(„Dark Touch“ directed by Marina De Van, 2013)

Dark Touch

„Dark Touch“ ist seit 18. August auf DVD und Blu-ray erhältlich

Wer ist nur für die grausigen Morde an der kleinen Familie verantwortlich? Das Haus war es, beteuert die elfjährige Neve (Missy Keating), die einzige Überlebende jener grauenvollen Nacht. Doch glauben mag niemand dem stark traumatisierten Mädchen. Das Ehepaar Nat (Marcella Plunkett) und Lucas Gallin (Padraic Delaney) erklärt sich bereit, die Vollwaise erst einmal aufzunehmen und bei sich und den eigenen beiden Kindern leben zu lassen, bis alles wieder in Ordnung kommt. Danach sieht es aber erst einmal nicht aus, den Neve lässt niemanden an sich heran, ist verschlossen, scheint sich zudem ständig vor etwas zu fürchten. Und dann beginnen auch bei den Gallins seltsame Dinge zu geschehen.

Manchmal ist es ja schon recht schade, wenn Beiträge vom Fantasy Filmfest nach dem Festivalende den Nichtbesuchern vorenthalten bleiben, weder in die deutschen Kinos kommen, noch hierzulande auf DVD erscheinen. Das bizarre Animationsmusical Suicide Shop beispielsweise, die Vorstadthölle von Suburban Gothic oder auch die blutige Trauerbewältigungstragikomödie Nina Forever aus dem letzten Jahr. Dass man Dark Touch, welches 2013 auf dem berühmt-berüchtigten Genrefestival seine Premiere feierte, wieder ausgraben musste, das ist jedoch deutlich mysteriöser, als dessen Geschichte zu sein versucht.

Gute Ansätze gibt es sicherlich bei dem neuesten Film der französischen Regisseurin und Drehbuchautorin Marina De Van. Der blutige Einstieg zum Beispiel, der minutiös und mit einem leichten Hang zum Sadismus das Ableben von Neves Eltern zeigt, der dürfte dem Horrorpublikum größtenteils gemundet haben. Und auch später werden immer mal wieder Einrichtungsgegenstände gezeigt, die verrückt spielen, mit nicht ganz so fatalen Folgen, aber doch zumindest der Drohung, dass hier bald jemand stirbt.

Das allein macht einen Film aber noch nicht spannend, schließlich gehören Haushaltsgegenstände, die sich selbständig und nicht ganz im Sinne des Erfinders verhalten, zum festen Inventar des Horrorgenres. Da braucht es also schon ein bisschen mehr. Genauso würde man sich wünschen, dass die Protagonistin – übrigens gespielt von der Tochter des ehemaligen Boyzone-Sängers Ronan Keating – ein bisschen mehr zu tun bekommt, als ständig nur die Augen weit aufzureißen und zu schreien. Denn das beansprucht die Nerven auf eine ganz andere Art und Weise, als es ein solcher Film eigentlich tun sollte.

Zugutehalten muss man De Van, dass sie zumindest größere inhaltliche Ambitionen hegte, als sie sich die Geschichte von Dark Touch zusammendachte. Leider ist jedoch dieser Part, anders als die zumindest soliden Schockerszenen, nicht so wirklich gelungen. Immer wieder baut sie Momente ein, in denen derart vehement mit dem Zaunpfahl gewinkt wird, dass man als Zuschauer erschlagen zu Boden geht. Der große Twist, mit dem der Film abgerundet werden sollte, verpufft deshalb wirkungslos. Vielmehr fragt man sich, weshalb das eigentlich alles so lange dauert, bis die Geschichte endlich das erzählt, was ohnehin vorher längst klar ist. Aber auch, warum das an einigen Stellen nur derart umständlich konstruiert über die Bühne geht.

Interessanter sind da schon die Passagen, in denen ein bisschen mit der Wahrnehmung gespielt wird, wenn man sich als Zuschauer gar nicht so sicher sein kann, ob Neves Wahrnehmungen mit der Realität übereinstimmen – vor allem bei einem recht verstörenden Aufeinandertreffen mit ihren Mitschülerinnen. Da hätte es gern noch ein bisschen mehr geben dürfen, um die Monotonie zu durchbrechen und aus Dark Touch einen Film zu machen, der zwar seinerzeit ins Filmfestival gepasst hat, den man außerhalb des Rahmens aber nicht wirklich mehr braucht.

Dark Touch
3.83 (76.67%) 6 Artikel bewerten

Dark Touch
Der Beginn hinterlässt Eindruck, die Idee hinter „Dark Touch“ hat zumindest Ambitionen. Gebracht hat beides aber nicht viel, der Horrorfilm ist auf Dauer zu monoton, zudem in seinen Anspielungen viel zu plump und teilweise selbst für Genreverhältnisse unglaublich konstruiert.
4von 10

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