(„Robin Hood: Men in Tights“ directed by Mel Brooks, 1993)

Robin Hood Helden in StrumpfhosenUm ein Haar wäre es um Robin von Loxley (Cary Elwes) geschehen: Während er in den Kreuzzügen für seinen König kämpft, wird er gefangengenommen, ins Verlies geworfen und wartet nun auf sein grausames Schicksal. Im letzten Moment entkommt er aber seinen Peinigern und kehrt in seine Heimat England zurück. Doch irgendwie sieht das inzwischen alles anders aus, als er es in Erinnerung hatte. Nicht nur, dass sein Familienbesitz verbrannt wurde, in Abwesenheit des Königs hat sich Prinz John (Richard Lewis) zum Alleinherrscher aufgeschwungen und beutet zusammen mit dem skrupellosen Sheriff von Nuttingham (Roger Rees) das Volk gnadenlos aus. Dem kann Robin natürlich nicht tatenlos zusehen. Und so macht er sich mit Hatschi (David Chappelle), Blinzler (Mark Blankfield), Little John (Eric Allan Kramer) und Will (Matthew Porretta) auf den Weg, den Despoten zu stürzen.

Der Schock muss bei Mel Brooks groß gewesen sein, als er 1991 mit Das Leben stinkt dermaßen baden ging. Nicht nur, dass seine ungewohnt warmherzige Tragikomödie an den Kinokassen floppte, die Reaktionen der Kritiker waren verheerend. Also bemühte er sich zwei Jahre später um Schadensbegrenzung und kehrte dafür gleich doppelt zu seinen Ursprüngen zurück: Wie nahezu alle seiner Filme handelt es sich bei Robin Hood – Helden in Strumpfhosen um eine Parodie. Und auch das Thema war nicht neu, hatte er 18 Jahre zuvor mit der frühzeitig abgesetzten Serie When Things Were Rotten schon einmal versucht, dem bekannten Legendenmaterial komische Seiten zu entlocken.

Wirklich erfolgreich war er dieses Mal jedoch auch nicht. Die Einnahmen fielen zwar wieder höher aus, waren aber noch immer weit unter denen seiner frühen Blockbuster. Vor allem aber ist Robin Hood – Helden in Strumpfhosen nicht wirklich besser als sein erster Ausflug in die englischen Wälder. Dabei waren die Voraussetzungen gar nicht mal so schlecht gewesen. Zum einen standen hier merklich mehr finanzielle wie technische Mittel zur Verfügung. Anstatt immer nur im Studio zu drehen, was gerade die Waldszenen recht seltsam werden ließ, geht es hier raus in die große weite Welt. Das sieht nicht nur besser aus, das dabei entstehende Abenteuergefühl lässt die Parodie näher an die Vorlagen rücken. Und genau diese fließenden Grenzen zwischen Verulkung und Hommage waren ja etwas gewesen, das zwei Jahrzehnte zuvor Werke wie Frankenstein Junior und Silent Movie ausgezeichnet hatte.

Angenehm ist zudem, dass hier nicht mit der Brechstange versucht wird, die Witze ins Publikum zu prügeln, man sich anders als bei der TV-Serie doch eher zurückhielt. Vielleicht sogar zu sehr: Eigentlich ist Robin Hood – Helden in Strumpfhosen nur selten lustig. So selten, dass man zuweilen nicht einmal sagen kann, ob das überhaupt noch eine Komödie sein soll oder Brooks nicht doch einfach die bekannte Geschichte nur nacherzählen will. Die eher unterforderten Lachmuskeln mögen jedoch nicht nur an der Quantität der Gags liegen, sondern auch an der Qualität. Nein, niemand schafft es, immer witzig zu sein und zu jedem Thema etwas Originelles aus dem Ärmel zu schütteln. Dass Brooks und seine Autoren aber mit derart vielen aus seinen früheren Filmen bekannten Scherzen oder auch direkten Verweisen arbeiten, das hätte dann doch nicht sein müssen, dafür war Brooks früher – anspruchslos-derber Scherze zum Trotz – dann doch zu kreativ gewesen.

Und auch bei der Besetzung zeigte der Komikveteran nicht das von früher gewohnte Händchen. Sein eigener Miniauftritt gehört noch zu den besten Momenten inmitten der Trübseligkeit, auch seinen alten Kompagnon Dom DeLuise in einer kleinen Rolle wiederzusehen, wärmt das nostalgisch veranlagte Herz. Ansonsten aber bleiben die meisten Schauspieler sehr blass. Mit Kollegen wie Madeline Kahn, Gene Wilders, Marty Feldman oder auch John Candy und Rick Moranis kann es hier keiner aufnehmen, da spielten Brooks’ frühere Parodien doch in einer ganz anderen Gewichtsklasse. Ganz so katastrophal wie sich das hier anhört ist Robin Hood – Helden in Strumpfhosen sicher nicht; der eine oder andere Gag sitzt, besser als die oft unterirdische Konkurrenz des Parodienbereichs ist das hier ohnehin. Nur war man von den „Vorgängern“ doch deutlich mehr Einfallsreichtum und Liebe zum Detail gewohnt, weshalb der vorletzte große Film von Brooks in der Summe einfach recht langweilig und überflüssig ist.

Robin Hood – Helden in Strumpfhosen
3.86 (77.14%) 14 Artikel bewerten

Robin Hood – Helden in Strumpfhosen
Der Versuch von Mel Brooks, zu seinen Parodienwurzeln zurückzukehren, fällt insgesamt sehr enttäuschend aus: Die Witze sind von früher zusammengeklaut, die Figuren blass, „Robin Hood – Helden in Strumpfhosen“ eine insgesamt recht langweilige Komödie, die keiner wirklich gebraucht hat.
4von 10

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