(„Ted 2“ directed by Seth MacFarlane, 2015)

Ted 2

„Ted 2“ läuft ab 25. Juni im Kino

Sie sind beste Freunde, seit über 30 Jahren schon, haben Unmengen an Alkohol, Drogen und sonstigen Vernügungsquellen miteinander geteilt. Doch in der Liebe könnte es für John (Mark Wahlberg) und Ted nicht unterschiedlicher laufen: Während Ersterer immer noch unter der Trennung von seiner großen Liebe leidet, tritt der einst zu Leben erwachte Teddybär mit seiner Arbeitskollegin Tami-Lynn (Jessica Barth) vor den Traualtar. Als sie einige Monate später das Familienglück durch ein Kind vollständig machen wollen, kommt der Schock: Ted wird von den Behörden nicht als Mensch anerkannt, sondern als eine Sache definiert – was den Verlust seiner Kreditfähigkeit, seines Arbeitsplatzes und auch seiner Ehe zur Folge hat. Was ein echter Bär ist, lässt sich sowas jedoch nicht ohne weiteres gefallen, zusammen mit John sucht er Hilfe bei der Nachwuchsanwältin Samantha (Amanda Seyfried).

Wenn ein Film über 500 Millionen Dollar weltweit einspielt, ist die Frage nach einer Fortsetzung eher rhetorischer Natur, vor allem wenn man wie Seth MacFarlane mit der zweiten Regiearbeit A Million Ways to Die in the West ziemlich baden gegangen ist. Wer würde es ihm da verdenken, dass der Schöpfer der Zeichentrickklassiker Family Guy und American Dad da erst einmal wieder auf Bewährtes zurückgreift? Wenig überraschend wird einem hier daher vieles bekannt vorkommen: Beim derben Humor, den Figuren und auch anderen Elementen gibt es für Fans ein Wiedersehen mit dem, was den Vorgänger so beliebt gemacht hat. Ein verzweifelter Schnellschuss ist Ted 2 dennoch glücklicherweise nicht geworden, und auch keine einfache Kopie des ersten Teils.

Tatsächlich ist der Inhalt dieses Mal sogar deutlich interessanter: Verließ sich Ted zu sehr darauf, dass ein koksender Bär genug ist, um einen ganzen Film zu tragen, ist der Humor nun abwechslungsreicher geworden, gefällt mit absurden Szenen, die mit der Handlung zwar so gar nichts zu tun haben, als Einzelmomente aber gut funktionieren. Und auch die Geschichte an sich gibt sich nun mehr Mühe, indem sie die außergewöhnliche Ausgangssituation zu mehr benutzt als einer belanglos-zahmen Bromance-Romance-Komödie.

„Was macht einen Menschen eigentlich zu einem Menschen?“, das ist eine Frage, die mal mehr, mal weniger implizit gerne von Science-Fiction-Filmen aufgegriffen wird wie zu zuletzt in Chappie oder Ex Machina. Ganz so existenziell wie bei Letzterem wird MacFarlane natürlich nicht, da wollte man das breite Publikum nicht mit zu philosophischen Überlegungen abschrecken, stattdessen liefert man lieber ein bisschen Fastfood fürs Herz, anspruchsvoll ist Ted 2 zu keinem Zeitpunkt. Und auch nicht immer überzeugend: Wie beim letzten Mal tummeln sich unter den im Sekundentakt hinausgeschossenen Gags auch dieses Mal wieder viele müde Rohrkrepierer, die man vermutlich wirklich nur dann lustig finden kann, wenn man wie John und Ted dauerzugedröhnt ist, die zu sehr auf Wiederholung setzen oder auch zu lange dauern.

Dafür darf man sich wie üblich auf Anspielungen zur Popkultur freuen, stärker noch als beim ersten Teil hat man hier den Eindruck, plötzlich in einer 80er-Jahre-Komödie gelandet zu sein, woran die Musikstücke nicht ganz unschuldig sind. Und an Gastauftritten mangelt es auch nicht, vor allem die Szene mit Liam Neeson gehört zu den Höhepunkten des Films. Schade nur, dass die Nebenhandlung um Teds Dauerstalker Donny (Giovanni Ribisi) dieses Mal recht schwach geworden ist, man auf dessen Filmsohn sogar ganz verzichten muss. Der große Knaller ist Ted 2 durch alte wie neue Schwächen damit auch nicht geworden, zumal der Novelty-Effekt eines pöbelnden Kuscheltiers zwangsweise fehlt. Wer diese Erwartung aber gar nicht hegt, sondern einfach nur die Donner Buddies wieder im Einsatz sehen möchte, findet in der Fortsetzung sogar den besseren, weil einfallsreicheren Film.



(Anzeige)

Ted 2
4 (80%) 8 Artikel bewerten

Ted 2
Der zweite Auftritt von Pöbelbär Ted setzt auf bewährte Zutaten wie derben Humor und Anspielungen auf die Popkultur. Neu und überraschend ist „Ted 2“ natürlich nicht, liefert Fans aber, was sie wollen, und ist im direkten Vergleich dank der interessanteren Geschichte und der abwechslungsreicheren Witze sogar besser als der Vorgänger.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.