(„Black Coffee“ directed by Claus Peter Witt, 1973)

Strassenfeger 46

„Black Coffee“ ist als Teil der Sammlung „Straßenfeger 46“ auf DVD erhältlich

Viele wollten die bahnbrechende Formel von Lord Amery (Ernst Fritz Fürbringer) haben, einer von ihnen hat es geschafft und sie tatsächlich entwendet. Und mehr noch: Kurz nachdem der Edelmann bestohlen wurde, stirbt er auch noch, ermordet von einem seiner Gäste. Aber wer könnte das getan haben? Hercule Poirot (Horst Bollmann) und Captain Hastings (Jochen Sostmann) versuchen Licht ins Dunkel zu bringen.

Am bekanntesten ist Agatha Christie sicherlich für ihre Kriminalromane, 66 Stück hat sie zeit ihres Lebens geschrieben, ergänzt um 14 Kurzgeschichtensammlungen. Doch auch ihre Bühnenstücke erzielten beachtliche Erfolge, allen voran das 1952 uraufgeführte „Die Mausefalle“, das bis heute den Rekord hält, das längste ununterbrochen gespielte Theaterstück der Welt zu sein. Weniger bekannt ist „Black Coffee“ aus dem Jahr 1930, obwohl dieses nicht nur das erste Stück Christies überhaupt war, sondern auch ihrem berühmten Detektiv Hercule Poirot eine Bühne bot. Enttäuscht von der Fremdadaption „Alibi“ ein Jahr zuvor und auch von den ersten Filmfassungen ihrer Bücher, entschloss sie sich, es selbst besser machen zu wollen.

Ob ihr das gelungen ist, da darf man unterschiedlicher Meinung sein, Christie selbst gab später zu, dass „Black Coffee“ konventionell und voller Klischees war. Allgemein waren Spionagegeschichten nie so ganz ihre Stärken gewesen, ihre Bücher waren weniger spannend als vielmehr interessante Rätsel, an denen man sich den Kopf zerbrechen konnte. In Maßen geht das auch hier, schließlich kommen mal wieder eine Reihe von Menschen als Täter in Frage, die nicht nur ein Motiv haben, sondern teilweise auch eine finstere Vergangenheit, die sie geradezu prädestiniert, Lord Amery nach Formel und Leben zu trachten. Solide ist die Geschichte allemal, lässt aber die Komplexität späterer Fälle vergessen – allein schon deshalb, weil hier ja alles auf der Bühne gezeigt werden musste, was manche der absurden Tatvorgänge anderer Werke unmöglich macht.

Seinen Theaterursprung sieht man dem Film dann auch zu jeder Zeit an: Die gesamte Haupthandlung spielt sich innerhalb des Anwesens ab, große Variation gibt es da nicht. Aufgelockert werden die Szenen aber durch gelegentliche Außenaufnahmen, vor allem jedoch durch eine dynamische Kamera. Im Gegensatz zu der drei Jahre zuvor ebenfalls vom ZDF produzierten Fernsehaufführung von Mord im Pfarrhaus ist das Poirot-Gegenstück daher zumindest anschaubar, ohne dass einem angesichts der starren Bilder ständig die Augen zufallen. Und auch bei der Besetzung hatte man dieses Mal ein deutlich besseres Händchen, Black Coffee ist sehr viel weniger steif als die deutsche Fassung der Altjungfer.

Nur das mit dem internationalen Flair wollte auch dieses Mal nicht hinhauen: Weder wirken der Lord und seine Gäste britisch, noch zeigt Poirot seine französischsprachigen Wurzeln. Auch sein Äußeres wurde glattgebügelt, es fehlen – abgesehen von dem Ordnungsfetisch – seine kleinen Eigenheiten, seine Überheblichkeit: Horst Bollmann interpretiert die Figur deutlich nahbarer, was ihr ein wenig den ureigenen Charme raubt. Selbst der berühmte Schnurrbart ist hier recht kümmerlich geraten. Niemand würde deshalb auf die Idee kommen, den Deutschen mit seinen deutlich bekannteren Kollegen Albert Finney, Peter Ustinov und David Suchet gleichsetzen zu wollen. Wer diesen Anspruch aber gar nicht hat und neugierig ist, welche Geschichte Black Coffee zu erzählen hat, für den führt ohnehin kein Weg an dieser Version vorbei, schließlich handelt es sich dabei um einen der wenigen Fälle, der nicht in Agatha Christie’s Poirot umgesetzt wurde. Und andere Alternativen gibt es nicht, die beiden früheren Adaptionen aus England (1931) bzw. Frankreich (1932) sind bis heute nicht erhältlich, weder hier noch in ihrer Heimat.

Black Coffee
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Black Coffee
Die deutsche Version des Hercule-Poirot-Theaterstücks ist dank einer dynamischen Kamera und einer brauchbaren Besetzung deutlich gefälliger als andere TV-Adaptionen. Der Fall selbst ist jedoch nicht mehr als Durchschnitt, außerdem wurden die Eigenheiten des belgischen Meisterdetektivs hier völlig vernachlässigt.
5von 10

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