(„Truman“ directed by Cesc Gay, 2015)

Freunde fuers Leben

„Freunde fürs Leben“ läuft ab 25. Februar im Kino

Das Leben birgt so manche Überraschung, und nur wenige davon gehen spurlos an uns vorüber. So kommt es, dass sich die alten Jugendfreunde Julián (Ricardo Darín) und Thomás (Javier Cámara) nach etlichen Jahren wiedersehen. Letzterer wanderte vor vielen Jahren nach Kanada aus, wo er sich ein Leben als Lehrer mit Frau und Kindern aufbaute. Julián hingegen blieb in Spanien und ging seiner Leidenschaft für die Schauspielerei im Theater nach. Der Grund ihres Treffens: Julián hat Krebs im Endstadium. Kaum haben sich die beiden Freunde in die Arme geschlossen, ist es wie früher, und es beginnt der Epilog einer langjährigen Freundschaft. Von Arztbesuchen über einen Hund namens Truman bishin zu einem spontanen Flug nach Amsterdam entdecken die beiden ihre Freundschaft auf ein Neues, wenn auch nur für kurze Zeit.

Diagnose: Krebs. Prognose: Unheilbar. Was jetzt? Die Frage stellt sich auch der erkrankte Julián und beginnt damit, sich von all seinen weltlichen Hinterlassenschaften zu verabschieden. Mit von der Partie: sein bester Freund Thomás, der ihm in dieser schweren Zeit bei Seite steht. Krebs ist ein allgegenwärtiges Thema und der Tod ein beinahe alter Freund. Welch surreale Situation sich dem Zuschauer dennoch darbietet: Zu wissen, dass man bald sterben wird. Hierbei bietet die Geschichte einen gelungenen Mix aus grundlegenden Notwendigkeiten, wie z.B. dem Besuch bei einem Bestattungsunternehmen oder der Suche nach einem neuen Herrchen für Juliáns Hund Truman, aber auch emotionalen Wendepunkten wie dem Treffen mit der gemeinsamen Jugendfreundin Paula (Dolores Fonzi) und der allgegenwärtigen Angst vor dem Tod. Allerdings liegt das Augenmerk auf der neu entfachenden Freundschaft der beiden Protagonisten. Während Thomás versucht, sich emotional auf den Tod seines besten Freundes einzustellen, scheint dieser sich mit seiner Situation abgefunden zu haben. Doch auch diese aufgebaute Fassade bekommt mit der Zeit Risse und so finden sich beide zu guter Letzt auf dem selben Nenner wieder – einander nicht verlieren zu wollen.

Der Dialog der Freunde fällt äußerst spärlich aus, verleihen sie doch nur selten ihrem eigentlichen Gefühlsstand Ausdruck, sondern lassen Gestik und Mimik die Leinwand dominieren. Ein Kompliment an die schauspielerische Leistung der Protagonisten, solch einen emotionalen Drahtseilakt, trotz weniger Worte, zu vollbringen. Sollte man dem Film dennoch einen gravierenden Kritikpunkt abverlangen wollen, dann könnte man das eigentliche Ausmaß von Juliáns Krebserkrankung hinterfragen. Befindet er sich doch im Endstadium seiner Krankheit und mit einer Historie an bereits absolvierten Chemotherapien, wirkt er zugegebenermaßen recht fit, und bis auf einen späteren Zwischenfall, nur bedingt beinträchtigt. Jede Erkrankung ist anders, jeder Körper reagiert anders und darüber hinaus sollte man nicht mit klischeehaften Symptomen um sich schmeißen, wenn man solch ein sensibles Thema behandelt. Ein ausgeprägterer physischer Befall des Krebs, zusätzlich zu dem omnipräsenten psychischen Stress, hätte der Handlung jedoch mehr Spannung verliehen und dem Film die nötige Dringlichkeit.

Freunde fürs Leben plätschert trotz des Themas ein wenig vor sich hin. Höhepunkte gibt es nur wenige und die Handlung konzentriert sich überwiegend auf Juliáns Abschied von der Welt. Allerdings birgt die Freundschaft zwischen Julián und Thomás so viel mehr. Die Protagonisten debütieren ein Theaterstück der Emotionen und schaffen es, der ernsten Situation Witz und Lebensfreude zu entlocken. Es gelingt dem Film, das Universum auf einen Moment, eine Freundschaft herunterzubrechen und Liebe und Familie in den Vordergrund zu rücken. Gepaart mit einem schlabbernden Hund zum Liebhaben und einer Prise Komödie auf dem Weg zum Ende, hinterlässt der Film einen bitteren Nachgeschmack, sich doch selber mal wieder bei seinen Liebenden melden zu wollen.

Freunde fürs Leben
4.43 (88.57%) 21 Artikel bewerten

Freunde fürs Leben
Wenn Tod und Komödie Hand in Hand gehen, dann bildet sich eine gefährliche Freundschaft, die Regisseur Cesc Gay jedoch erfolgreich meistert. Zwischen Vergangenheit und Zukunft entfacht eine Freundschaft zweier Freunde zu neuem Leben. Was dem Film an Höhepunkten mangelt, macht er durch seine prägnanten und von Grund auf sympathischen Charaktere wieder wett.
7von 10

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