(„Aloys“ directed by Tobias Nölle, 2016)

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„Aloys“ läuft ab 24. November im Kino

Als Privatdetektiv ist es Aloys (Georg Friedrich) gewohnt, im Schatten anderer Menschen zu leben, an deren Leben teilzunehmen, ohne je ein Teil davon zu werden. Er will das aber auch gar nicht, vermeidet alles und jeden, der ihm zu nahe kommen könnte. Bis er sich eines Nachts betrinkt. Plötzlich ist alles weg, seine Kamera, seine Aufzeichnung, von jemandem geklaut. Die Person ruft auch bald bei ihm an, stellt sich als Vera (Tilde Von Overbeck) vor und zwingt ihn dazu, bei einem Experiment mitzumachen: das Telefonwandern. Lehnt er ab, droht sie seine Videos weiterzugeben. Was bleibt ihm also anderes übrig? Doch das Experiment hat andere Folgen als erwartet, für ihn, für seine Wahrnehmung. Und auch für sein Herz.

Wann immer es in Filmen oder Serien besonders mysteriös werden soll, geht es ab in die Wälder, denn in dem unübersichtlichen Dickicht kann so ziemlich alles auf einen lauern – siehe The Blair Witch Project, siehe Into the Forest, siehe Jordskott – Die Rache des Waldes. Und auch der Schweizer Regisseur und Drehbuchautor Tobias Nölle (Heimatland) schickt seine Hauptfigur ganz gern mal in den Wald. Gleichzeitig aber auch nicht, denn eigentlich sitzt er daheim und telefoniert. Oder er telefoniert im Wald, wenn es gerade passt. Oder auch nicht passt.

Nein, Orte sind in Aloys alles andere als fix. Eigentlich ist gar nichts in dem Drama fix, nicht einmal das Drama an sich. Ist es ein Psychothriller? Ist es eine Romanze? Ein Geisterfilm? All diese Vorschläge darf man bejahen, muss es aber nicht, zu sehr verschwimmen vor dem geistigen wie realen Auge die Grenzen. Aber real, was bedeutet das schon? Real ist das, was du draus machst, wie Vera bestätigt.

„Unsere Stimmen kreieren ein Bild und unsere Worte setzen es in Bewegung.“

Wir sind Schöpfer der Realität, gleichzeitig deren Objekte. Das gilt natürlich gerade auch beim Geschichtenerzählen. Und Geschichten gibt es mehr als genug in Aloys. Geschichten von Nachbarn, die vergeblich klingeln. Von Seehunden, die im Zoo gegen Glasscheiben prallen, weil sie nicht wissen, es sich einfach nicht merken können, dass sie nicht mehr im Atlantik sind. Und von Selbstmordversuchen.

Nein, fröhlich ist die Schweizer Produktion sicher nicht, eher von einer allgegenwärtigen Melancholie geprägt. Einsamkeit. Aloys ist einsam und will es doch nicht anders, einer, der dazu verdammt ist, sich selbst verdammt hat, außen zu stehen und in das Leben der anderen zu schauen. Daraus lässt sich natürlich viel herausnehmen, gerade in einer Zeit, in der wir uns vor den Augen der Öffentlichkeit prostituieren und dabei unser Inneres vergessen haben. Einiges wird auch recht offen angesprochen hier. Aber wirklich klar wird die Absicht dadurch nicht. Dafür gefällt sich Aloys auch viel zu sehr darin, mit Wahrnehmungsverschiebungen und Atmosphäre zu spielen, unterstützt von stylischen Bildern und einem dazu passenden Soundtrack.

Nach einer Weile hat man sich dann aber doch ein wenig sattgesehen an dem Bäumchen-wechsle-dich-Spiel, so wunderbar surreal dieses auch zuweilen ist. Denn es fehlt an einer zwingenden Geschichte, die den Grenzwanderungen auch eine Richtung gibt. Am ehesten funktioniert noch die Hauptfigur, deren Unnahbarkeit sich in einer Sehnsucht für Vera verliert, als Wegweiser. Nur dass ausgerechnet diese vorgeschlagene Richtung keine übermäßig interessante ist, die sich entwickelnde Romanze nichts sagt oder zeigt, was für die Zeit entschädigt. Dennoch: Allein schon für die seltsame Stimmung und den einen oder anderen Denkanstoß darf man Nölle dankbar sein, sowie darauf gespannt, was nach diesem Auftakt wohl die nächste Station sein wird.

Aloys
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Aloys
„Aloys“ ist ein atmosphärisch starkes, surreal-melancholisches Drama mit Psychothrillerelementen, das immer wieder Grenzen überschreitet oder gleich ganz auflöst. Das ist phasenweise interessant, gerade auch wegen diverser Denkanstöße, zum Ende hin aber doch ein wenig zu ziellos.
6von 10

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