Re Hamatora
© cafe Nowhere/Hamatora Project.

(„Re: Hamatora“ directed by Seiji Kishi, 2014)

Re Hamatora Vol 1
„Re:_Hamatora“ ist auf vier Volumes verteilt auf DVD und Blu-ray erhältlich

Drei Monate sind vergangen, seitdem die mit Superkräften ausgestatteten Minimum Holder den Aufstand gewagt haben. In der Detektei Hamatora ist wieder Ruhe eingekehrt. Zu viel Ruhe sogar, denn erneut haben Murasaki und Co. unter einer akuten Auftragsflaute zu leiden. Erst als Hikaru auftaucht, ein ebenfalls übernatürlich begabter Sänger und Frauenheld, scheint sich das Blatt zu wenden. Während die Detektive ihrer Arbeit nachgehen, braut sich im Hintergrund aber erneut Übles an: Nicht nur, dass Kommissar Art zurück ist und eine rätselhafte Agenda zu verfolgen scheint, eine neue Minimum-Holder-Gruppierung namens Freemum ist bereit, notfalls mit Gewalt für ihre Gleichberechtigung zu kämpfen.

Dass man sich an Papier böse schneiden kann, dürfte viele eifrige Leseratten irgendwann einmal feststellen. Noch viel tödlicher wird Papier aber, wenn man es zu einem Flieger zusammenfaltet und so als Waffe benutzt. Grotesk? Oh ja, und wie! Aber in Re:_Hamatora ist man sich ja auch für keine Spezialfähigkeit zu blöd: Ob in den Wahnsinn treibende Kunst oder die Anfertigung von Todesmasken, im Anime ist so ziemlich alles erlaubt, was anderen das Leben versaut. Zwar ist nicht jedes Talent so wunderbar bescheuert wie die Beispiele oben, aber allein der Neugierde wegen bleibt man so die ganzen zwölf Folgen sitzen, man will schließlich wissen, welchen Unsinn man sich hier sonst noch so hat einfallen lassen.

Allgemein ist es schön, dass die Macher der Serie nach dem etwas sehr ernsthaften Finale von Hamatora in der zweiten Staffel ihren Sinn für Humor wiedergefunden haben. Der zeigt sich nicht nur in diversen Comedyeinlagen, besonders in der doch recht albernen Krankenhausfolge, sondern auch in der Musik, die gerade in den Actionszenen so gar nicht zum Geschehen passen will. Das soll nicht bedeuten, dass das Drama ein Ende gefunden hat: Noch immer herrscht in bester X-Men-Manier ein Kampf zwischen den wenigen Menschen mit Superkräften und der großen Masse, die dem Phänomen mindestens skeptisch gegenübersteht. In diversen Flashbacks werden zudem Hintergrundgeschichten offenbart, die wie so oft in Anime grundsätzlich tragischer Natur sind. Insgesamt ist der zweite Anlauf des von Seiji Kishi (Devil Survivor 2, Angel Beats) inszenierten Animes aber der etwas stimmigere, die einzelnen Elemente sind besser miteinander verknüpft, die meisten losen Fäden des Vorgängers werden zu einem tatsächlich befriedigenden Ende gebracht.

Schade dabei ist nur, dass der Krimiaspekt erneut so stiefmütterlich behandelt wird. Während Hamatora anfangs noch parallel zur Haupthandlung ein paar Fälle mit auf den Weg gab, wird das Vorhaben in Re:_Hamatora sehr schnell abgewürgt. Spurensuche ist kein wirkliches Thema mehr, stattdessen wird mehr Wert auf Action und die gleichzeitig düstere wie auch schillernde Atmosphäre gelegt. Beides sieht dank ungewöhnlicher Farbgebungen meist auch recht schick aus – obwohl hier anders als zuvor das noch junge Animationsstudio Lerche (Assassination Classroom) das Sagen hat. Witzig sind zudem die sehr stylischen Übergänge zwischen den Szenen, die Graffitimalereien nachempfunden sind.

Trotzdem wäre es schön gewesen, wenn die zumindest dem Konzept nach im Mittelpunkt stehende Detektei auch tatsächlich eine hätte sein dürfen, man sein eigenes Szenario nicht gleich wieder vergessen hätte. Aber auch wenn der Anime, von den Spezialfähigkeiten einmal abgesehen, letztendlich nur wenig Außergewöhnliches bietet, so ist das Ergebnis doch recht unterhaltsam, kommt ohne nennenswerte Längen aus und hält sich trotz der tragischen Hintergründe auch mit dem Melodram zurück.



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Die zweite Staffel bietet die bewährte Mischung aus Comedy, düster-schillernder Atmosphäre, Minderheitendrama und abgefahrenen Superkräften. Das ist dieses Mal sogar etwas stimmiger, auch wenn der Krimianteil erneut eher schwach ist und einem vieles hier doch recht bekannt vorkommt.
6
von 10