(„A Caribbean Mystery“ directed by Christopher Petit, 1989)

Miss Marple Collection

„Karibische Affäre“ ist als Teil der „Agatha Christie’s Miss Marple Collection“ erhältlich

Um sich von ihrer Krankheit zu erholen, reist Jane Marple (Joan Hickson) auf Einladung ihres Neffen in die Karibik. Die Sonne scheint ohne Ende, das Wasser schimmert im klaren Blau, alles ist so friedlich und ruhig – sehr zum Leidwesen von Miss Marple, die sich in der Idylle unglaublich langweilt. Erst als der endlos plappernde und von allen deshalb gemiedene Major Palgrave (Frank Middlemass) in einer seiner Geschichten davon spricht, auf der Insel einen Mörder wiedererkannt zu haben, wird die ältere Dame hellhörig. Doch noch bevor er ihr das Beweisfoto zeigen kann, wechselt er schnell das Thema. Eine zweite Gelegenheit gibt es nicht, denn am nächsten Tag wird Palgrave tot aufgefunden – für die Hobbydetektivin ein klarer Fall: Es war Mord. Aber wer könnte es gewesen sein?

Als Agatha Christie 1927 das erste Mal die scharfsinnige Miss Marple auf Verbrecherjagd schickte, war dies auch, um einen größtmöglichen Kontrast zu ihrer Romanfigur Herucle Poirot zu schaffen: Der eine war mondän, wortgewandt, strotzte vor Selbstbewusstsein, verkehrte in den obersten Kreisen und nahm Fälle auf der ganzen Welt an. Seine „Kollegin“ hingegen war eine bescheidene, nette, alte Dame, die den Täter aufgrund von Analogien zu ihren Dorfmitbewohnern erkannte. Damit einher ging natürlich auch eine gewisse Immobilität, Miss Marple fuhr zwar ein wenig durch England, aufgrund ihres Alters und ihrer zunehmend schwächelnden Gesundheit nie aber allzu weit.

Insofern ist das 1964 erschienene „Karibische Affäre“ gleich in mehrfacher Hinsicht ein Exot, der Poirot-Geschichten deutlich näher war als den eigenen. Ganz so opulent wie Tod auf dem Nil oder Das Böse unter der Sonne wird es hier natürlich nicht, das war bei dem Fernsehfilm allein schon aufgrund des Budgets nicht möglich. Wenn Miss Marple an Palmen vorbeiläuft anstatt an ordentlichen, englischen Gärten und sie im Dorf nur von farbigen Menschen umgeben ist, dann fühlt man sich zeitweise aber doch in einem falschen Film. Gut möglich, dass man deshalb 1983 diesen Roman gewählt hatte, als man in den USA versuchte, die Amateurdetektivin für das Fernsehen aufzubereiten – damals noch mit Helen Hayes und unter dem deutschen Titel Das Mörderfoto.

Doch gleich ob USA oder eben hier als BBC-Version, mit Hayes oder Hickson, die hier bereits das zehnte Mal Miss Marple spielen durfte, der Fall gehört so oder so zu den besseren mit der unscheinbaren Schnüffelnase. Die Zutaten dafür sind bekannt: Eine Leiche, ein Hotel als Mittelpunkt (siehe auch Die Tote in der Bibliothek und Betrams Hotel) und viele mögliche Täter. Anders als bei vielen Christie-Krimis, wo rein zufällig eine Menge Leute auftauchen, die aus den unterschiedlichsten Motiven als Mörder in Frage kommen, steht hier das Motiv schon fest, es fehlt nur der entsprechende Schuldige dazu. Die Umkehrung ist reizvoll, wenngleich Zufälle trotz allem eine große Rolle spielen und die Lösung vergleichsweise leicht zu erraten ist.

Die Umsetzung ist dabei wie schon bei den anderen Teilen der TV-Reihe hochwertig, bei der Besetzung sticht neben der ungewohnt bissigen Joan Hickson vor allem Donald Pleasance als mitunter abstoßender Jason Rafiel hervor, der in anderen Krimis geradezu prädestiniert für die erste Leiche gewesen wäre. Es sind diese kleinen Variationen bekannter Elemente, die Karibische Affäre trotz einiger etwas hastig erzählter Stellen selbst für erfahrene Rätselknacker zu einem lohnenswerten Film machen, der gleichzeitig etwas fürs Auge und auch die grauen Zellen bietet.

Karibische Affäre
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Karibische Affäre
Sonne, Strand, Erholung? Nicht für Miss Marple, die selbst in der Karibik auf Mörder stößt. Die ungewohnte Kulisse und kleine Variationen bekannter Schemata machen „Karibische Affäre“ auch für erfahrene Krimifans zu einer lohnenswerten Angelegenheit, der Fall ist nachvollziehbar, wenn auch vergleichsweise leicht zu erraten.
7von 10

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