaum vorwerfen, auch bei der Anzahl von verrückten Ideen wird keiner ernsthaft meckern wollen. Eigentlich stimmen die Zutaten dann auch. Und doch will der Funke einfach nicht überspringen, die Lust am Blödsinn ist nicht ansteckend genug. Man weiß hier zwar die ganze Zeit, dass man lachen sollte und auch den Grund dafür. Das Wissen alleine bringt einen aber auch nicht ans Ziel, der Spaß ist bei diesen Albernheiten immer schon vorbei, noch bevor er irgendwie angefangen hat – was auch daran liegt, dass so mancher plumper Gag sehr in die Länge gezogen wird.

Angie Tribeca – Die komplette erste Staffel
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Angie Tribeca – Die komplette erste Staffel
„Angie Tribeca“ macht sich über die Einsätze zweier Polizisten lustig, ohne aber das satirische Potenzial anzapfen zu wollen. Stattdessen gibt es Albernheiten im Sekundentakt, vor allem indem sprachliche Ausdrücke wörtlich genommen werden. Das ist als Idee nett, teilweise sehr verrückt und voller Gaststars. Richtig komisch ist die Serie trotz der hohen Gagdichte aber nur manchmal.
5von 10

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