Candice Renoir Staffel 1
© 2013 Boxeur de Lune

Candice Renoir – Staffel 1

Staffel 2 »

(„Candice Renoir – Saison 1“ directed by Christophe Douchand, Nicolas Picard Dreyfuss, 2013)

Candice Renoir Staffel 1
„Candice Renoir – Staffel 1“ ist seit 26. Februar auf DVD erhältlich

Zehn Jahre war Candice Renoir (Cécile Bois) nicht mehr bei der Polizei tätig gewesen, war ihrem Mann um die ganze Welt gefolgt, hatte sich um die vier gemeinsamen Kinder gekümmert. Doch all das ist vorbei. Ihre Ehe liegt in Trümmern, seitdem sie von ihrem Gatten betrogen wurde. Und so beschließt die Französin, ihren Nachwuchs einzupacken, zurück in die Heimat zu gehen und wieder als Hauptkommissarin zu arbeiten. Einfach ist das nicht. Nicht nur, dass sich in den zehn Jahren so einiges getan hat, sie nun Beruf und Familie unter einen Hut bringen muss. Ihr Team – bestehend aus Antoine Dumas (Raphaël Lenglet), Jean-Baptiste Medjaoui (Mhamed Arezki) und Chrystelle Da Silva (Gaya Verneuil) – hat zudem keine große Lust, sich einfach jemand vor die Nase setzen zu lassen. Und das lassen sie die attraktive und sehr feminine Candice auch zu jeder Zeit spüren.

Wie beginnt man eine neue Krimiserie am besten? Womit die Figuren einfügen? Welchen Grund gibt man an, ausgerechnet jetzt die Geschichte starten zu lassen? Ganz oben auf der Beliebtheitsliste ist, den leitenden Ermittler neu an seinen Arbeitsplatz zu versetzen (Code 37, Broadchurch), ein neu gegründetes Team vorzustellen (Crossing Lines, The Team) oder an einem beschaulichen Ort einen ersten Kriminalfall zu haben (Fortitude, Glue). Hauptsache, etwas ist neu und anders, und der Zuschauer bekommt so das Gefühl, von Anfang an dabei zu sein.

Auch die französische Serie Candice Renoir will sich nicht mit einer langen Vorgeschichte befassen müssen und wählt dafür die erste der drei Methoden: der neue Einsatzort. Das hat nicht nur den Vorteil, dass es keiner großen Einführung gebraucht, sondern geht quasi automatisch mit Spannungen innerhalb des Teams einher, wenn die Alteingesessenen sich einem Neuling unterordnen müssen. Hinzu kommt, dass hier kein wettergegerbter Veteran das Ruder übernimmt, dem man von Natur aus mit ein bisschen mehr Respekt begegnet. Nein, Candice ist blond, hübsch, trägt Stöckelschuhe, sieht ein bisschen wie Barbie aus. Als solche wird sie dann auch immer wieder abschätzig bezeichnet, ein Großteil der acht Folgen lang darf sie sich insbesondere mit Antoine Autoritätswettkämpfe liefern, der ursprünglich ihren Post hätte haben sollen und deswegen gar nicht gut auf sie zu sprechen ist.

Dass das Team mit ihr hadert, liegt aber auch an ihren unkonventionellen Arbeitsmethoden. Wo etwa ihre belgische Kollegin aus Code 37 auf Konfrontation setzt, versucht es die Französin mit Charme, verwickelt die Verdächtigen in Gespräche, hält nach Gemeinsamkeiten Ausschau, um so eine Vertrauensbasis zu finden. Das hat durchaus komische Momente zur Folge, wenn Candice – so scheint es dann immer – völlig den Faden verliert, sich an Tatorten über Belanglosigkeiten austauscht. Und dann wären da noch die kleinen Kämpfe, die sie täglich mit ihren Kindern auszutragen hat und die ebenfalls herrlich deplatziert ihre Arbeit beeinflussen.

Gerade dieser nicht immer glückende Spagat zwischen ihrem Dasein als alleinerziehender Mutter und dem als berufstätige Frau unterscheidet Candice von ihren vielen TV-Kolleginnen, macht sie auch zu einer nahbareren Protagonistin. Momente des Dramas und des Scheiterns sind da zwangsläufig, ohne dass die Serienmacher sich im Dreck suhlen und völlig überzogene Tragödien in das Leben einbauen. Eigentlich erfährt man allgemein recht wenig über die Personen, nur manchmal dürfen die Teammitglieder kleine Einblicke in ihr Leben gewähren. Auch auf eine inzwischen in dem Genre so beliebte Rahmenhandlung muss verzichtet werden. Kleinere wiederkehrende Elemente gibt es zwar, etwas die zaghaften Versuche von Candice, mit ihrem Nachbarn neu anzufangen. Ansonsten konzentriert sich Candice Renoir auf die Fälle, was die Serie zu einem wohltuend einfachen und leichten Krimispaß macht, der seine Geschichten mit einem Augenzwinkern erzählt.

Schade nur, dass eben die nicht immer die interessantesten sind, man sich hier schon sehr auf Zufälle, Intuition und aus Gesprächen folgende Eingebungen setzt. Das eigentliche Rätselknacken kommt dadurch etwas kurz, man hat selten das Gefühl, dass die Lösung durch tatsächliche Arbeit gefunden wird. Trotz des nicht immer befriedigenden Puzzlespiels bietet die erste Staffel von Candice Renoir aber nette und charmante Unterhaltung für zwischendurch. Die Folgestaffel ist übrigens auch schon für Deutschland angekündigt und soll ab dem 1. April in den hiesigen Läden stehen.



(Anzeige)

„Candice Renoir“ ist eine wohltuend einfache Krimiserie, die auf Witz und Charme setzt anstatt auf Protz und großes Drama. Das ist auch aufgrund der etwas anderen Ermittlungsmethoden durchaus spaßig, wenngleich die Fälle manchmal recht willkürlich ihr Ende finden.
6
von 10