(„Sal“ directed by James Franco, 2011)

Sal

„Sal“ ist seit 23. Oktober auf DVD erhältlich

Lange war es ruhig geworden um den Schauspieler Sal Mineo (Val Lauren), der schon mit 16 Jahren seinen Durchbruch in …denn sie wissen nicht, was sie tun erlangt hatte. Das lag zum einen daran, dass er für bestimmte Rollen schon zu alt geworden war, aber auch sein offenes Bekennen zur Homosexualität versperrte ihm mehrfach den Weg. Sal ließ sich aber nicht unterkriegen, arbeitete weiter, wo es ging, zuletzt auch am Theater. Doch gerade, als sich für ihn ein neues Kapitel in seiner Karriere ankündigt, wird er auf dem Nachhauseweg niedergestochen und erliegt kurz darauf seinen Verletzungen.

Mit der Nachricht zu Mineos Ermordung beginnt der Film, mit dessen Nachstellung endet er: Sal gibt unmissverständlich den Rahmen seiner Geschichte vor. Dabei ist es nicht die Tat an sich, die im Mittelpunkt steht und erst Jahre später aufgeklärt wurde. Vielmehr interessiert sich Tausendsassa James Franco, der hier Regie führte, für die letzten Stunden im Leben des Schauspielers, der zweimal für den Oscar nominiert war und anschließend in der Versenkung verschwand.

Aufregend waren diese sicher nicht: Wir sehen ihn in einem Café, beim Fitnesstraining, im Schwimmbad, während er mit einem Hund herumknuddelt. Was sagt uns das über sein Leben? Über Mineo als Menschen? Eigentlich nicht viel, außer dass er eben ein Mensch war. Aber vermutlich war genau das der Punkt. Anders als viele Biopics, gerade über Schauspieler, ist Sal nicht „larger than life“. Und auch kein echtes Drama, von dem tragischen Ende einmal abgesehen. Nicht einmal seine Homosexualität spielt eine wesentliche Rolle, auch wenn sie immer mal wieder zur Sprache kommt. Sal wird hier zu einem recht normalen Mann, der lebenshungrig und optimistisch über seine Projekte spricht, aber auch über absolute Banalitäten.

Passend zum Inhalt wählte Franco eine raue, ungeschönte Herangehensweise. Immer wieder hält die Kamera aufs Geschehen, etwas zu nah, etwas zu lang, scheut sich auch nicht davor, zwischendrin kräftig mit dem Wackeln anzufangen. Nun sind Handkameras keine Seltenheit bei dokumentarisch angehauchten Filmen. Während das dort aber mitunter etwas zu gewollt authentisch daherkommt, geht die Rechnung in Sal auf: Schnell stellt sich der Eindruck ein, man folge Mineo heimlich – wie ein Stalker, ohne dass er es weiß – und schnappt kleine Momente ohne Zusammenhang auf.

Der will sich für den Zuschauer auch nicht ergeben. Wer sind diese Menschen, die Mineo während seines letzten Tages trifft? Das weiß man nur in den wenigsten Fällen, erklärt wird nichts, oft sieht man die Personen auch nur angeschnitten oder von hinten. Faszinierend ist das irgendwo schon, dieser dem Publikum gegenüber so gleichgültige Zugang. Und Val Lauren, mit dem Franco Jahre später bei Interior. Leather Bar. erneut zusammenarbeitete, macht bei diesem Spiel auch überzeugend mit. Aber es ist gleichzeitig frustrierend, wie sehr man hier außen vor gelassen wird, allein gelassen wird mit den Szenen. Wie so oft bei Francos Regiewerken – etwa Child of God oder As I Lay Dying – wird man auch hier mit etwas konfrontiert, das besser als Experiment angenommen werden sollte, weniger als klassischer Spielfilm, der eine Geschichte zu erzählen hat. Wer Letztere erwartet oder fordert, sollte lieber einen Bogen um Sal machen. Der Rest darf es mal mit dem etwas anderen Biopic versuchen.



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Sal
Auch wenn man das erwarten könnte, „Sal“ hat über den Schauspieler Sal Mineo nur wenig zu erzählen. Stattdessen präsentiert der Film zusammenhanglose Episoden kurz vor der Ermordung Mineos. Das ist in seiner Beiläufigkeit und dem Bekenntnis zur Authentizität faszinierend, gleichzeitig aber auch frustrierend und etwas nichtssagend.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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