(„Doctor Strange: the Sorcerer Supreme“ directed by Jay Oliva, Patrick Archibald and Dick Sebast, 2007)

Doctor Strange The Sorcerer SupremeDr. Steven Strange ist ein begnadeter Neurochirurg, bis zu dem Tag, als er von seltsamen Visionen verschreckt mit seinem Auto im Graben landet. Seither kann er seine Hände kaum mehr kontrollieren, welche Behandlungsmethode er auch versucht, wie viel Geld er auch für Experten ausgibt, helfen kann ihm keiner. In seiner Verzweiflung beschließt er, nach Tibet zu fahren, wo er sich in einem abgelegenen Kloster Rat verspricht. Doch der weise Mann dort hat überhaupt kein Interesse daran, ihm zu seinem alten Beruf zurück zu verhelfen, sieht ein ganz anderes Potenzial in Strange. Und eines, das er gut brauchen kann, denn ein mächtiges Monster ist gerade dabei, auf die Erde zurückzukehren.

Bei kaum einem Film aus dem Marvel Cinematic Universe wurde wohl im Vorfeld vergleichbar viel über die Besetzung spekuliert wie beim kommenden Doctor Strange. Inzwischen sind die Eckdaten bekannt: Benedict Cumberbatch (Sherlock, The Imitation Game) spielt die Hauptrolle, Regie führt Scott Derrickson (Sinister, Erlöse uns von dem Bösen), Kinostart soll hierzulande am 27. Oktober 2016 sein. Das gesteigerte Interesse an der kommenden Marvel-Verfilmung ist zum Teil natürlich auch auf den großen Erfolg von Avengers, Iron Man und Co. zurückzuführen, aber auch darauf, dass die 1963 eingeführte Comicfigur in eine andere, deutlich finsterere Richtung geht als die meisten anderen Superhelden.

Doctor Strange: The Sorcerer Supreme, der insgesamt vierte der acht Direct-to-Video-Zeichentrickfilme hat erstaunlich viel von dieser Düsterkeit beibehalten. Schon der Anfang, wenn die zukünftigen Mitstreiter sich mit furchteinflößenden Bestien einen erbitterten Kampf liefern, macht klar, dass es hier bald ans Eingemachte geht. Und wenn die Alpträume der Kinder die Ankunft des mörderischen Überwesens ankündigen, ist der Film endgültig im Horrorgenre angekommen. Auch der Tod schaut hier mehrfach vorbei, sowohl bei der Bevölkerung wie auch den Hauptfiguren gibt es explizite Sterbeszenen – ein Novum in der ansonsten eigentlich kinderfreundlichen Reihe. Die düstere und dichte Atmosphäre ist dann auch der eine Grund, weshalb Doctor Strange im Vergleich zu den ersten Teilen der Reihe – Ultimate Avengers und Ultimate Avengers 2 – deutlich interessanter ist, der andere ist die Geschichte.

Hatten die beiden Superhelden-Crossovers (wie auch die Realfilme) damit zu kämpfen, dass bei so vielen Charakteren zu wenig Raum für jeden einzelnen bleibt, lässt man sich hier doch sehr viel mehr Zeit: Als Origins-Film erzählt Doctor Strange: The Sorcerer Supreme, wie der ehemalige Arzt zum Zauberer wurde und gönnt sich dafür eine satte Stunde. Dennoch sollte man sich nicht zu viel von der Geschichte erwarten, das Motiv der Läuterung vom egozentrischen Arzt zum Helden ist weder vom Prinzip noch von der Umsetzung her übermäßig einfallsreich, da werden schon diverse Klischees bedient. Gleiches gilt für die Mythologie der Monster. Zumindest aber erfüllt die Handlung ihren Zweck, und der lautet Kämpfe.

Die sind dann auch ganz hübsch in Szene gesetzt, bekommen einige nette Computereffekte spendiert. Ansonsten entspricht Doctor Strange aber dem Standard der Vorgängerfilme. Allzu detailliert ist hier nichts, an manchen Stellen sieht es sogar etwas billig aus, dafür sind andere ganz stimmungsvoll geworden, insgesamt bewegt man sich auf dem Niveau einer soliden Vormittagssendung. Wem das reicht, darf hier durchaus mal reinschauen, als Zwischenlösung, um die Wartezeit bis zum Realfilm zu überbrücken, ist das Fantasyabenteuer nicht die schlechteste Wahl.

Doctor Strange: The Sorcerer Supreme
4 (80%) 3 Artikel bewerten

Doctor Strange: The Sorcerer Supreme
Der erste Zeichentrickauftritt des bekannten Zauberers ist deutlich düsterer, als man es von seinen Marvel-Kollegen her kennt. Tatsächlich gehört die horrorlastige Atmosphäre zu den Stärken des Films, die Geschichte ist zwar voller Klischees, geht aber in Ordnung. Und auch die Optik hält sich auf einem brauchbaren Niveau.
6von 10

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